Corona-Demo: Wir werden alle Dörfer bespielen

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In Alfdorf war Premiere, in Welzheim und Durlangen soll es kommende Woche weitergehen mit den Corona-Demos.
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Organisator Stefan Schmidt will weitermachen mit seinen Demonstrationen gegen die Corona- Verordnungen – derweil vermeldet der Rems-Murr-Kreis neue Corona-Höchststände.

Alfdorf

Alfdorf soll erst der Anfang gewesen sein. "Am kommenden Dienstag wird es eine Demonstration in Welzheim geben, am Donnerstag darauf dann in Durlangen", sagt der Alfdorfer, der dort am Dienstag eine Demo gegen die Corona-Verordnungen organisiert hatte. Stefan Schmidt sieht in kleineren Gemeinden bessere Möglichkeiten, auf sein und das Anliegen seiner Mitstreiter aufmerksam zu machen: "Ich denke, dass dieser Weg über die Dörfer gut ist, dort reichen schon fünfzehn, zwanzig Leute."

Damit könne er mehr erreichen, als bei zentralen Großdemos. "In den Städten ist es ein bisschen ausgelutscht, da ist alles anonymer." Sein Anliegen beschreibt er so: "Ich will die Leute zum Diskutieren, zum Nachdenken anregen. Sie müssen ja nicht einer Meinung sein – Demokratie lebt vom offenen Diskurs."

Todesfall: eine 40-Jährige

Zum Diskurs gehören auch Lesermeinungen in den Zeitungen: Auf der GT-Homepage kommentiert ein Leser die Demo so: Die Aktion sei "angesichts volllaufender Intensivstationen (...) total daneben". Und: "Ich schäme mich für die Menschheit und so wenig Solidarität und Gemeinsinn in Zeiten einer Pandemie."

Und was sagt das Landratsamt Rems-Murr? Pressesprecherin Martina Keck lässt am Abend nach einem schwierigen Tag Fakten sprechen: "Wir haben derzeit Krisenlage, diese spitzt sich weiter zu, die Zahlen sind so hoch wie nie." 183 sei der aktuelle Inzidenzwert, es sind 146 Neuinfektionen an einem Tag. Auch die Klinikzahlen seien am Steigen, "das sind Dinge, die uns beunruhigen", betont Keck. "Und wir haben einen Todesfall: eine 40-Jährige aus einer Behinderteneinrichtung." Bei alldem bemühe sich der Landkreis, "so transparent wie möglich zu sein. Wir bemühen uns die Menschen mitzunehmen, das ist uns sehr wichtig".

Stefan Schmidt will noch einen weiteren Weg einschlagen, um Politik zu beeinflussen: Er wolle für die neu gegründete Partei "Wir 2020" für den Landtag kandidieren. "Das ist die Aufgabe: in die Gemeinderäte und Landtage zu kommen. Ich bin da nicht illusorisch: Man kann ja die Regierung nicht stürzen, man muss in die Parlamente."

Es standen alle an den Fenstern oder auf den Balkonen.

Stefan Schmidt, Demo-Organisator

In Lorch und Heubach

Die Demos sollen dennoch weitergehen, bei den zwei Folge-Terminen in Welzheim und Durlangen will es Schmidt nicht bewenden lassen: "Wir werden alle Dörfer bespielen", kündigt er an, dazu zählt er ausdrücklich auch kleinere Städte: "Wir haben aus Heubach viele Anfragen; Lorch wird der größte Ort sein."

Die Verkleidung der Teilnehmer – weiße Overalls samt Kapuze, Mund-Nasen-Maske, rote Armbinde mit einem großen C – sei bewusst "überspitzt" gewesen, sagt Schmidt. "Es steht für die Gleichschaltung der Menschen, mit der das Individuelle verloren geht." Auch die roten Armbinden sieht er in diesem Kontext, sagt Schmidt, "das hat nichts weiter zu sagen. Ich habe das übernommen. Das gibt es in Deutschland schon oft".

Die Armbinde lässt beim Betrachter manche Assoziationen zu: Rot war die Grundfarbe der nationalsozialistischen Armbinde; der Judenstern musste im Dritten Reich am Arm getragen werden; es ist aber auch ein gängiges Utensil in der Geschichte des kommunistischen China. Auf China kommt Stefan Schmidt selbst zu sprechen: "Dort ist alles perfekt überwacht – darauf steuern wir zu."

Für die Polizei war die Kleidung der Demo-Teilnehmer kein Grund zur Beanstandung. "Ein Thema ist das Vermummungsverbot", sagt Polizeisprecher Holger Bienert, "aber das wird im Moment so ausgelegt, dass bei der Gesichtsmaske die Notwendigkeit überwiegt." Kein Problem also, "solange die Augenpartie frei ist".

Alle Demonstrationen seien selbstverständlich angemeldet, betont Organisator Schmidt. Und auch die Abstände zwischen den Menschen entsprechend den Corona-Vorschriften seien gewahrt gewesen. "Natürlich halten wir uns an die Regeln, das ist bei dem Format unproblematisch." Und aus Schmidts Sicht ist auch das: überspitzt. Die Aufmerksamkeit, die die Demo mit rund 30 Teilnehmern in Alfdorf erregt hat, zeigt für Schmidt, dass sein Plan funktioniert: "Das war Mega-Gesprächsstoff in Alfdorf. Es haben alle mitbekommen – die standen an den Fenstern oder auf den Balkonen."

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