Dorfleben in Lauterburg in Gefahr

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Das Dorfhaus in Lauterburg. Nicht nur der Förderverein, der dort seinen Sitz hat, sucht Vorsitzende.
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Einige Vereine in Lauterburg stehen vor der Auflösung. Der Förderverein Kindergarten im Dorfhaus startet einen Bürgerabend und will Helferinnen und Helfer finden.

Essingen-Lauterburg. Das Dorfleben ist in Gefahr. Vereine in Lauterburg finden keine Vorsitzenden mehr, stehen kurz vor der Auflösung. Hinnehmen wollen das einige Lauterburgerinnen und Lauterburger nicht. Sie nehmen die Sache selbst in die Hand – und haben am Mittwochabend gemeinsam mit der Gemeindeverwaltung Essingen Bürgerinnen und Bürger ins Dorfhaus eingeladen.

„Viele Vereine in Lauterburg werden schwächer, weil keiner mehr etwas machen will“, sagt Bürgermeister Wolfgang Hofer. Der Schützenverein und der Liederkranz hätten keinen Vorsitzenden mehr und die Landfrauen stünden vor der Auflösung. „Lasst uns um unsere Dorfkultur kämpfen.“ Denn diese sei nicht selbstverständlich. Hofer liegt es sichtlich auf dem Herzen, dass sich in dem etwa 700-Seelen-Ort etwas tut. „Ich spreche die jüngere Generation an, sie sollte die Kultur beleben“, sagt er sinngemäß.

Einen Dorfmittelpunkt schaffen – das war Ziel des Fördervereins Kindergarten im Dorfhaus bei der Gründung Ende der 90er. „Das haben wir nicht erreicht“, sagt Vorsitzender Rainer Bigalsky. Halloweenpartys, Hüttengaudi, Theater, Lichterfest und weitere Veranstaltungen starteten im Dorfhaus, organisiert von den Mitgliedern des Vereins. Damit könnte in Zukunft Schluss sein. Denn auch der Förderverein benötigt ein neues Vorstandsteam. Nachfolger? Im Moment noch Fehlanzeige.

Eine Auflösung des Vereins mit 80 Mitgliedern hätte Auswirkungen aufs Dorfleben. „Wir hätten niemanden mehr, der Veranstaltungen organisiert oder das Haus vermietet“, sagt Mitglied Clemens Reitzig. Und: Das Geld und das Haus gehen demnach zurück an die Gemeindeverwaltung. „Das wäre das Gegenteil eines Mittelpunkts.“

Kassiererin Karin Albrecht hat die Szenarien durchgespielt: Mit anderen Vereinen zusammenarbeiten, eine kleine Interimslösung oder die Auflösung des Vereins. Optionen sind das für die Kassiererin nicht. Die große Lösung, eine Nachbesetzung des Vorstandes, sei ihr Wunsch. „Ich appelliere an alle: Wollt ihr ein Dorfleben oder kein Dorfleben?“, sagt Karin Albrecht, die betont, dass kein Vorsitzender allein den Verein leiten müsse.

Warum Bürgerinnen und Bürger den Verein brauchen, das erklärt Dieter Stecher. Im Winter 2016 ist er nach Lauterburg gezogen. Kontakte hatte er keine. Bei einer Buchlesung im Dorfhaus hat er Vereinsmitglieder kennengelernt. „Wir brauchen einen Ort, an dem wir uns treffen und austauschen können“, betont er. Auch für die Kindergartenkinder sei das Bestehen des Dorfhauses wichtig, sagt Elke Hercigonja. „Wir machen hier mit den Kindern Sport. Es wäre schade, wenn wir den Raum nicht mehr nutzen könnten“, sagt die Kindergartenleiterin weiter.

  • Bauplätze, Sportplatz und Termine
  • Bauplätze: 2022 soll die Erschließung der Bauplätze in der Nähe des Campingplatzes in Lauterburg starten, wie Hofer sagt. Die Bebauung könnte im Herbst beginnen. „150 Bewerber stehen auf der Liste“, bilanziert Hofer.
  • Sportplatz: Der TSV Sportplatz in Lauterburg ist in die Jahre gekommen. Das Abbauen des Platzes würde den Verein 60 000 Euro kosten, bilanziert Hofer. „Das kann der TSV nicht leisten.“ Nun gehe es darum, was mit dem Platz passiert. Den im aktuellen Zustand könne der Platz nicht bleiben. Der Kunststoff zersetze sich, sagt der Bürgermeister. Einen Ideenwettbewerb ausschreiben, ein Pflegeheim bauen oder einen kleineren Bolzplatz errichten sind einige Vorschläge der Anwesenden.
  • Die Termine im Dorfhaus:
  • Sonntag, 26. September, Weißwurstfrühstück zur Bundestagswahl von 10 bis 13 Uhr
  • Freitag, 1. Oktober, Generalversammlung – wer im Vorstand helfen möchte, Mitglied werden will oder den Verein kennenlernen will, ist willkommen

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