Treffen am Eisenbachsee endet vor Gericht: Corona-Verstoß oder Tanzmeditation?

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Symbolbild

49-jährige Lehrerin hatte sich im November 2020 mit einer Gruppe am Eisenbachsee bei Alfdorf getroffen. Was war da los?

Alfdorf. Tanzmeditation hilft Jennifer P. (Name geändert), den Tod ihrer Mutter zu bewältigen – und just deshalb ist sie nach eigenen Angaben an jenem 20. November 2020 zu solch einer Veranstaltung am Eisenbachsee bei Alfdorf gefahren. Die 49-Jährige, die als verbeamtete Lehrerin an einer öffentlichen Schule im Landkreis Ludwigsburg unterrichtet, hielt sich dort nach Angaben der Polizei mit mindestens 14 anderen Personen auf – und alle stammten aus unterschiedlichen Haushalten. Ein Teil wärmte sich am Feuer, es floß reichlich Alkohol. Laut dem Polizeibeamten vom Revier Schorndorf, der bei der Verhandlung vor dem Amtsgericht Waiblingen als Zeuge aussagte, wurden die Mindestabstände nicht eingehalten – und eine Maske habe auch niemand getragen.

Bußgeldbescheid: 75 Euro

Richter Johannes Weigel musste nun in der Verhandlung Ende Oktober klären, was sich an jenem Freitagabend zugetragen hat – und ob die Betroffene gegen das Infektionsschutzgesetz verstoßen hat. Jennifer P. hatte nämlich Einspruch gegen ihren Bußgeldbescheid in Höhe von 75 Euro eingelegt. Sie betonte vor Gericht, dass sie sich an jenem Tag wie so oft mit ihrer Selbsthilfegruppe getroffen habe, um in der Natur an einer Bewegungsmeditation teilzunehmen. Mit Kopfhörern habe dort jeder mit Abstand zum anderen getanzt. Mittlerweile sei die Gruppe Teil eines Vereins, der sich damals in der Gründung befunden habe – und fünf Tage später ins Vereinsregister eingetragen worden sei. Die Facebookseite des Vereins haben Stand Ende Oktober 105 Personen abonniert. Die Verantwortlichen betonen, dass bei ihnen jeder Mensch in der Einzigartigkeit seines Seins angenommen werde .

Auffällig ist, dass bei den auf Facebook veröffentlichten Einladungen zu Treffen in diesem Jahr ausführlich erwähnt wird, welche Hygienemaßnahmen einzuhalten sind. Als der damals zuständige Polizeihauptmeister vor Ort eintraf und laut eigener Aussage das Geschehen drei bis vier Minuten beobachtete, merkte er nichts davon, dass irgendwelche damals geltenden Regeln beachtet wurden. Dabei gab es seit dem 2. November einen Teil-Lockdown, in der Öffentlichkeit durften sich nur Angehörige des eigenen und eines weiteren Hausstandes treffen. Als sich die Polizei zu erkennen gab, sind laut dem Beamten einige Leute Richtung Feldweg abgehauen. Dort standen weitere Polizisten, allerdings gelang es einem Teil der Personen zu fliehen – und so einem Bußgeld zu entgehen.

Der Polizist schilderte auch, dass trotz Aufforderung nur wenige aus der Gruppe anschließend eine Maske aufzogen. Auch erzählte er, dass sich viele erst geweigert hätten, die herumliegenden Weinflaschen aufzuräumen. Der Waiblinger Amtsrichter Johannes Weigel fragte bewusst nach, ob der Polizist beobachtet hat, dass irgendein Teilnehmer des Treffens am Eisenbachsee einen Kopfhörer getragen hat, um Musik zu hören. Der Polizist verneinte, auch hat er laut eigener Aussage niemanden gesehen, der Sportkleidung angezogen hat. Jennifer P. erklärte den Umstand, dass die Polizei niemanden bei der Tanzmeditation sehen konnte, indes damit, dass diese zehn Minuten zuvor beendet worden sei. Die Lehrerin unterstrich auch, dass sie überzeugt sei, sich an die geltenden Bestimmungen gehalten zu haben. Sie sieht sich vielmehr zu Unrecht beschuldigt und verweist darauf, dass sie ihre Schüler immer lehre, sich auch in die Perspektive des Gegenübers zu versetzen. Das Treffen betrachtet Jennifer P. als legitim, da man eine Selbsthilfegruppe sei – und zudem hätten sich alle ja an der frischen Luft getroffen, an der es keine Infektionsgefahr gebe.

Auch draußen Infektionsgefahr

Genau bei dem Punkt widersprach Richter Johannes Weigel deutlich: Auch draußen gebe es ein Risiko, vor allem dann, wenn der Mindestabstand nicht eingehalten werde. Und dass der nicht beachtet wurde, zeigt sich für den Richter schon allein dadurch, dass ein großer Teil der Gruppe eng um das Feuer stand.

Johannes Weigel änderte in seinem Urteil an der Höhe des Bußgelds indes nicht. Für Jennifer P. wäre es kostengünstiger gewesen, wenn sie ihren Einspruch zurückgezogen hätte – nun muss sie nämlich noch die Kosten des Verfahrens zahlen. Diese betragen mindestens 50 Euro. Der Amtsrichter begründete sein Urteil damit, dass die Aussagen des Polizisten glaubhaft seien – und dass die Betroffene selbst gesagt habe, dass die Tanzmeditation bereits seit zehn Minuten vorbei gewesen sei, als die Polizei eintraf. Bernd Klopfer

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