Superfood am Wegesrand: der Breitwegerich

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Nicoletta Diebold arbeitet mit frischen Breitwegerichsamen.
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„Der Fußabdruck des weißen Mannes“ ist sich nicht zu schade für kleine Ritzen im Asphalt. Dabei kann er Großes leisten.

Abtsgmünd

Superfood, das keinen Pfennig kostet. Das man einfach mal so beim Spazierengehen ernten kann. Nicht mal suchend durch Wald und Wiese laufen muss man dafür. Die Rede ist vom Breitwegerich. Wer die Augen aufmacht, kann sehen: Der Wegerich nutzt sogar die kleinste Ritze im Garagenasphalt, um sich Platz zu schaffen. Straßen, Wege, Plätze, Weiden, Wiesen - man könnte sagen, der Breitwegerich ist nicht wählerisch.

Vielleicht ist das auch der Grund, warum er „nicht wertgeschätzt wird“, sagt Nicoletta Diebold. Die Kräuterexpertin vom Koiserhof allerdings schätzt den „Plantago Major“ - so dessen lateinischer Name - umso mehr. „Der Breitwegerich ist robust und widerstandsfähig“, sagt sie. Vielfach einsetzbar. Seit Jahrtausenden.

Der Wegerich in den Sandalen

„Offenbar haben sich schon die Römer die breiten Blätter in die Sandalen gelegt, wenn sie Blasen hatten“, sagt Nicoletta Diebold. Diese würden Schleimstoffe enthalten, die unter anderem entzündungshemmend und kühlend wirken. Es waren dann allerdings nicht die Römer, sondern die ersten Siedlertrecks, die den Breitwegerich nach Amerika brachten. Dort wurde er von den Ureinwohnern Nordamerikas als „Fußabdruck des weißen Mannes“ bezeichnet, wie Nicoletta Diebold erzählt. Dabei blieb es allerdings nicht. Der Breitwegerich, dessen Blätter in einer Rosette angeordnet sind, wächst mittlerweile fast überall auf der Welt. Auch in Höhen von 2000 Metern. Er selbst kann eine Höhe von bis zu 50 Zentimetern bekommen. Seine gelb-braunen Blüten trägt er von April bis August - sie sind eher unscheinbar.

Schleimstoffe, Gerbstoffe, verdauungsfördernde Bitterstoffe, blutdrucksenkende Polyphenole, Vitamin C und B, Zink und Kalium, dazu Aucubin, das entzündungshemmend wirkt - der Breitwegerich hat ohne Zweifel die Lizenz zum gesunden Nahrungsmittel. „Der Breitwegerich ist auch gut bei einer Magenschleimhautentzündung, so wie Flohsamen - die ja indischer Wegerich sind“, erklärt die Kräuterexpertin. „Die Samen des Wegerichs quellen sehr gut auf“, ergänzt sie.

Der Wegerich auf dem Teller

Sind die Blätter des Wegerichs jung, könne man diese auch essen. „Man sollte aber die knackigen, jungen Blätter nehmen, andernfalls haben diese zu viele Gerbstoffe“, sagt Nicoletta Diebold. Gut schmecken würden die jungen Blätter im Salat, aber auch in Smoothies, sie seien beliebte Zutat in Fastensuppen. Auch der jungen Stängel müssen nicht weggeschmissen werden. „Die kann man in der Pfanne wie Spargel anbraten.“

Nicoletta Diebold haben es aber besonders die Samen des Breitwegerichs angetan. Sie quellen in Flüssigkeit auf und sind deshalb besonders gut für den Darm. Seien die Samen braun, so wie jetzt im August, könne man sie vom Stängel abstreifen und einfach über das Müsli streuen. Schmeckt lecker.

Der Breitwegerich - alles kann gegessen werden

Großer Wegerich, Ackerkraut, Wegtritt, Wegebreit, Wegeblatt - so die Namen des Breitwegerichs - des Plantago Majors (Planta bedeutet lateinisch Fuß.)

Die Blätter als Spinat, Suppeneinlage oder die frischen jungen Blätter kleingeschnitten im Quark - wer der Breitwegerich würdigt, kann ihn in der Küche vielfältig einsetzen. Die Stengel können beispielsweise wie Spargel zubereitet werden. Sogar die Wurzeln, die man von Oktober bis April ernten kann, müssen Kräuterfans nicht verkommen lassen - ab in die Suppe als Wurzelgemüse.

Rezept von Nicoletta Diebold:Ostalb-Wildsaatenkräcker (Low carb, Glutenfrei, vegan)

100g Leinsamen geschrotet100g Sonnenblumensamen200g Haferflocken, Kleinblatt50g Breitwegerichsamen20g Brennnesselsamen20g Mohnsamen1 TL Knoblauchsraukensamen oder Rucolasamen(Reformhaus1 TL KümmelTL Salz200ml Wasser 

Die Zutaten mit dem Wasser in einer Schüssel vermengen und so quellenlassen. Da durch den geschroteten Leinsamen eine Art Kleber entsteht, sollte es ab und zu kurz umgerührt werden. Die Mischung so am besten so 3-5 Stunden ankeimen, die Inhaltsstoffe der Samen werden so besser gelöst und verdaut.

Ofen auf 175° C anheizen

Die klebrige Masse auf ein mit Backpapier ausgelegtes Backblech streichen. 

10 Minuten backen, dann rausnehmen und in Rautenform streichen. Die Kräcker sind trocken in einer Dose gelagert monatelang haltbar.

Der Breitwegerich.
Mit Nicoletta Diebold unterwegs auf dem Koiserhof bei Abtsgmünd.
Unterwegs auf dem Koiserhof bei Abtsgmünd.
Der Breitwegerich.
Der Breitwegerich.
Der Breitwegerich.
Der Breitwegerich.
Der Breitwegerich.
Der Breitwegerich.
Unterwegs auf dem Koiserhof bei Abtsgmünd.
Der Breitwegerich. Foto: OLIVER GIERS
Jetzt ist Erntezeit für die Breitwegerichsamen.
Der Breitwegerich. Die Pflanze war schon bei den Römern beliebt - sie half gegen Blasen an den Füßen. Die Schleimstoffe in den Blättern sind entzündungshemmend und kühlen. Foto: Oliver Giers

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