Ein wertvolles Stück Kulturgut

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Josef Kohnle (Mitte) hat viel Wissen über die Unterschneidheimer Hausnamen zusammengetragen. Für die Arbeit danken Bürgermeister Johannes Joas (links) und Ortsvorsteher Stefan Hönle.
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Der Unterschneidheimer Josef Kohnle hat Heimatforschung betrieben und ein aufwändiges Hausnamenverzeichnis erstellt.

Unterschneidheim

Schuaschdrsfähre (der Fähre ist der Xaver), Zemmrliese, Boggejaggl. Wer aus Unterschneidheim kommt, im Ort verwurzelt ist, kennt sie, die Hausnamen, wie es sie in vielen Dörfern gibt. Auch wenn längst andere Familien in einem Haus wohnen, der Hausname hält sich. Er ist ein Stück Kulturgut, zumindest in den Erinnerungen der älteren Generation. Und irgendwann ist dieses Wissen verloren.

Das wollte Josef Kohnle (54) nicht zulassen. Eineinhalb Jahre lang hat er in mühseliger Kleinarbeit alle Hausnamen zusammenzutragen, die irgendwie auffindbar waren. Das Ergebnis sind vier unscheinbare Verzeichnisse und zwei Ortspläne, denen man nicht ansieht, wie viel Zeit, Mühe, Herzblut und Heimatverbundenheit in ihnen steckt.

Der erste Gang führt ihn zur Mutter „Luise“ Kohnle. Mit Block und Stift hielt er fest, was die fast 80-Jährige noch weiß. Straße für Straße gehen sie durch, von Norden nach Süden. Tannhäuser Straße, Geißgasse... Kohnle, Ortschaftsrat und Vorsitzender des Kirchenchors, notiert die Hausnamen, stellt die eigentlichen Familiennamen gegenüber. Wer könnte noch etwas wissen, überlegt er.

Anneliese Schmid, die 94-Jährige war lange Chefsekretärin im Rathaus und ist topfit. Nach den Gesprächen mit ihr, stellte sich heraus, dass es zwei Listen geben musste, da es zeitliche Änderungen zu Grundstücken und Hausnamen gab. Kohnle sortiert. Wie lauteten die Namen um 1960, wie um 1900.

Die nächste Überlegung: Wie können junge Leute, Laien etwas mit den neu erstellten Listen anfangen? Wenn man Haus- und Familiennamen kennt, aber keinen Bezug zur Ortschaft hat, ist es nichts halbes und nichts Ganzes. Also nächste Anlaufstelle, Bauamt, Martina Uhl. Die findet zwei Urpläne von 1829, einen Oberschneidheimer Ortsplan und einen Unterschneidheimer. Einen kompletten gibt's nicht. Mühsam macht Kohnle einen einzigen daraus. Und ordnet dann den 136 Unter- und 50 Oberschneidheimer Hausnamen Nummern auf dem Plan zu. Jedes Grundstück eine Zahl. Und das Verzeichnis verrät dann, wer wann wo gelebt hat.

Aber was bedeuten nun die alten Hausnamen? Oft steckt darin landwirtschaftlicher Bezug oder Information über den ausgeübten Beruf: Zemmerma, Oawald, Schmiadsisador, Dausaschuaschdr, Edlschneidr, Daubabeck oder Buachbendr. Die Familiennamen selbst lauten ganz anders. Josef Kohnles Uropa war der Poschthaldr – und hieß Kohnle wie sein Urenkel hieß. Er hatte in Oberschneidheim gewohnt, wollte um 1900 die Poststelle in Unterschneidheim übernehmen, zog um und wurde so zum Posthalter. Josef Kohnle wohnt noch heute auf diesem Grundstück. Der „Poschthaltr“ ist ihm geblieben, auch als Vertriebsmitarbeiter im Außendienst. Keinerlei Bezug zur Post.

Nach Gesprächen mit dem „Sattlers Karl“, dem 87-jährigen Onkel, dem ehemaligen Ortsvorsteher Karl Rinn, ging's an die Schreibweise. Das auf Hochdeutsch? Schwachsinn. Denn Hausnamen werden ja in der Regel nur mündlich verwendet. Und mündlich bedeutet Schwäbisch. Also mussten die Hausnamen im Dialekt in die Liste. Hier haben dann Samuel, Jana und Jonathan – Kohnles Kinde ihren Einsatz. Sie müssen vorlesen. Je nach Klang wird nachgebessert. Der Tedor bekam eine Ä  und ein zweites D, der Schdompapätr wird zum Schdombapäadr. So. Jetzt passt's.

Wird ein Haus abgerissen, behält das Grundstück den Hausnamen. Wird es aber beispielsweise vom Nachbarn gekauft, ist der Hausname weg. Wie bei „Mauraschuadschdrs Anna“.

Anders war es beim „Schdarksauguscht“. Der verkaufte zwar seinen Hof und zog um, seinen Hausnamen nahm er trotzdem mit.

Die Hausnamen sind Kulturgut, das verlorenzugehen droht.“

Josef Kohnle

Wo es die Unterschneidheimer Hausnamen gibt

Josef Kohnle hat Listen und Plan in zweifacher Ausfertigung auf CD gebrannt und der Verwaltung übergeben. Ein Exemplar fürs Archiv, eins für Interessierte einsehbar im Rathaus. Wer eine CD für sich möchte, bekommt sie gegen eine Spende an die Franz-Bühler-Stiftung.

Bürgermeister Johannes Joas (links) und Unterschneidheims Ortsvorsteher Stefan Hönle (rechts) freuen sich, was Josef Kohnle in eineinhalb Jahren Heimatforschung über die Ober- und Unterschneidheimer Hausnamen herausgefunden und nun in einem Verzeichnis für kommende Generationen festgehalten hat.
Mit einer handgeschriebenen Liste ging es 2020 los. Daraus geworden ist ein zeitaufwändig erstelltes Verzeichnis der Ober- und Unterschneidheimer Hausnamen zu unterschiedlichen Zeiten.

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