Hängebauchschwein Rüdiger wurde rechtzeitig gerettet

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Bei Rebecca Kuhn und Carolin Stütz findet Hängebauchschwein Rüdiger ein neues Zuhause. Die Kameraden Elvis und Pumba warten schon.
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Eine denkwürdige Weihnachtsgeschichte: Warum im Stall auf einem Wiesenareal am Laubach jetzt ein junges Hängebauchschwein aus dem Rems-Murr-Kreis lebt.

Abtsgmünd

Er hat tatsächlich saumäßiges Glück gehabt, der Rüdiger. Und das realisiert der kernige kleine, schwarze Eber ganz offensichtlich, wie er da so fröhlich durchs duftende Stroh tollt und mit der weichen Decke des Schlafhauses herumspielt. Dabei ist das possierliche Hängebauchschwein wohl quasi in letzter Minute dem Tod von der Schippe gesprungen, wurde gerade noch rechtzeitig gerettet.

Denn Rüdiger - oder wie auch immer er in seinem ersten Leben geheißen hat - wurde kurz vor Weihnachten von einem Jäger in einem Wald bei Schorndorf entdeckt. „Dem waren einfach die Ohrmarken entfernt worden und dann wurde das Tier in der Wildnis zurückgelassen“, erzählt Elke Wengert, die für die Rüdiger-Retter im Schorndorfer Tierheim die erste Ansprechstation war, nachdem das fast verhungerte und verdurstete Hängebauchschwein eingefangen werden konnte.

Aber in Elke Wengerts Wildtierauffangstation in Göggingen konnte Rüdiger nicht bleiben. Denn dafür war der etwa ein Jahr alte, unkastrierte Eber schlicht und einfach schon zu groß. Doch da Elke Wengert ein gutes Netzwerk hat und mit vielen Tierliebenden Kontakt hält, ist ihr eine Lösung eingefallen. Vor wenigen Monaten hatte nämlich Rebecca Kuhn Kontakt zur Wildtierauffangstation aufgenommen. Die Abtsgmünderin macht eine Ausbildung zur Tierheilpraktikerin und suchte einen Praktikumsplatz. Weil Elke Wengert damals gerade einen Frischling aufpäppelte, dessen Mutter-Wildsau überfahren worden war, erfuhr die Göggingerin im Gespräch, dass Rebecca Kuhn gemeinsam mit Carolin Stütz in Abtsgmünd eine kleine Ranch aufbaut für Tiere, die keine Lobby haben. Und die ersten Vierbeiner, die die beiden jungen Frauen aufgenommen hatten, waren zwei völlig verängstigte, junge Hängebauchschweine. Elvis und Pumba. Entstanden aus einer nicht gewollten Paarung, ungeliebt und eigentlich für den Schlachter bestimmt. Über eine Internetplattform für vegane Landwirtschaft wurde damals eine Pflegestelle für die Jungschweine gesucht.

Wer die beiden quietschfidelen Borstentiere heute, etwa neun Monate später, erlebt, kann kaum glauben, dass sie einmal scheu und verängstigt waren. Sobald Rebecca Kuhn und Carolin Stütz an den kleinen Stall im Laubachtal kommen, vollführen die lustigen Vierbeiner Freudensprünge. Sie vertragen sich prima, weil sie kastriert sind, folgen den Frauen wie junge Hunde, gehorchen auf ihre Namen und können auch schon einige Kunststückchen. Und wollen natürlich ohne Ende gekrault werden.

Vor einer knappen Woche durfte nun auch Rüdiger in diese fidele Stallgemeinschaft einziehen. Zuerst habe der ausgesetzte junge Eber zwei Tage lang quasi durchgeschlafen, um sich von den Strapazen zu erholen, erzählen Rebecca Kuhn und Carolin Stütz. Anfangs sind sich die drei Jungmänner mit hektischem Quieken begegnet. Inzwischen haben sie sich schon ein bisschen aneinander gewöhnt - wobei es die eine oder andere Rangelei um Leckerlis durchaus noch gibt. Auch darf Rüdiger noch nicht so einfach hinaus ins sicher mit Strom und doppeltem Holzzaun begrenzte Gehege. Denn noch hört er, im Gegensatz zu Elvis und Pumba, nicht auf seinen Namen. Aber bei den Streicheleinheiten ist er schon ganz vorne mit dabei. „Man merkt, dass er vorher nahe mit Menschen zusammengelebt hat“, findet Rebecca Kuhn.

Sie hat in den letzten Monaten viel beobachten können und schwärmt, wie schlau und sportlich die Schweine sind. Und dass sie sich hervorragend als Weidetiere eignen. Dieses Wissen würde sie gerne weitergeben - an Kindergarten- und Grundschulkinder zum Beispiel. „Die würden bestimmt staunen über das besondere Gefühl, ein Schwein zu streicheln“, vermutet sie, und die lustigen Tiere sicher auch gerne beobachten.

Er muss noch im Stall bleiben, bis er auf seinen Namen hört.“

Rebecca Kuhn,, über den Neuzugang Rüdiger.

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