75 Tonnen pro Jahr – Gärtner aus Alfdorf baut Gras völlig legal an

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Ein Haufen Gras für den Eigenbedarf. Albrecht Schulz aus Alfdorf baut seit zehn Jahren auf einer Fläche von 3,5 Hektar Elefantengras an.

Albrecht Schulz baut auf rund 3,5 Hektar Elefantengras an. Warum er das macht und warum sich sein Schornsteinfeger darüber freut.

Alfdorf

Seit etwa zehn Jahren baut Albrecht Schulz Gras an. Inzwischen auf rund 3,5 Hektar. Ärger mit der Polizei gab es bisher keinen. Denn sein Gras ist legal und nennt sich "Elefantengras". Sein lokaler Heizöllieferant dagegen dürfte sich ein Loch in den Bauch ärgern. Schließlich heizt Albrecht Schulz mit dem Elefantengras, das lateinisch "Miscanthus" heißt, und spart im Haus und seiner Gärtnerei damit jährlich an die 30 000 Liter Heizöl.

Eigentlich, sagt Albrecht, sollte man das Elefantengras weder Elefantengras noch Chinagras nennen. Obwohl die Ahnenpflanze wohl tatsächlich irgendwann mal den Weg von China nach Europa fand. Kultiviert wurde sie dann aber in Dänemark und fand von dort in den 30er Jahren ihre Verbreitung in Mitteleuropa.

"Miscanthus kann man übersetzen mit "Stilblüte" – womit sich Journalisten wiederum bestens auskennen – zeigt aber auch, wie es zur Bezeichnung "Elefantengras" kam: An einem bis zu vier Meter hohen Stil wächst eine puschelige Blüte, die an den Quast am Ende eines Elefantenschwanzes erinnert.

Schon in den 1970er-Jahren erkannte man den Nutzen der sehr energiereichen Pflanze, deren Brennwert ähnlich hoch ist wie der von Holz. Damals suchte man während der Ölkrise nach alternativen Brennstoffen, aber erst in den 1990er-Jahren, als der Ölpreis durch die Decke schoss, wurde sie tatsächlich genutzt. Denn obwohl Albrecht Schulz sie durchaus "als den Porsche unter den Pflanzen" ansieht, braucht sie besondere Bedingungen, um im Heizkessel ihre volle Energie zu entfalten. Auch ein normaler Brenner wie er in Ölöfen verbaut ist, hilft hier nichts: "Der Heizkessel ist relativ teuer. Für ein normales Einfamilienhaus rechnet sich das nicht", dämpft Albrecht Schulz daher auch frühzeitigen Optimismus.

Aber für sein Haus inklusive der Gärtnerei in Alfdorf-Höldis genügen die jährlich 600 Kubikmeter (umgerechnet etwa 75 Tonnen) Elefantengras, die er einmal pro Jahr auf seinen Feldern erntet.

Elefanten- gras ist der Porsche unter den Pflanzen.

Albrecht Schulz, Gärtner

Unabhängigkeit als Ziel

Derzeit ist die Pflanze zwischen 50 und 75 Zentimeter groß und hat starke Ähnlichkeit mit Bambus. Aber Albrecht Schulz erlebte es auch schon, dass jemand steif und fest behauptete, es handele sich um Zuckerrohr, berichtet er lachend.

Der 49 Jahre alter Gärtnermeister suchte vor mehr als zehn Jahren nach Alternativen zum Öl. Er habe keine Lust gehabt, die "Scheichs dick zu füttern" und sein Geld für Öl rauszuschmeißen: "Ich wollte mich unabhängig machen. Auch von den Pellets." Die werden fabrikmäßig hergestellt. Schulz aber wollte völlig autark sein: "Die komplette Wertschöpfungskette habe ich selbst in der Hand."

Begonnen hat er damals damit, dass er die Miscanthus anpflanzte, denn sie sei keine Saatpflanze. Dafür ist sie sehr genügsam: "Sie erfordert kaum Pflege und Aufwand. Wenn sie wächst, dann wächst sie." Auch nach der Ernte gedeiht sie weiter, nutzt Wasser und Licht ausgesprochen effektiv bis zum optimalen Ertrag: "Einmal Pflanzen und jedes Jahr ernten!" Für Albrecht Schulz kommt Miscanthus der "Eier legenden Wollmilchsau" schon verdächtig nah.

Sogar Schulz' Schornsteinfeger ist zufrieden, schließlich werden bei der Verbrennung nicht nur die gesetzlichen Grenzwerte eingehalten, insgesamt ist die Pflanze auch noch CO2-neutral: "Wir ersetzen damit nicht nur 30 000 Liter Heizöl pro Jahr, sondern sparen auch noch 100 Tonnen Kohlenstoffdioxid (CO2) ein." Andererseits hinterlässt die Pflanze mit etwa einem Prozent mehr Asche als Holz zum Beispiel. Aber die kommt dann wiederum als Dünger aufs Feld. Das Ende der "Wertschöpfungskette", die von Anfang bis Ende in der eigenen Hand zu halten für Albrecht Schulz ein wichtiges Kriterium ist, um tatsächlich unabhängig und autark zu sein.

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