Friedensbewegung warnt vor Atomkrieg

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Rund 50 Menschen beteiligten sich an der Hiroshima-Mahnwache am Fuchseck: Walter Belge singt "Masters of War" von Bob Dylan.
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77 Jahre nach dem Atombombenabwurf über Hiroshima kommen am Fuchseck rund 50 Personen zur Mahnwache zusammen.

Ellwangen

Die Ellwanger Mahnwache hatte am Samstag zum Gedenken an Hiroshima eingeladen und zahlreiche Passanten blieben stehen, um den Reden zu lauschen. Seit mit dem Ukrainekrieg die Gefahr einer Ausweitung zum Atomkrieg im Raum steht, sind wieder mehr Menschen für das Thema sensibel. Gerhard Schneider freute sich über die rege Beteiligung und rief: "Wir dürfen nicht zuschauen, wie die Mächtigen in der Welt eine Politik machen, die immer weiter in den Abgrund führt."

"Um diese Uhrzeit lag Hiroshima bereits in Schutt und Asche und 70 000 Menschen waren tot", begann Josef Baumann seine Erinnerung an den "Hiroshimatag", den 6. August 1945. Seitdem spiele die Menschheit mit dem atomaren Feuer, sagte der Friedensaktivist und erinnerte daran, dass sich die Verantwortlichen des ersten Atombombenabwurfs bei den Opfern nie entschuldigt hätten. "Wir sollten die Opfer nicht vergessen, das sind wir ihnen schuldig", meinte Baumann und bat um eine Schweigeminute.

Die Friedensbewegung hat in Ellwangen eine lange Geschichte. Schon vor 40 Jahren, als in Mutlangen Atomwaffen stationiert wurden, seien Demonstranten aus Ellwangen dabei gewesen. "Unser Mut muss langen", hätten sie damals skandiert, erinnerte Baumann, das gelte auch heute noch, wo in Deutschland 100 Milliarden Euro für die Aufrüstung der Bundeswehr und in den USA 1,2 Billionen Dollar für die Modernisierung der Atomwaffen ausgegeben werden. Die Welt könne sich diese Aufrüstung nicht leisten, das Geld fehle im Kampf gegen den Klimawandel. "Wir wäre es, wenn wir Putin einfach zum Methodiustag einladen", fragte der Lehrer an der Berufsschule, der von seinen Schülern auch schon als "naiver Gutmensch" bezeichnet wurde und versicherte: "Wir brauchen die Abrüstung in Herz und Hirn."

Ursel Hanselmann-Moser verlas einen Text ihrer Tochter Carola zum Atomwaffensperrvertrag. Seit über 50 Jahren werde damit versucht, die Nichtverbreitung und die Abrüstung von Atomwaffen voranzubringen. Doch die Zahl der Nationen, die selbst über Atomwaffen verfügen, habe sich weiter erhöht. Neben USA, Russland, Frankreich, Großbritannien, China seien auch Israel, Pakistan, Indien und Nordkorea im Besitz von Atomwaffen.

2021 wurde der Atomwaffenverbotsvertrag von 122 der 193 UN-Staaten unterzeichnet, von Deutschland jedoch nicht. "Die Bundesregierung agiert enttäuschend", sagte die Rednerin mit Blick auf die beabsichtigte Beschaffung der F 35-Kampfflugzeuge, die Atomwaffen tragen können und lobte die Stadt Ellwangen und den Ostalbkreis, die sich der Kampagne ICAN für ein Atomwaffenverbot angeschlossen haben.

Dr. Friedrich Böhme von dem Verein IPPNW (Ärzte gegen Atomwaffen) machte darauf aufmerksam, dass mit der Ukraine erstmals in einem Land Krieg geführt werde, in dem Atomkraftwerke betrieben werden. Die Gefahr, dass es unbeabsichtigt oder beabsichtigt zu einer atomaren Katastrophe in Europa komme, sei real. Die IPPNW fordere eine Abkehr von der Strategie der atomaren Abschreckung, weil es sich dabei um eine trügerische, unmoralische und im Sinn der Menschenrechte illegale Strategie handle. "Atomwaffen haben nicht zum Ende von Krieg und Gewalt beigetragen", sagte Böhme mit Blick auf den laufenden Krieg in der Ukraine. Die Hemmschwelle zum Einsatz einer Atomwaffe sei durch neuere, steuerbare Systeme nach Einschätzung von Fachleuten eher gesunken. "Seit Auschwitz wissen wir, wessen der Mensch fähig ist, seit Hiroshima wissen wir, was auf dem Spiel steht", schloss er mit einem Zitat von Viktor Frankl.

Walter Belge spielte auf der Gitarre zwischen den Ansprachen und sang Lieder wie "Masters of War" von Bob Dylan, "Hiroshima" von Wishful Thinking oder "Traum vom Frieden" von Hannes Wader.

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