Das Café Kö muss schließen

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Das Café Kö in der Alfdorfer Hauptstraße schließt Ende März. Betreiberin Susanne Köngeter hat vergebens auf Corona-Zuschüsse gehofft. Im Hintergrund die unabhängig davon geführte Bäckerei ihres Mannes Martin Köngeter.
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Susanne Köngeter macht zum 31. März ihr mit Herzblut betriebenes Geschäft an der Alfdorfer Hauptstraße dicht. Corona-Zuschüsse, die nicht wie erwartet fließen, befeuern das Aus.

Alfdorf

Das Café Kö in Alfdorf schließt Ende März, darauf weist ein Schreiben die Kunden in den Bäckereien von Martin Köngeter hin. Die Begründung: Wegen des geltenden EU-Rechts bekomme das Café keine Corona-Zuschüsse. Was weder Martin Köngeter, der die Bäckereien führt, noch seine Frau Susanne, die das Café Kö führt, so richtig nachvollziehen können.

Sein Steuerberater habe den Zuschuss für Oktober und November beantragt und im Dezember nachgefragt, ob das Geld schon da sei. War es nicht, erzählt Martin Köngeter, was im vergangenen Frühjahr unproblematisch funktionierte, ging nun nicht mehr. Wie der Steuerberater herausgefunden habe, orientiere sich die entsprechende Rechtsgrundlage seit November nicht mehr an deutschem, sondern an EU-Recht. Und das sehe eine zu große Nähe zwischen Bäckerei und Café, "wobei das Café Kö ein wirklich selbstständiger Betrieb ist, den meine Frau führt", betont Martin Köngeter. Und: "Ich kann nicht aus meinem Privatvermögen 20 000 Euro zuschießen", das sei die Summe, die nun nach mehreren Monaten im Lockdown fehle. Und die Susanne Köngeter ohne Zuschüsse nicht erwirtschaften könne. Denn das Café ist zwar ihre Herzensangelegenheit. Doch in den fast acht Jahren, seit es eröffnet hat, habe es gerade mal soviel Gewinn erbracht, um das fürs Café aufgenommene Darlehen zu tilgen, die Mitarbeiter und Susanne Köngeters Krankenversicherung zu bezahlen. Das sei so in Ordnung gewesen, meint Martin Köngeter. "Solange ich mir dein Hobby leisten kann, machst du weiter", habe er zu seiner Frau gesagt.

"Ich hab's immer wahnsinnig gern gemacht", sagt Susanne Köngeter. "Mit den Jahren hat sich so eine Verbindung ergeben". Mit Senioren, die sich dort gerne trafen. Oder mit Radlern oder Bikern, von denen sie schon bald wusste, ob sie ihren Kaffee mit oder ohne Zucker mögen. Sie habe immer auf Qualität geachtet, die die Kunden zu schätzen wussten. Etwa die selbstgemachten Maultaschen, gefüllt mit Brät vom örtlichen Metzger. Oder das Frühstücksbüffet einmal im Monat mit Crêpes und selbst gemachtem Obstsalat. Und die traditionell ohne Fertigmischungen hergestellten Backwaren, zählt die Bäcker- und Konditormeisterin auf. "An der Qualität und am Personal kann's nicht gelegen haben", sagt Susanne Köngeter, die sich fragt, ob es in einer größeren Stadt anders gelaufen wäre. Denn tatsächlich habe es eben auch die Tage gegeben, an denen die Kundschaft ausblieb.

Ich hab's immer wahnsinnig gern gemacht.

Susanne Köngeter, Betreiberin des Café Kö

Wäre am 10. Januar, wie zunächst angedacht, der Lockdown beendet gewesen, hätte Susanne Köngeter wahrscheinlich weitergemacht. Nun muss sie überlegen, wie es für sie weitergeht, denn dass sie im Bäckereibetrieb ihres Mannes einem Mitarbeiter den Arbeitsplatz wegnimmt, komme nicht in Frage, betont sie. Wie es mit dem Haus weitergeht, in dem das Café untergebracht ist und das Köngeters gehört, kann Martin Köngeter ebenfalls noch nicht sagen. Und Susanne Köngeter weiß trotz der Tränen, die ihr immer wieder in Gesprächen kommen: "Andere trifft's viel härter, wenn die ganze Existenz auf dem Spiel steht."

Gutscheine einlösen können Kunden noch bis 28. März. Das Café Kö bietet bis Ende März jeweils sonntags von 11 bis 16 Uhr seine Waren "to go" an.

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