Bahnhalt: Essingen hat das Potential

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Die Reaktivierung des Bahnhalts ist Thema im Essinger Gemeinderat.
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Was für die Reaktivierung des Bahnhalts spricht und was die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie sind.

Essingen Der Bahnhalt Essingen. Das ist ein großes, ein bedeutendes Thema für die Gemeinde. Vier neue Bahnhalte auf der Strecke der Remsbahn sind im Gespräch. Nur zwei können es werden. Essingen will einer davon sein. Und hat jetzt mit einem ausführlichen Gutachten gezeigt, dass es dabei nicht um bloßes Wunschdenken geht. Die Machbarkeitsstudie belegt: die Reaktivierung des Bahnhalts Essingen – das macht Sinn.

Haben wir das Potential? Ist es technisch machbar? Das war die Fragestellung für die Studie, die die TTK (TransportTechnologie-Consult Karlsruhe) und die PTV Transport Consult Karlsruhe gemeinsam im Auftrag der Gemeinde erstellt hat. Die klare Antwort: „Ja, wir haben – Essingen hat – das Potential.“ Niklas Mattern, Berthold Purzer und Rainer Flotho belegten dies am Donnerstagabend in der Sitzung des Gemeinderats mit Zahlen und Fakten:

Es ist eine städtebauliche Verdichtung da, ein starker Zuwachs an Einwohnern, beim Gewerbe wird ebenfalls ein ordentlicher Zuwachs erwartet. Was gibt die Strecke her? Wie oft könnte ein Zug in Essingen halten? Das Fahrplanraster wird – Essingen-unabhängig - vom 15-Minuten-Takt der S-Bahnen zwischen Waiblingen und Backnang und Knotenzeiten in Stuttgart und Aalen bestimmt. Lange Blockabstände sind nötig, die ergeben lange Zugfolgezeiten. Interregio und Intercity verhindern frühere Abfahrtzeiten. Was vielleicht nur Fachleute alles durchschauen, bedeutet für Essingen: Einen stündlichen Takt der MEX-Linie 13 und die Anbindung an den 30 Minuten-Takt ab Aalen gibt die Strecke her. Immerhin. Bedient werden könnte von 5 bis 24 Uhr, am Wochenende nachts mit zwei zusätzlichen Leistungen pro Fahrtrichtung. Und eine Fahrt zum Flughafen Stuttgart? In 68 Minuten ab Essingen. Mit dem Auto nie zu schaffen.

Wenn das Güteranschlussgleis der Scholz Recycling zwei Mal am Tag von dem Betrieb genutzt wird, ist Gleis 3 betroffen, der normale Personenverkehr könnte aber problemlos über Gleis 1 und 2 abgewickelt werden. Auch der Wartungsstützpunkt von GoAhead habe keine Nachteile durch einen Bahnhalt Essingen. Der Landkreis habe Bereitschaft signalisiert, einen Bahnhalt Essingen an den Busverkehr anzubinden. Das wäre wichtig.

Rainer Flotho erläuterte die technische Machbarkeit: Zwei Varianten seien möglich, ein geplantes Parkhaus und eine Bushaltestelle können mit dem Bahnhalt verbunden werden, der ehemalige Bahnhofsbereich in den neuen Halt eingebunden. Variante A würde einen Außenbahnsteig im Norden und einen zusätzlichen Zwischenbahnsteig bedeuten, inklusive Fußgängerüberführung, Variante B einen Mittelbahnsteig zwischen Gleis 2 und 3. Hier müsste das Gleis 2 auf einer Länge von 340 Metern um gut 170 Zentimeter nach Süden verlegt werden.

Bei Variante A fielen wenig Umbaumaßnahmen an Gleisen und Oberleitung an, dass mehr Treppen und Aufzüge nötig wären, erhöht aber die Kosten. Variante B glänzt mit geringeren Bau- und Instandhaltungskosten, bei der Verlegung von Gleis 2 käme es zu einer Beeinträchtigung des Bahnverkehrs während der Bauzeit. In Zahlen: 7,28 Millionen für Variante B, 8,81 Millionen bei Variante A. Niklas Mattern hält einen Fördersatz mit 75 Prozent für möglich, da Essingen ein multimodaler Mobilitätsknoten würde und viele Voraussetzungen für die Förderung durchs Land wie Radparkhaus, Stellplatz für Elektroladesäule, Stellplatz für Carsharing-Fahrzeuge und einiges mehr erfüllt wären. Mit der Förderung würde noch ein Eigenanteil von 2,82 beziehungsweise 2,33 Millionen verbleiben. Mit rund 540 Fahrgästen pro Tag am Bahnhalt Essingen rechnet Gutachter Berthold Purzer. Für alle drei Gutachter bedeutet dies: Weitermachen! Den Bahnhalt Essingen forcieren.

Ratsmitglied Johannes Blank sagte, es sei wichtig, dass dieses Thema nicht nur auf politischer Ebene, sondern anhand von Daten und Fakten entschieden werde. Kollege Markus Beyeler ergänzte: „Es geht um die Entscheidung, ob die städtische oder die ländliche Anbindung vorangetrieben werden soll.“

„Wir sind da, wo wir uns gefühlt haben“, ist Bürgermeister Wolfgang Hofers Fazit. Doch: „Unsere Potentialanalyse hätten wir gern mit dem Landkreis abgestimmt, um eventuelle Ungereimtheiten zu besprechen. Doch dazu war der Landkreis nicht bereit“, kritisiert der Essinger Verwaltungschef.

Am Dienstag, 24. Mai, geht das Thema in den Kreistag.

Wir sind da, wo wir uns gefühlt haben."

Wolfgang Hofer , Bürgermeister

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