Der Lockdown ist kein Urlaub

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Warten darauf, die Türen für die Kundschaft öffnen zu dürfen: Andreas Hirschner und Elmar Geiger

Welche Spuren die Krise beim Friseursalon AE Hairstyle & Kosmetik hinterlässt und welche positiven Entwicklungen es gibt.

Alfdorf

Mit ihrem AE Hairstyle & Kosmetik Salon in Alfdorf sind die Inhaber Andreas Hirschner und Elmar Geiger fest in der Alfdorfer Gesellschaft verankert. Ein kurzer Aufenthalt vor der Salontür lässt ahnen, wie die Alfdorfer den Salon vermissen, ein ständiges Nachfragen, wie es Andy und Elmar geht, wann die Türen wieder öffnen und wie es der Salonhündin Sissi geht, ist zu hören.

Wie für alle Friseurbetriebe stellte der erste Lockdown im Frühjahr vergangenen Jahres die Inhaber "vor eine völlig neue Situation", bestätigen Andy und Elmar. Das damalige "Berufsverbot" sei durch "die gute Perspektive" am 4. Mai wieder öffnen zu dürfen, noch relativ entspannt gesehen worden. Auch die staatlichen Hilfsgelder seien zügig geflossen, Termine konnten in Erwartung der Wiedereröffnung vergeben werden. Am 16. Dezember schloss der Alfdorfer Salon AE Hairstyle & Kosmetik zum zweiten Mal im vergangenen Jahr. Die Terminbücher waren voll, ein ausgefeiltes Hygienekonzept wurde mit viel Arbeit und finanziellem Einsatz umgesetzt. "Das Weihnachtsgeschäft wurde uns genommen". Bei den Kunden habe die erneute Schließung Verständnislosigkeit ausgelöst, "alle Kunden haben sich bei Friseurbesuchen sicher gefühlt". Die Situation habe sich aber drastisch verändert, erklären die Inhaber, die Hoffnung auf eine Wiedereröffnung verschiebe sich von Woche zu Woche, abhängig von Vorgaben der Bundesregierung und den Entscheidungen der Landesregierung.

Glücklich zeigen sich die Inhaber über die Loyalität der Kundschaft und der Mitarbeiterinnen, bereits vor dem zweiten Lockdown, "als die erneute Schließung absehbar war", haben alle Salonmitarbeiter enorm viel Mehrarbeit auf sich genommen, um möglichst vielen Kunden noch einmal das gute Gefühl einer perfekten Frisur zu geben, "ein guter Haarschnitt sorgt für ein gesteigertes Wohlbefinden", erklären Andy und Elmar.

Ein guter Haarschnitt sorgt für ein gesteigertes Wohlbefinden.

Andy und Elmar, Friseurmeister

Für die Zeit nach der Schließung haben die Mitarbeiter bereits signalisiert erneut Mehrarbeit zu leisten, die Inhaber werten dies als Zeichen guter Harmonie zwischen Chefs und Angestellten. Bis es so weit ist, halten die Inhaber engen Kontakt zu den Mitarbeitern, schreiben sich Nachrichten und telefonieren. Andy hat sich in der auferlegten Zwangspause gesundheitlicher "Reparationsarbeiten" unterzogen und das Laufen für sich entdeckt, "man kann die Uhr nach ihm stellen" schmunzelt Elmar, Punkt neun Uhr in der früh macht sich der Friseurmeister bei Wind und Wetter auf den Weg und streift dabei durch die Landschaft. "Jeder Spaziergang wird mit einem Foto festgehalten", meint Andy. Elmar, schon immer ein leidenschaftlicher Koch, versucht sich jetzt öfters in der Zubereitung exotischerer Gerichte und hat das Brotbacken für sich entdeckt.

Der Abholservice von Pflegeprodukten und die Umsetzung von Hobbies und Interessen füllen den Tag nicht aus, "der Lockdown ist kein Urlaub", erklären beide. Neben dem "Heimweh" nach der Wohnzimmeratmosphäre ihres Salons vermissen beide das Ausüben ihrer Kreativität. Sogar Salonhündchen Sissi zieht es wie magisch immer wieder zur Tür des geschlossenen Geschäfts. Einen positiven Aspekt habe sich durch Corona und unter dem Alfdorfer Bürgermeister Ronald Krötz entwickelt, der neue Alfdorfer Slogan "Miteinander" sei unter den Gewerbetreibenden spürbar geworden und gewachsen.

Die Kinder brauchen die Nähe

Schwäbisch Gmünd-Großdeinbach

Carola Herber ist im Laufe des vergangenen Jahres in viele Rollen geschlüpft: von einer Kontaktpersonen-Nachverfolgerin und Hygienekonzept-Entwicklerin über eine EDV-Fachkraft bis hin zur Telefonauskunft. Doch eigentlich ist die 50-jährige Großdeinbacherin Erzieherin in der Villa Holder in Großdeinbach – und arbeitet am liebsten am Kind. Derzeit hat sie dazu intensiver Gelegenheit als sonst, weil sie und ihre beiden Kolleginnen in der Gruppe lediglich neun Kinder in der Notbetreuung haben – statt sonst 22.

