Auswärtige Lastwagen und Raser nerven

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Raser und Lastwagen belasten die Anlieger in der innerörtlichen Umleitung von Alfdorf.
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Bauarbeiten in der Alfdorfer Ortsmitte laufen zügig voran. Innerörtliche Umleitung belastet Anwohner.

Alfdorf. Die Bauarbeiten in der Ortsdurchfahrt kommen zügig voran. Allerdings können diese Arbeiten nur mit einer Vollsperrung ausgeführt werden. Was bedeutet, dass der überörtliche Verkehr weiträumig umgeleitet wird. Anlieger werden innerorts über Wohngebiete gelotst.

Und hier liegt die Krux. Trotz entsprechender Ausschilderung rollen Lastwagen durchs Wohngebiet, die dort nichts zu suchen haben. So berichtet Anlieger Wolfgang Eigenbrod. Und verweist darauf, dass nicht nur er, sondern auch die übrigen dort Wohnenden genervt sind. Denn es wird auch zu schnell gefahren. „Ein Wunder, dass da noch nichts passiert ist.“

Er machte sich auch die Mühe, Fahrzeuge zu zählen. So waren es etwa an einem Freitag innerhalb einer guten Stunde 561 Fahrzeuge. Und an einem Sonntagabend binnen einer Stunde 465 Fahrzeuge. Sarkastisch stellt er fest, dass sich ganz Deutschland wohl als Anlieger fühle, denn der Blick auf die Autokennzeichen zeige, dass auch Esslinger, Ludwigsburger, Künzelsauer, Heilbronner und noch viele mehr durchs Wohngebiet fahren. Hinzu kommen Lastwagen mit ausländischen Kennzeichen.

Eigenbrod erlebt auch, dass es manchmal „zugeht wie auf der Autobahn“, die Tempo-30-Regelung werde ignoriert. Was er bemängelt: „Die Polizei kommt zwar vorbei, aber eben nur mal zwei Stunden.“ Er bedauert, dass nicht am ersten Tag der Umleitung „präventiv“ scharf kontrolliert worden ist. „Zur Abschreckung“.

Allgemein findet er, dass viel zu wenig kontrolliert werde. Dabei rolle der Verkehr ab 4.15 Uhr bis Mitternacht munter durchs Wohngebiet. Der Anwohner fordert zudem einen Blitzer, damit Schnellfahrer zur Kasse gebeten werden.

Bei Bürgermeister Ronald Krötz nachgehakt, bestätigt dieser, dass auch ihn Lastwagen, die nichts im Wohngebiet verloren haben, „maßlos ärgern“. Und er macht deutlich, dass jeder Anlieger Kennzeichen aufschreiben und anzeigen kann. Anhand der digitalen Tachoscheiben könne der Fahrer ermittelt werden. „Aber dann auch als Zeuge zur Verfügung stehen“, bittet er um Zivilcourage. Lediglich für etwa zehn Firmen am Ort gibt’s Ausnahmeregelungen fürs Durchfahren. „Da wird im Einzelfall entschieden, schließlich sind unsere örtlichen Firmen auch von Corona gebeutelt. Da darf man nicht noch zusätzlich den Arbeitsalltag erschweren. Dazu stehe ich.“ In der vergangenen Woche habe er all diese Firmen angeschrieben und zur Einhaltung der Geschwindigkeit angehalten. „Ist dies nicht der Fall, wird die Ausnahmeregelung zurückgezogen“, betont Krötz.

Zum Blitzer erklärt er, dass dessen Kauf die Gemeinde über 30 000 Euro koste. Die Einnahmen der Blitzer zur Geschwindigkeitsüberwachung fließen jedoch nicht an die Gemeinde, sondern ans Landratsamt. Und „ab Mitte nächsten Jahres sind die Bauarbeiten erledigt“, gibt Krötz zu Bedenken. Doch wolle er die Anlieger mit ihrem berechtigten Anliegen auch nicht alleinlassen. Sondern kooperiert nun mit Welzheim bezüglich des Gemeindevollzugsbediensteten. „Der kommt jetzt auch nach Alfdorf und schreibt Kennzeichen der Laster auf. Die werden zur Anzeige gebracht.“ Zudem gibt es künftig noch mehr Polizeikontrollen.

Problematisch wird es jedoch bei den Pkw. Mancher fährt mit einem Firmenwagen. Hat also keine „WN“ Nummer. „Das ist nicht kontrollierbar“, erinnert Krötz auch, dass man bei einem Umzug sein altes Kennzeichen behalten kann. Also etwa, wenn man aus Stuttgart oder Ludwigsburg hergezogen ist.

Unterm Strich bedauert Ronald Krötz, dass die Anlieger durch die Baustelle belastet werden. „Aber was soll man machen?“ Jahrzehntelang war die Sanierung der Ortsmitte angemahnt worden. „Und das geht nicht ohne Vollsperrung“. Bis Mitte 2022 sind die Bauarbeiten beendet. Anja Jantschik

„Wie auf der Autobahn“

Wolfgang Eigenbrod,, Anlieger

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