Wie Abtsgmünder Brauereien leiden

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Kein Geheimtipp mehr ist Christof Wieland mit seinen Bierspezialitäten aus Abtsgmünd.
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Personalmangel, steigende Preise für Rohstoffe und Energie: Wieland's und Lammbrauerei können nur noch von Woche zu Woche planen.

Abtsgmünd.

Sieben Brauereien gibt es noch im Ostalbkreis, im Vergleich zu anderen Regionen relativ viele. Zwei davon in Abtsgmünd beziehungsweise im Teilort Untergröningen: Wieland´s Bierbrauerei und die Lammbrauerei. Beides Kleinbetriebe, die von den derzeitigen Entwicklungen am Rohstoff- und Energiemarkt besonders getroffen werden.

Christof Wieland stellt in seinem Einmannbetrieb in Abtsgmünd Biobiere her, die vom Preis schon daher etwas höher angesiedelt sind als  die Biere von anderen Brauereien, die in größeren Mengen produziert werden. Seit dem ersten Sud im März 2010 hat sich Wieland mit seinen Biersorten einen Nischenplatz erkämpft, bei Liebhabern, Genießern regionaler Produkte, in einer Anzahl Gastronomie-Betriebe oder auf Festen. Rund 300 bis 350 Hektoliter hat er insgesamt vor der Corona-Pandemie jährlich  gebraut, seither ist der Absatz gesunken, wie bei den meisten Brauereien. „Und jetzt sparen die Leute aufgrund der Preissteigerungen in allen Bereichen eben auch bei Getränken“, stellt Wieland fest.

Für die Brauer steigen die Preise beim Weizen, „beim Hopfen muss man die Entwicklung noch abwarten“, ergänzt er. Dazu werden Strom und Öl, mit dem er seine Brauanlagen und die Heizung betreibt, deutlich teurer seit Anfang des Jahres. Ebenso Papier für die Etiketten, Glas für Trinkgläser und Flaschen, die oft nicht zurück gegeben werden. „Alle Brauereien müssten ihre Preise erhöhen, auch die ganz großen“, sagt Wieland. „Bloß traut sich im Moment keiner, der Erste zu sein, weil er Umsatzeinbußen fürchtet.“ Einmal in der Woche braut Wieland derzeit eine seiner Sorten Helles, Dunkles und Weizenbier, dazu gibt es saisonale Sorten wie Bockbier, ein leichtes Weizen, oder das „Nepperle“. „Ich hoffe, dass sich die Lage am Markt wieder etwas beruhigt – und auf die Treue meiner Stammkunden“, ergänzt der Braumeister.

Großer Personalmangel

Neben der Preisentwicklung für Rohstoffe und Energie hat Andreas Kunz, in der 6. Generation Inhaber der Lammbrauerei in Untergröningen, ein weiteres Problem: genügend Personal zu finden. Der Familienbetrieb ist mit Brauerei, zugehörigem Gasthof und 2 weiterer Kneipen – das „Hinz & Kunz“ in Gmünd und das in Abtsgmünd – breiter aufgestellt. Letzteres ist wegen Personalmangel zurzeit geschlossen. Rund 20 Mitarbeiter beschäftigt der Betrieb, den Gastronomiebereich managt Kunz´s Schwester Annette Hafner.

Auch in der Brauerei fehlen dem Inhaber eigentlich zwei Mitarbeiter, weshalb der Chef selbst in den vergangenen Wochen in der Brauerei und als Fahrer permanent im Einsatz war. „Es ist schwierig, Leute zu finden, die mehr als 35 Stunden in der Woche, auch mal über die Regel hinaus arbeiten wollen“, bedauert er. Um seine Mitarbeiter zu belohnen, hat der Betrieb im Juni die Löhne um 7 Prozent erhöht, wie er sagt. „Zudem sind uns in den Lockdowns Leute abgesprungen“, ergänzt Kunz. Auch er hält Preiserhöhungen bei den Bieren für unerlässlich. „Wobei in anderen Regionen, beispielsweise im Allgäu, die Kunden bereit sind, etwas mehr für ihre regionalen Biere zu bezahlen als bei uns“, betont der Braumeister. Gut gelaufen sind die Feste in den vergangenen Wochen für die Brauerei, auch der angebotene Komplettservice für private Veranstaltungen. Aber auch hier fehlt Kunz das Personal.

In der Lammbrauerei werden einige Sorten gebraut, beispielsweise das Qualitätsbier, das „Kocherreiter-Pils“, der „Bier Appel“, das „Zeisel“, ein Weizenbier. Dazu kommen Saisonbiere, unter anderem „Urkorn“, „Grünhopf“ aus eigenem Hopfen, „Summer Pale“ und andere. Rund 3000 Hektoliter werden in der Lammbrauerei jährlich produziert und zumeist im Direktvertrieb verkauft. 2030 möchte der Familienbetrieb sein 200-jähriges Bestehen feiern, „hoffentlich in besseren Zeiten, ohne Einschränkungen und Ängste“, betont er. In der Pandemie sei man von der Politik zunächst  gut unterstützt worden, man habe investiert und 2020 ein neues Sudhaus gebaut, und jetzt seien die Rücklagen fast verbraucht. Man sieht sich damit aber für die Zukunft gut gerüstet.

Beide Braumeister ergänzen eines: „Wir können nicht längerfristig planen, wir leben derzeit von Woche zu Woche.“

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