Sabines Tante-Emma-Laden ohne Lebensmittel

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Seit Jahresbeginn ist sie die neue Inhaberin: Mitten in der Pandemie hat Sabine Hämmerer den Schreibwaren-Shop Holz in der Essinger Ortsmitte übernommen.
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Vormittags im Labor, nachmittags im Laden. Wie Sabine Hämmerer ihr Schreibwarengeschäft durch die Krise führt.

Essingen

Tante-Emma-Laden ohne Lebensmittel – so nennt Sabine Hämmerer liebevoll ihr Geschäft in der Essinger Ortsmitte. Hier gibt es neben Schreibwaren, Zeitschriften, Kurzwaren, Spielsachen auch GOA-Artikel und eine Annahmestelle für Lotto, Pakete, Reinigung und Schuhreparaturen.

Wie hat die Geschäftsfrau die Pandemie erlebt? Der Laden war etappenweise geschlossen, obwohl Zeitschriftenverkauf und Paketdienst erlaubt waren. „Ein Minusgeschäft“, sagt die 43-Jährige, das hätte sich nicht gelohnt. Der erste Lockdown sei heftig gewesen. Von vier Angestellten gehörten drei zu Risikogruppen, also organisierte Sabine Hämmerer allein einen Lieferservice, auch wenn die Unkosten höher waren, als der Nutzen. Sechs bis acht Personen pro Tag nutzten dieses Angebot. „Ein Dienst am Kunden“, sagt die Essingerin, „woher sollen die Schüler denn die Hefte für die 3. Klasse bekommen?“ Finanzielle Unterstützung gab es durch staatliche Hilfen.

Bis vor Kurzem führte Christl Holz den Laden. Ab ersten Januar des Jahres, mitten in der Pandemie, übernahm Sabine Hämmerer den Schreibwaren-Shop von ihrer Mutter. Seit Ende Januar ist durchgängig geöffnet, aber die Kundenfrequenz sei sehr gering, sagt die neue Inhaberin. Ihre Hauptklientel, die Schüler, lernten zu Hause. Arbeitsblätter wurden ausgedruckt, kaum Schreibmaterial benötigt. Keine Bleistifte und kein Radiergummi, die verloren gehen, und keine kaputten Füller. Zudem werde in der Zeit zwischen Ostern und Sommer ohnehin weniger Schulbedarf gebraucht. „Erst am Ende der Sommerferien, zum Schulstart wird alles neu gekauft“, weiß die Geschäftsfrau im Nebenerwerb.

Sie sei froh, dass sie ihren beiden Angestellten die Gehälter zahlen kann, die Öffnungszeiten wurden reduziert. Sie selber habe sich noch keinen Euro ausgezahlt, sagt die ausgebildete Chemielaborantin, die halbtags ihrem gelernten Beruf in Aalen nachgeht. „Ich bin in beiden Jobs zu Hause, im Labor und hinter der Ladentheke“, sagt Sabine Hämmerer.

Warum führt sie dann den Laden weiter? Da gibt es viele Gründe: „Das ist eine Liebhaberei. Ich bin hier aufgewachsen, der Laden ist wichtig für Essingen“, zählt sie auf. Und: „Ich liebe meine dankbaren Kunden.“ Die kommen auch aus Aalen und Heubach, schätzen das Angebot, etwa das hochwertige Papier, was es hier gibt. „Billigware kriegt man im Discounter, da kann man mit den Preisen sowieso nicht mithalten.“ Sie setze wie ihre Mutter auf Qualität und Beratung, betont Sabine Hämmerer. Und hofft, dass wieder mehr Kunden den Weg in den Laden finden.

Wie ist sie mit der Corona-Politik der Bundesregierung zufrieden? „Der Einzelhandel hatte es schwer, die Verordnungen, die anfangs am Freitagabend getroffen wurden, dann am Montag gleich umzusetzen“, sagt die 43-Jährige. Sonntags sei dann Bastelstunde gewesen, um einen Spuckschutz herzustellen.

Den Stufenplan hält sie insgesamt für eine Erleichterung. Schwierig nur das Verständnis: „Welche Stufe gilt jetzt aktuell für mich? Was muss ich als Inhaberin umsetzen?“, fragt Sabine Hämmerer. Als Ladenbesitzerin muss sie schließlich auf die Einhaltung der Regeln achten.

Ärgerlich sei, dass sie immer wieder mit Erwachsenen diskutieren muss, die ohne entsprechende Maske das Geschäft betreten wollen. Da wünsche sie sich mehr Respekt den Verkäuferinnen gegenüber.

Sabine Hämmerer schaut hoffnungsvoll in die Zukunft. Seit die Geschäfte in Aalen wieder geöffnet haben, sei schon ein gewisser Aufwärtstrend zu spüren.

Sabine Hämmerer und der

Sabine Hämmerer, 43, führt seit Januar den Schreibwaren-Shop Holz. Die neue Inhaberin hat den Laden von ihrer Mutter Christl Holz übernommen, die ihn vier Jahrzehnte lang betrieb. Der Geschäftsname „Holz“ soll erhalten bleiben.

Die Öffnungszeiten: Montag bis Freitag von 10 bis 12 Uhr sowie 15 bis 18 Uhr, Samstag von 9 bis 12 Uhr.

Das ist eine Liebhaberei. Ich bin hier aufgewachsen, der Laden ist wichtig für Essingen.“

Sabine Hämmerer, Inhaberin

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