Wie Wind Wasserräume ermöglicht

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Welche besondere Chance die ökologischen Ersatzzahlungen für den Windpark Nonnenholz der Gemeinde Unterschneidheim nun bieten.

Der Bachlauf beim Schäferbrunnengraben am Weiher im Nordhausen soll mit Kompensationszahlungen aus dem Windpark Nonnenholz ökologisch aufgewertet werden. Nur eine der Maßnahmen, die durch die Gelder möglich werden.

Unterschneidheim. Eingriffe in die Natur müssen ausgeglichen werden. Der Bau des Windparks Nonnenholz in Zöbingen war ein solcher. Falls keine unmittelbarer, praktischer Ausgleich möglich ist, kommt‘s zur Ersatzzahlung. Aufgabe der Ortsvorsteher und ihrer Räte war es gewesen, zu schauen, welche Maßnahmen des Naturschutzes und der Landschaftspflege auf der Gemarkung sich anbieten, Sinn machen würden, um das zur Verfügung stehende Geld einzusetzen.

Finanzieren werden zu 90 Prozent die Projektträger, die Entscheidung, ob die vorgeschlagenen Maßnahmen tatsächlich taugen, unterliegt der Stiftung Naturschutzfond, der Unteren Naturschutzbehörde beim Landratsamt und dem Büro Baader Konzept. Die haben begutachtet und bewertet. Heraus kam ein klares: Ja, das lohnt sich hier wirklich.

Grünes Licht bekommen haben zwei Projekte. Zum einen der Schäfersbrunnengraben in Nordhausen, zum anderen der Weiher in den Längenwiesen in Walxheim. „Die Gutachter haben beide Maßnahmen als relevant angesehen“, berichtete Bürgermeister Johannes Joas in der Sitzung des Gemeinderats am Dienstagabend im Dorfzentrum Nordhausen.
Der Schäfersbrunnengraben, der östlich des Freizeitweihers im Nordosten Nordhausens liegt, werde von der Nordhausener Acht durchflossen. Die Merkmale: ein recht gerader Verlauf, das Bachbett aus Beton, die Flächen werden regelmäßig bis fast an den Bach ran gemäht. Kurz: da geht noch was.

Wie Joas es formuliert: „Das hat Potential, ökologisch entwickelt zu werden.“ Das Wie sieht so aus: Das Beton-Bett soll raus, das Ufer aufgeweitet, mehr Gewässerdynamik, neuer Retentionsraum und Naturräume geschaffen, das Landschaftsbild aufgewertet werden. „Wir greifen punktuell ein. Den Rest soll das Wasser dann selbst machen“, so Joas. Geplant sei auch – für mehr Ökologie – künftig dort seltener zu mähen. Gebaut werden soll von Oktober 2023 bis April 2024. „Danach wollen wir nicht mehr eingreifen, sondern schauen, was die Natur draus macht.“

Raum für viele Tiere

Peter Sienz erkundigte sich: „Wird das dann eine Biberwohlfühloase oder auch ein Raum für andere Tiere?“ Beides, so die Antwort des Bürgermeisters. Josef Uhl wäre es wichtig, dass der Schäfersbrunnen wieder aufgemacht werde. Das will Joas prüfen. Ganz erhebliches Potential habe sogar der Weiher am Waldrand nördlich von Walxheim. „Hier sehen die Fachleute Bedarf und auch Dringlichkeit“, wie Joas berichtete.

Der Weiher sei 1987 im Zuge der Flurneuordnung angelegt worden. Seitdem hätten sich die Gewächse dort ausgebreitet, die offene Wasserfläche immer mehr zugewuchert. Das Fleckchen sei ein wichtiges Amphibienlaichgewässer, das gefährdete Arten wie die Glänzende Seerose beherberge. Von Januar bis September soll erst abgefischt, dann leergepumpt, die starke Verlandung zu großen Teilen, aber nicht komplett herausgenommen und die offene Wasserfläche wiederhergestellt werden. Die geplanten Kosten für beide Maßnahmen zusammen liegen bei knapp 114 000 Euro. 90 Prozent davon finanziert der Projektträger, gut 11 000 Euro bleiben dann noch für die Gemeinde.

„Ich hätte nicht erwartet, was daraus entwickelt werden kann“, freute sich der Bürgermeister über diese doppelte Chance. Wer weitere ähnliche Ideen habe, wo ökologisch aufgewertet werden könne, dürfe sich gerne bei der Verwaltung melden.

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