Es begann als Spielwarenladen

Die Firma Betzold hat das erfolgreichste Jahr ihrer Unternehmensgeschichte abgeschlossen und geht von weiterem Wachstum aus. Das Unternehmen expandiert weiter in Europa und baut sich mit hochwertigen Lernspielen ein neues Standbein auf. Der deutschlandweit größte Versandhändler für Schulmittel hat im Industriegebiet Ellwangen rund 100 Beschäftigte und plant umzuziehen.

Zum Glück nur einige Straßen weiter.

Die Arnulf Betzold GmbH im Industriegebiet Neunheim gehört zu den wenigen Unternehmen Deutschlands, die sagen können: "Das vergangene Jahr war unser bestes in der Firmengeschichte", so Ulrich Betzold. Und das ganz ohne staatliche Hilfen wie die Abwrackprämie. Die gab es nicht für den Schulmittelbedarf. Nach vorläufigen Ergebnissen wird der Umsatz 2009 bei rund 35 Millionen Euro liegen. Das ist die gute Nachricht. Die schlechte: "Es kann schon noch passieren, dass uns die Krise trifft, zeitversetzt", sagt Ulrich Betzold und blickt auf die sinkenden Einnahmen der Kommunen. Die öffentliche Hand kürzt die Etats für die kommenden Jahre, auch in den Bildungsbudgets der Länder.

Doch Betzold sorgt dem drohenden Unheil vor, indem das Produktportfolio ausgebaut wird und weitere Niederlassungen in anderen Ländern eröffnet werden. "Wir gehen davon aus, auch die kommenden Jahre bei kommunal mageren Mitteln gut zu überstehen", prognostiziert Ulrich Betzold. Ulrich ist mit seinen 33 Jahren der ältere der beiden Betzold-Brüder, die mit dem Vater und Gründer der Firma gleichberechtigte Geschäftsführer sind. Ulrich ist für das operative Geschäft wie Finanzen und Logistik zuständig. Albrecht, 28, kümmert sich um das Marketing. Betzold ist mit deutlichem Abstand auf die Wettbewerber der größte Schulversandhändler Deutschlands. Pro Tag werden von Ellwangen aus zwischen 2000 und 2200 Pakete verschickt, auch in die Schweiz, nach Österreich, Polen, Rumänien und Belgien, wo Bezold Niederlassungen hat. Mit Frankreich kommt ein weiteres Tochterunternehmen in diesem Jahr dazu. Der Versand der Ware erfolgt von Ellwangen aus für ganz Europa. Um der gewaltigen Mengen Herr zu werden, hat Betzold im vergangenen Jahr rund 6,6 Millionen Euro in den Bau eines modernen Hochregallagers investiert. Die Eröffnung ist in den nächsten Tagen. Gegründet wurde die Firma 1972 als Spielwarenladen in Schwäbisch Gmünd von Arnulf Betzold. Irgendwann kamen zu den Spielsachen Schreibwaren und später wandelte sich der Einzelhändler zum Schulausstatter. Zunächst besuchten Vertreter die Schulen, dann wurden sie durch Kataloge ersetzt. 1976 zog die Firma ins Industriegebiet Ellwangen und beschäftigt heute rund 100 Mitarbeiter in Ellwangen und 20 im Ausland. In der Kommissionierung, dem Zusammenstellen der einzelnen Versandaufträge, arbeiten überwiegend Frauen in unterschiedlichen Teilzeitmodellen. Die Beschäftigungsumfänge reichen von zehn bis 90 Prozent. Zwölf Lehrlinge werden als Bürokaufleute, Mediengestalter, Werbekaufleute, Werbefotografen und Fachkraft für Lagerlogistik ausgebildet. "Stellen Sie sich vor, es wird eine Schule eröffnet. Da braucht man ein Gebäude, Schüler und Lehrer. Alles weitere kommt von uns", sagt Ulrich Betzold. Über 10 000 verschiedene Artikel bietet die Firma in Katalogen an. Auch auf der Homepage kann bestellt werden, und im eigenen Call-Center der Firma. Hier sitzen in Spitzenzeiten bis zu 30 Agentinnen - alles ausgebildete Fachkräfte - beraten und nehmen die Bestellungen auf. Seit einigen Jahren bietet Betzold Produkte für Kindergärten an. Die jüngste Produktgruppe sind hochwertige Lernspiele für Eltern. Damit will das Unternehmen Umsatzrückgänge durch sinkende Geburtenzahlen kompensieren. "Wir gehen sogar davon aus, dass wir mit den Umsätzen aus den Verkäufen von Lernspielen nicht nur den Rückgang an Schulbedarf ausgleichen können. Nach unseren Prognosen wird das neue Produktsegment zu einem weiteren Wachstum beitragen, weil es viel mehr Eltern gibt als Kindergärten und Schulen. Und wenn es weniger Kinder gibt, wird für die wenigen umso mehr Geld ausgegeben", meint Ulrich Betzold.

Weil der Finanzchef der Firma fest von weiterem Wachstum ausgeht, hat Betzold im vergangen Jahr nicht nur das Grundstück für das Hochregallager in der Ferdinand-Porsche-Straße gekauft, sondern sich gleich das Vorkaufsrecht für weitere Fläche gesichert, insgesamt fünf Hektar. Der jetzige Standort ist auf Dauer zu klein, deshalb wird Betzold in den kommenden drei bis fünf Jahren ein neues Gebäude für die Kommissionierung an das Hochregallager bauen. Irgendwann soll auch ein neues Bürogebäude entstehen und dann wäre das gesamte Unternehmen an einer Stelle zusammengefasst. Bislang sind Lager in Westhausen und im Industriegebiet angemietet. Die werden mit der Inbetriebnahme des neuen Hochregallagers zwar aufgelöst. Doch vom Lager muss die Ware immer noch mit LKWs in die Kommissionierung gefahren werden. Mit einem weiteren Neubau sollen diese Wege entfallen. Das hätte Betzold auch gleich haben können, wenn zwei neue Hallen gebaut worden wären. Doch dagegen spricht die Vorsicht des Finanzchefs: "Wir bauen ganz gerne so, wie es unsere Finanzkraft hergibt." Mit dem Hochregallager geht Betzold zwar hoch hinaus - es ist über 30 Meter hoch und einige schwindelfreie Mitarbeiter mussten deshalb an Höhenkletterkursen teilnehmen - doch die Bodenhaftung will die Firma nicht verlieren.

Peter Ilg

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