Ein Besuch im Weihnachtsland

+
Eine Krippe aus dem arabischen Raum, Josef als Araber

Die 90-jährige Theresia Nagler sammelt seit über 50 Jahren Krippen und Jesuskinder in allen Variationen. Noch umfassender als die Sammlung ist ihr Wissen über jedes einzelne Ausstellungsstück.

Unterschneidheim

Wer sich für Krippen interessiert, kommt an der Sammlung von Theresia Nagler in Unterschneidheim nicht vorbei. Jedes Jahr im Advent baut die 90-jährige ihr kleines Volkskunstmuseum zu einer Krippenausstellung um. Ganz allein schafft sie das nicht mehr, die Exponate sind das Jahr über in Kisten verpackt, die ihr mittlerweile zu schwer geworden sind. Elisabeth Thumm und Bärbel Wille helfen beim Aufbau. Aber sonst macht die Sammlerin eigentlich fast alles allein.

Zu jedem Stück kennt sie die Geschichte: "Die Krippe wurde von dem Ellwanger Hans Müller geschnitzt, das da sind bachene (gebackene) Krippen. Die heißen so, weil die Figuren aus Lehm sind, die hat man im Ofen gebacken. Und das sind Wachsfiguren aus der Wachsfabrik in Schwäbisch Gmünd."

So geht es immer weiter und man kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus. Was ist denn nun der größere Schatz: die Marias, Josefs, Hirten und Engel aus Wachs, Zinn, Papier, Holz und was noch oder diese putzmuntere 90-Jährige, die in ihrem Kopf dieses ganze Wissen angesammelt hat?

"Das Jesuskind da ist von Arno Breker, dem Lieblingsbildhauer von Hitler", sagt sie und rollt das r, wie es nur die Leute im Ries können. "Und das ist ein Rentberger Jesuskind, das war in Jerusalem und in Kalvarien." Von Fatschenkindern erzählt sie, Jesuskinder die gewickelt sind, wie man das lange auch noch mit Babys gemacht hat, weil man dachte, dann wachsen sie gerade und aufrecht. Und von den "Trösterle", den kleinen Jesusfiguren, die man den Nonnen in den Klöstern gab, als Trost, dass sie keine eigenen Kinder bekommen durften.

Die kleinste Krippe zeigt sie her, geschnitzt und versteckt in einer Nussschale, und die größte, eine polnische, wie eine Kathedrale. Kostbare Antiquitäten sind darunter, die älteste Figur von 1650, und ganz moderne, aus Lateinamerika, aus Afrika, aus dem arabischen Raum.

Vor 50 Jahren habe sie angefangen zu sammeln, erzählt sie. "Da habe ich die Flohmärkte für mich entdeckt." Und als es immer mehr Krippen wurden, lernte sie andere Sammler kennen. Man tauschte dies und jenes, sie bekam Tipps und lernte Restauratoren kennen, die ihr sagten, was besonders kostbar ist.

"Ja wissen Sie was das ist", zeigt sie auf ein gestricktes Jesuskind am Bändel. Keine Ahnung. "Ein Schlüssellochjesulein. "Das hat man früher an Heiligabend vor das Schlüsselloch gehängt, damit die Kinder nicht spickeln konnten, wie die Geschenke hergerichtet werden."

Nach dem Museumsrundgang lädt Theresia Nagler noch zu Kaffee und Kuchen in ihre Stube. Ganz allein versorgt sie sich, macht den Haushalt, kocht und wäscht, versorgt Hühner und Katzen und schürt den großen Kachelofen ein. Wie schafft man es, in diesem Alter noch so wach und rüstig zu sein?

Sie lacht nur über die Frage, als ob es eine dumme Frage sei. Vor 21 Jahren ist ihr Mann gestorben, dann hat sie die Landwirtschaft aufgegeben, Kühe und Schweine verkauft. Fünf Kinder hat sie groß gezogen, die leben alle weit weg, kommen aber jetzt auf Weihnachten zu Besuch.

Theresia Nagler trifft gerne Leute, unterhält sich gern und macht sogar bei Spielfilmen mit. Für den "Mord im Heiligenwald" wurde eine Szene in ihrer Scheune gedreht.

"Die Elefanten in dieser Krippe habe ich im Sperrmüll gefunden."

Theresia Nagler, Sammlerin
  • Theresia Naglers Krippenmuseum
  • Die Krippenausstellung von Theresia Nagler ist passenderweise in einem ehemaligen Stall in Unterschneidheim aufgebaut. Sie kann nach vorheriger Anmeldung unter Tel. 07966 2817 besichtigt werden.
Eine Krippe im Unterschneidheimer Museum von Hildegard Nagler.
Ein Jesuskind aus Wachs
Eine Krippe mit Figuren aus dem Heiligen Land.
Hildegard Nagler (90) führt durch ihre Krippenausstellung.
Polnische Krippe
eine Krippe in der Nussschale

Zurück zur Übersicht: Unterschneidheim

Mehr zum Thema

Kommentare