„Unikat des Virngrunds“ wird gefeiert

+
Das „Unikat des Virngrunds“ wird gefeiert
  • schließen

Mit großem Programm ist Ellenbergs langjähriger Bürgermeister Rainer Knecht am Donnerstagabend in den Ruhestand verabschiedet worden.

Ellenberg. Dass die Elchhalle am Donnerstagabend genagelt voll war, dass der Festakt zur Amtsübergabe nicht wie sonst üblich schlanke anderthalb, sondern knappe vier Stunden dauerte, dürfte maßgeblich an ihm gelegen haben: Rainer Knecht. Der dienstälteste Bürgermeister des Ostalbkreises wurde in den Ruhestand verabschiedet. Was an nicht nur „seine“ Ellenberger an diesem Abend schwer bedauerten.

Die Liste der Festredner war am Donnerstagabend genauso lang wie das Programm. Neben der Begrüßung der neuen Bürgermeisterin Anna-Lisa Bohn galt es, in der Elchhalle einen der (womöglich sogar den) beliebtesten Bürgermeister im Landkreis zu verabschieden.

Und so war gefühlt alles da, was Rang und Namen hatte. Wobei nicht nur kommunalpolitische Prominenz in großer Zahl aufmarschierte. Alle Vereine des Ortes zeigten Flagge, die Feuerwehr, die Polizei, die Schule, das Ellenberger Rathausteam, der Gemeinderat und nicht zuletzt Knechts Familie. Und alle fanden sie die richtigen Worte, für einen Mann, der das Amt des Dorfbürgermeistes 29 Jahre nicht nur gelebt, sondern offenkundig auch geliebt hat.

Landrat Joachim Bläse attestierte Knecht in seiner Laudatio „große Bürgernähe“. Er habe in Ellenberg, trotz knapper Finanzen, nicht nur die Wohn- und Lebensqualität deutlich verbessert – er habe dem Dorf vor allem auch Gemeinschaft gegeben. Dass Knechts Entschluss, sich zurückzuziehen, in der Corona-Pandemie gereift ist, sei bezeichnend gewesen, meinte Bläse. Denn: „Niemand hat in dieser Pandemie wohl so gelitten wie Rainer Knecht. Abstand halten, auf Distanz gehen – das war nie Rainer Knechts Vorstellung von guter Kommunalpolitik. Das war für ihn ein Alptraum.“  Abschließend wurde der Landrat persönlich: „Rainer, Du wirst mir als Bürgermeister fehlen.“

Das unterstrich danach auch Andrea Schnele, Vorsitzende des Bürgermeistersprengels Ries-Virngrund. Sie würdigte Knecht als ein „Unikat des Virngrunds“. „Ein Mann, ein Wort. Das ist Rainer Knecht. Stets zuverlässig und fair. Gesellig. Ein Menschenfreund und ein Netzwerker – der sich immer für Ellenberg eingesetzt hat“, erklärte Schnele. Dass Knecht nun den Sprengel verlassen wird, sei „sehr, sehr schade“.

Wie beliebt Knecht war, wurde aber auch aus den Worten von Feuerwehrkommandant Reinhold Rief, Schulleiterin Marie-Luise Rettenmaier und Markus Brenner als Vertreter der Vereine deutlich. Wie Brenner erklärte, sei sich Knecht nie zu schade für den Besuch einer Hauptversammlung gewesen. Bei wichtigen Veranstaltungen und Festen sei Knecht, der Mitglied in allen Ellenberger Vereinen ist, stets dagewesen. Und so wunderte es auch nicht, dass der Musikverein und der Liederkranz in großer Mannstärke den Festakt stimmungsvoll umrahmten.

Marie-Luise Rettenmaier nannte Knecht einen „großen Bürgermeister“, der sich immer vorbildlich um die Anliegen der Schule gekümmert habe. Und: „In den 29 Jahren seiner Amtszeit hat er bei keinem einzigen Schulfest gefehlt.“ Der CDU-Landtagsabgeordnete Winfried Mack dankte Knecht ebenfalls für „29 herausragende Jahre“, er überlasse seiner Amtsnachfolgerin Anna-Lisa Bohn ein „wohlbestelltes Feld“.

Die Rathausmitarbeiter, Gemeinderäte und Männer vom Bauhof bedankten sich gesanglich und mit sehr vielen Strophen bei ihrem scheidenden „Kapitän“. Angepeitscht von Kämmerer Jürgen Bieg am Akkordeon musste auch der Saal beim Refrain mitsingen. Es wurde ein vielstimmiger, aber auch lauter Chor.

 Worte des Dankes kamen zudem von der Familie, vertreten durch Knechts Söhne Magnus und Fabian Knecht. „Wir sind sehr stolz auf Dich. Du bist eine Bürgermeisterlegende“,  befand Sohn Magnus und übergab seinem sichtlich gerührten Vater eines von vielen Geschenken, das am Donnerstagabend überreicht wurde.  Eindrücklich auch die Worte von Knechts Schwager Rudi Salenbauch. Er hoffe, dass der Bürgermeister Knecht „kein Auslaufmodell“ sei. Er beobachte mit Sorge, wie sich das Land zu einer „Firlefanzgesellschaft“ entwickele. Da seien Menschen wie Rainer Knecht, die auf gesunden Menschenverstand setzen, eine Wohltat. Sein Fazit: Berlin braucht einfach mehr Rainer Knechts.  Jubelnder Applaus im Saal.

Dem angehenden Pensionär gehörte am Donnerstagabend dann das letzte Wort. Knecht bedankte sich bei allen, die ihn in den letzten drei Jahrzehnten durch seine Amtszeit begleitet haben – vor allem bei seiner Frau Maria. Ihre Unterstützung sei „überragend“ gewesen. Seiner Amtsnachfolgerin bot er seinen Rat und seine Hilfe an – „wenn Du das wünscht“. Mit langanhaltenden stehenden Ovationen wurde sein allerletztes Statement als Noch-Bürgermeister bedacht: „Ich war immer stolz auf Ellenberg. Es hat mich gefreut, Euer Knecht und Bürgermeister gewesen zu sein. Glückauf Ellenberg.“

Lesen Sie auch

Anna-Lisa Bohn ist Ellenbergs neue Bürgermeisterin

Die Vereine Ellenbergs bedankten sich bei Knecht mit einem "Ruhesitz" - gestaltet von der Ellenberger Künstlerin Hildegard Diemer. Knechts Nachfolgerin Anna-Lisa Bohn bekam auch ein Stuhlunikat - damit sie zumindest hin und wieder mal eine Pause im Rathaus einlegen kann.

Zurück zur Übersicht: Ellwangen

Kommentare