Bärenstimmung in Alfdorfer Gärten

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Waschbären können in Gärten einen ordentlichen Schaden anrichten. Diese Waschbären-Mama gräbt in diesem Garten in Alfdorf die Grasnarbe ab, damit die Kleinen an die Käferlarven darunter rankommen.

Seit Wochen herrscht in der Gesamtgemeinde Alfdorf "Waschbärenalarm". Was die Tiere so treiben, wie die Anwohner damit umgehen und wie man die Tiere wieder los wird.

Alfdorf

In der Dämmerung kommen sie aus ihren Verstecken. Sie sind ungefähr so groß wie Katzen, haben ein graues Fell und einen schwarz-weiß geringelten Schwanz. Ihre Vorderpfoten ähneln einer menschlichen Hand und sind mit messerspitzen Krallen ausgestattet. Ihr auffälligstes Merkmal ist die "Zorro-Maske" im Gesicht. Die Rede ist von Waschbären, possierliche Einwanderer aus Kanada, deren erste offizielle Ansiedlung in Deutschland 1934 in Hessen zu jagdlichen Zwecken stattfand.

Keine natürlichen Feinde

Da die kleinen Räuber keine natürlichen Feinde haben, breitet sich ihre Population ungehindert aus. Warum jagen oder fischen, wenn der Mensch reich gedeckte Tische hinterlässt, fragen sich vermutlich viele Waschbären, die sich immer weiter in menschliche Ansiedlungen vorwagen. Komposthäufen, Bioabfälle und das derzeit nicht aufgesammelte Fallobst machen Wohnorte in Ortsrandgegenden zu wahren Schlaraffenländern für die Tiere. In den vergangenen Wochen scheinen sich ganze Waschbärenfamilien in Alfdorf und seinen Teilorten häuslich niedergelassen zu haben.

Äußerst niedlich, finden es wohl manche, wenn die Waschbärenmama mit ihren Abkömmlingen durch die Gegend streift. Über die Spuren, die die Tiere hinterlassen, sind die Anwohner geteilter Meinung. Da gibt es eine Familie am Ortsrand von Alfdorf: Alle paar Tage taucht Mama Waschbär mit ihren Kids im Garten auf. Die Kleinen wollen gefüttert werden. Also gräbt Mamabär in aller Seelenruhe die heimische Grasnarbe um und lässt sich dabei auch von Beobachtern nicht stören. Und wenn Mama alles umgepflügt hat, kommen die Kleinen und hauen sich ihre Bäuchlein mit den ausgegrabenen Käferlarven voll. Diese Zeit nutzt wiederum das Muttertier, um auf der heimischen Terrasse auszuruhen. Der Anwohner sieht's gelassen: Wenn die Tiere satt sind und sich verabschiedet haben, wird mit dem Spaten die Grasnarbe korrigiert, bis in einigen Tagen wieder "Bärenstimmung" im Garten herrscht.

Fallobst lockt Tiere an

Wer in ländlicher Region lebe, müsse mit Wildtieren im Garten klarkommen, meint der "Spatengänger". Viel gegen die Tiere unternehmen, sei sowieso nicht möglich. Die angrenzenden Obstwiesen mit dem vielen Fallobst locken die Tiere an. Vitamine gibt's auf der Obstwiese, Proteine und Eiweiß in den Gärten, grinst der unfreiwillige "Bärenbesitzer". Mit Humor nimmt es eine Facebook-Nutzerin, deren Garten regelmäßig verwüstet wird. Sie bittet darum: "Wer seine Waschbären vermisst", könne diese bei ihr wieder abholen.

So amüsant sich diese Geschichten anhören: Die Schäden, die die Tiere verursachen, sind nicht von der Hand zu weisen. Das Forstamt des Rems-Murr-Kreises bietet Betroffenen Unterstützung und Tipps zum Vertreiben der Tiere an. Anke Baumann rät den Betroffenen, die Gärten für Waschbären unattraktiv zu machen. Katzen sollten im Haus gefüttert werden, damit die Waschbären nicht an deren Futter gelangen. Essensreste sollten nicht auf den Kompost geworfen und Mülltonnen für Waschbären unzugänglich abgestellt werden.

Haben die Waschbären es sich in einer Gartenhütte gemütlich eingerichtet, raten die Experten des Forstamtes dazu, es ihnen durch Lärm ungemütlich zu machen und danach den Zugang zu verschließen. Als letzte Möglichkeit kann ab August nach Ende der Setzzeit eine Fallenfanggenehmigung beantragt werden.

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