Ab kommender Woche, wenn die Kitas stufenweise wieder öffnen, werden es um die ... sein. So sehr sie es genieße, sich momentan auf jedes einzelne Kind einlassen zu können, ohne dass zehn andere nach ihr schreien, so sehr freue sie sich, auch die anderen wieder zu sehen. Denn "ich habe schon immer im Hinterkopf: Was machen die anderen?". Wohl wissend, dass die Situation in manchen Familien mit berufstätigen Eltern und mehreren Kindern sehr angespannt ist.

Der Kindergarten sei für die Kinder momentan neben dem Zuhause die einzige weitere Lebenswirklichkeit???: Sie dürfen sich nicht mit Freunden treffen, das Vereinstraining und auch andere Aktivitäten fallen aus. Umso wichtiger ist es den Erzieherinnen, den Kontakt mit den Kindern daheim zu halten. So bringen Carola Herber und ihre Kolleginnen einmal die Woche Post bei den Familien vorbei und reden manchmal auf Abstand an der Haustür auch kurz mit Eltern und Kindern. In den Umschlägen befinden sich unter anderem Bastelanleitungen mit den passenden Materialien: Auf einen Schneemann folgen Luftschlangen zum Selbermachen und nun Schneeglöckchen zum Basteln und Ausmalen – eine Ausfertigung ist für daheim bestimmt, eine bringen die Kinder in den Kindergarten. Per E-Mail bekommen die Eltern zudem Videos etwa vom Kasperletheater im Kindergarten – "das kommt besonders gut an", sagt Carola Herber. Doch sie weiß auch: "Nichts ersetzt den direkten Kontakt zu den Kindern."

Dass sie und ihre Kolleginnen seit November im Kindergarten stets Mund-Nasen-Bedeckungen tragen, störe die Kinder kein bisschen. Für sie seien die Masken Normalität. Manche erzählten sogar, dass sie nun auch Maske tragen, weil sie sechs werden. "Aber nicht im Kindergarten", antwortet Carola Herber dann. Die Kinder müssen sich angesichts des Hygienekonzepts im Kindergarten an so viel halten: etwa abgestimmt mit den anderen Gruppen Hände waschen oder sich mit den Aktivitäten im Garten nach den anderen richten. Kinder müssen gegenseitig ihre Mimik sehen, ist sie überzeugt. Zumal: Für sie als Erwachsene sei es ja schon anstrengend, stundenlang die FFP2-Maske zu tragen – vor allem beim Geschichtenvorlesen.

Doch die Kinder auf Abstand zu halten, funktioniere nicht. "Die Kinder brauchen die Nähe", sagt die Erzieherin. Sie legt aus gutem Grund Wert auf diesen Schutz: Als Anfang November sieben von 18 Erzieherinnen an Corona erkrankt seien, habe es sie nicht erwischt. "Die FFP2-Maske hat mich gerettet", ist Carola Herber überzeugt. So kam es, dass sie alleine die Stellung im Kindergarten hielt, während die Einrichtung geschlossen war. Da habe sie ihren "Crashkurs in EDV" bekommen, um allerlei Listen für Eltern oder das Gesundheitsamt zu erstellen. Und ständig klingelte das Telefon, etwa weil Eltern wissen wollten, wie lange sie und ihre Kinder noch in Quarantäne sind – eine Frage, die nur das Ordnungs- oder Gesundheitsamt beantworten konnten. Wenn sie sich dann völlig geschafft zu Fuß auf den Heimweg machte, sei sie so manches Mal gefragt worden, ob sie die freien Tage genieße angesichts des geschlossenen Kindergartens ...

INFO:

Carola Herber hat ab 1989 bis 1993 am Institut St. Loreto Jugend- und Heimerzieherin gelernt und arbeitete dann in der Stiftung Haus Lindenhof mit Menschen mit Behinderung. "Es hat mich immer gereizt, mit besonderen Kindern zu arbeiten, bei denen nicht alles nach Plan läuft und die von der Gesellschaft schnell in eine Schublade gesteckt werden", sagt Carola Herber. Sie kam 2010 als Sprachförderkraft in der Villa Holder. Eigentlich mehr durch Zufall: Die Leiterin fragte sie, ob sie sich das vorstellen könnte, als sie ihr jüngstes der insgesamt drei Kinder dort abholte. Unter anderem weil Familie und Beruf hier doch besser zu vereinbaren sei, habe sie zugesagt – und es nicht bereut.

Carola Herber gibt den Kindern Bastelanleitungen mit und freuen sich, wenn Schneemänner und Clowns zurückkommen.

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