Alfdorfs „Bauernpfarrerin“ verabschiedet sich

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Zum vorerst letzten Mal predigte Pfarrerin Barbara Rieth am Sonntag in der Stephanuskirche in Alfdorf.
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Nach über 20 Jahren in der Kirchengemeinde geht Pfarrerin Barbara Rieth in den Ruhestand.

Alfdorf. Zum Gottesdienst zur Verabschiedung von Pfarrerin Barbara Rieth waren am Sonntag viele Gläubige in die Stephanuskirche in Alfdorf gekommen. Coronabedingt waren allerdings nur 100 Personen im Gotteshaus zugelassen, aber viele weitere folgten der Übertragung live auf der Videoplattform YouTube.

Als „unsere Bauernpfarrerin“ bezeichnete Dekanin Dr. Juliane Baur Pfarrerin Rieth in ihrem Rückblick zu deren Wirken in über 20 Jahren in der Kirchengemeinde Alfdorf. „Sie hat ein Alleinstellungsmerkmal!“, erläuterte die Dekanin.

Barbara Rieth begann 1998 als Pfarrvikarin und wurde im Jahr 2004 Pfarrerin in Alfdorf-Pfahlbronn, „die einzige, die diese Pfarrstelle innehatte“, betonte die Dekanin. Denn es handle sich um eine Position, die in der Neuordnung der Kirchengemeinde auch nicht mehr vorgesehen ist, da die Gemeinde Pfahlbronn in Zukunft gemeinsam von Alfdorf und Welzheim betreut wird.

Nun gehe Barbara Rieth in den Ruhestand. Entbunden von allen Aufgaben, doch mit großem Dank an ihre Treue, Einfühlsamkeit und Leidenschaft für Musik. Sie könne nun alles hinter sich lassen, so die Dekanin. Rieth bleibe aber in der Gemeinschaft der Ordinierten und könne frei entscheiden, was sie noch ermöglichen wolle.

Der Gemeinde „wird was fehlen“

Der Vorsitzende des Kirchengemeinderats Andreas Hintermeier bedankte sich nicht allein bei Pfarrerin Rieth, sondern auch bei deren Mann, der ihr stets den Rücken freigehalten habe. „Uns wird was fehlen!“, sagte Hintermeier. Die Pfarrerin sei ein einfühlsamer Mensch, richtungsweisend und habe die Kirchengemeinde nach vorne gebracht.

Die Kirchenbesucher erlebten in der Alfdorfer Stephanuskirche einen Gottesdienst, der von Kirchen- und Posaunenchor musikalisch begleitet wurde. Die Lieder des Kirchenchors unter Leitung von Kantorin Ulrike Bantleon-Bader wurden bereichert durch drei Solopartien in Sopran und Alt. Der Posaunenchor unter der langjährigen Leitung von Bernd Weyhmüller sorgte mit großem Klang für Weihnachtsstimmung.

In ihrer Predigt zeigte Pfarrerin Rieth, dass Texte aus dem Paulusbrief an die Korinther nicht Worte aus vergangener Zeit, sondern in ihrem Gehalt noch heute aktuell sind: „Als Diener Christi und Verwalter von Geheimnissen Gottes soll man uns betrachten.“

Heute von Dienern Christi und Verwaltern von Gottes Geheimnissen zu sprechen, sei eher die Sprache Kanaans als die unserer Zeit, so die Pfarrerin. Die Aussage stelle jedoch die aktuelle Frage: „Wem dienen wir in unserem Leben?“

Paulus erklärt, dass ihm egal sei, was andere von ihm denken. Für sie selbst ließe sich das heute nicht so umsetzen, so die Pfarrerin. Doch eines sei gewiss: „Es gibt nur einen, der mich richtig beurteilen kann!“ Nur Jesus Christus habe das Recht zu urteilen. Das bedeute ein klares Verbot, andere Menschen zu richten, abzukanzeln. Es sei die Aufforderung, ganz Auge und Ohr zu sein für „mein“ Gegenüber, einander zum Leben zu verhelfen, barmherzig und gerecht zu sein. In diesem Sinne sei ihr egal, was andere über sie denken.

Dank in schlichten Worten

Pfarrerin Barbara Rieth dankte im Anschluss an ihre Predigt der Kirchengemeinde und allen, mit denen sie über die Jahre zusammen gearbeitet hat, für deren Vertrauen und stets im Sinne von nicht allein machen und denken, sondern auch anderer zu gedenken. Predigt und Dank in schlichten Worten zeigten ihre tiefe Verbundenheit mit ihren Kirchengemeinden, gleichzeitig hinterließen sie einen tiefen Eindruck von einer Pfarrerin, die es versteht, die Herzen der Menschen zu erreichen.

Gise Kayser-Gantner

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