Gas für 50 000 Euro an einem Tag

+
Gaszähler im Privathaushalt: Die Turbulenzen am Gasmarkt werden auf die Verbraucher bald durchschlagen.
  • schließen

Stadtwerkechef Stefan Powolny spricht im Gemeinderat über die Preisentwicklung am Gasmarkt und die reale Gefahr einer Gasmangellage.

Ellwangen

Eigentlich ging es um die Jahresabschlüsse der GmbHs mit städtischer Beteiligung und wie die Vertreter des Gemeinderats in den Aufsichtsräten abstimmen sollen. Doch besonders aufschlussreich war, was Stefan Powolny als Geschäftsführer über die aktuelle Situation der Stadtwerke sagte. "Ich habe die Folien gestern vorbereitet, aber sie sind schon wieder Makulatur, weil die Gasumlage doch nicht kommt", schickte er seinem Vortrag voraus.

Dann zeigte er, wie sehr kommunale Versorgungsbetriebe unter der aktuellen Preisentwicklung leiden. Mit gewaltigen Summen müssen vielerorts die Stadtwerke unterstützt werden, um nicht insolvent zu werden. "Die ganze Branche ist im Aufruhr, die Situation ist extrem angespannt, das Angebot knapp", skizzierte Powolny die Lage. Der Markt reagiere extrem sensibel. Nach der Zerstörung der Nord Stream-Pipelines sei der Gaspreis sofort wieder in die Höhe geschossen, obwohl durch diese Leitungen kein Gas nach Deutschland strömte.

"Wir kommen bisher sehr gut durch die Krise", stellt Powolny fest, was zum einen an der langfristigen Einkaufspolitik bei Erdgas liege, zum anderen an den aktuell hohen Gewinnen aus dem Betrieb der Windkraftanlagen. Man habe Liquidität aufgebaut. Dass die Stadtwerke trotzdem nicht "safe" sein können, liege an den Unsicherheiten, die alle Versorger betreffen. "Wenn die Branche wackelt, wackeln wir mit."

Wie sich die Versorgungslage noch auf auf das Geschäft der SWE auswirkt, sei kaum vorauszusagen. Klar sei indes:  der aktuelle Gasverbrauch ist nicht reduziert, wie sich das die Versorgungsbetriebe erhofft hatten. Die Heizungen laufen, trotz aller Sparappelle. Sind die Verbraucher sorglos, weil die Gasspeicher ja zu über 90 Prozent gefüllt sind? Oder liegt es daran, dass dieser September kälter war als voriges Jahr? Powolny: "Der Vorrat ist in sechs bis acht Wochen weg, wenn es richtig kalt wird." Oder sind die aktuellen Abschläge noch kein Anreiz zum Gassparen? Powolny: "Der Einpersonenhaushalt, der voriges Jahr 1132 Euro zahlte, muss 2022 bereits 1400 Euro zahlen und nächstes Jahr 3773 Euro." Bei diesen Zahlen war die Gasumlage noch mitgerechnet. Und damit sind die Preise der SWE noch moderat. Bei anderen Anbietern und neuem Vertrag kostet die gleiche Gasmenge 2023 mehr als das Doppelte. "Wir haben nur für heute Spotmarktkosten von 50 000 Euro", berichtete Powolny und zeigte damit, wie sehr das Geschäft der Stadtwerke vom Verbrauch der Kunden abhängt. Umgekehrt wie vor der Krise profitieren die Stadtwerke, wenn sie wenig liefern müssen. Wird viel verbraucht, steigen die Kosten exorbitant.

Wie das Unternehmen nach dem Winter dastehen wird, hängt also vom Gassparen der Kunden ab. Deshalb wird jetzt auch ein "Spartarif" eingeführt, der dem Kunden einen finanziellen Bonus beschert, wenn er weniger Gas abnimmt. Allein schon die extreme Teuerung berge enormen sozialen Sprengstoff, weil sie viele Haushalte finanziell völlig überfordert. Wie sich ein kompletter Ausfall der Gasversorgung auswirken würde, wenn etwa der Winter eisig wird, die Gasvorräte aufgebraucht sind und nicht genug nachfließt, das will sich im Moment kaum jemand wirklich vorstellen. 

Deshalb gebe es jetzt nur eine Notwendigkeit: Gas sparen, wo immer es möglich ist. "Nicht jeder Bürger hat den Knall gehört", kommentierte der Oberbürgermeister die Nachricht, dass der Tagesverbrauch gegenüber 2021 nicht zurückgegangen ist.

Zurück zur Übersicht: Stadt Ellwangen

Mehr zum Thema

Kommentare