286 Pferde - so viele wie nie

Seit 1926 werden beim Silvesterritt "Ross und Reiter" gezählt. Mit 286 Pferden waren es am letzen Tag des Jahres 2012 so viele wie noch nie. Außer diesem Rekord wird der 386. Silvesterritt mit einer Neuerung in die Annalen der Kirchengemeinde St. Mauritius eingehen. Zum ersten Mal hatte man am Vorabend zu einer Reitermesse in die Silvesterkapelle geladen, bei der sich Abordnungen aus zehn Reitvereinen beteiligten.

Westhausen. Zur Reitermesse blieben die Pferde allerdings im Stall, während die Reiter mit ihren Standarten vom Kirchplatz aus in einem Fackelzug zur Silvesterkapelle zogen. "Wir haben damit einen Wunsch von vielen Reitern erfüllt", sagte der stellvertretende Kirchengemeinderatsvorsitzender Matthias Rief. Deren Wunsch war es, "einmal in der Kapelle zu sein". Denn im Ritus des Silvesterritts werde die Kapelle zwar drei Mal angeritten, die Reiter bekämen dabei aber nichts vom "Inneren" des Heiligtums zu Gesicht, sagte der langjährige Silvesterritt-Organisator, Erich Hoffmann. Die Neuerung kam auch Pfarrer Matthias Reiner gelegen, denn seit letztem Jahr zählt er zu den Westhausener Silvesterreitern. Bei ihm rannten die Reiter mit ihrem Wunsch nach einem Gottesdienst offene Türen ein, wie er sagte und begrüßte sie umso freudiger zur ersten Reitermesse in der Silvesterkapelle.

Dort feierte er auch am Morgen des Silvestertages die Pilgermesse in Konzelebration mit Pfarrer Willi Scheitz, Pfarrpensionär Josef Höfler und Domkapitular Dr. Heinz Detlef Stäps aus Rottenburg. Dieser erlebte die anschließende Reiterprozession in der Pferdekutsche, aus der er mit der Segensmonstranz Ross und Reiter und die Wallfahrer segnete. Zur Begrüßung in der Silvesterkapelle sagte er: "Gott steht auf der Seite der Schöpfung und er will das Leben - für Mensch Die Segensfeier am Rathausportal eröffnete Bürgermeister Herbert Witzany mit einem Grußwort. Bei der Prozession wirkten die Musikvereine Lippach und Westhausen sowie der Kirchenchor und der Gesangverein dabei, ebenso Abordnungen weiterer örtlicher Vereine.

Im Rahmen der Lesung von "Gott als dem guten Hirten" betonte Domkapitular Dr. Stäps, dass hier die Menschen nicht mit "dummen Schafen" verglichen würden, sondern als Geschöpfe Gottes ihrem Hirten vertrauen sollten. Stäps: "Wir alle sind heute am letzen Tag des Jahres hier, weil wir den Segen Gottes brauchen."

Der Silvesterritt geht auf eine Viehseuche zurück, in deren Not man Gott anflehte und auf die Fürsprache des Heiligen Papstes Silvester vertraute. 1626 formierten sich die Reiter zum ersten Mal in einer Prozession zur Danksagung für die Errettung aus dem Unheil. Franz Mayer

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