Die eigenen Ressourcen erkennen

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Walter Hieber ist Naturparkführer im Schwäbisch-Fränkischen Wald und hat Möglichkeiten gefunden, in der Pandemie Aktionen „auf Abstand“ anzubieten.

Wie der Wildnis- und Erlebnispädagoge Walter Hieber mit neuen Ideen gut durch die Krisenzeit kommt und trotz aller Beschränkungen „gut beschäftigt“ ist.

Alfdorf

Die Natur bietet eine Vielfalt und Schönheit, die es zu entdecken gilt. Das Potenzial von Flora und Fauna ist gerade in Zeiten der pandemiebedingten Kontaktbeschränkungen ein unerschöpfliches Reservoir zur Freizeitgestaltung. Walter Hieber ist Wildnis- und Erlebnispädagoge und Naturparkführer im Schwäbisch-Fränkischen Wald. Sein Betätigungsfeld umfasst in normalen Zeiten geführte Touren durch die Natur wie etwa winterliche Schneeschuhwanderungen auf „großem Fuß“ zu den Alfdorfer Mühlen, der „Hummelgautsche“ und der stattlichen Heinlesmühle.

Das umfangreiche Freizeitangebot des Sozialpädagogen mit geführten Touren und Veranstaltungen wie Kindergeburtstagen oder geleiteten Events für Schulklassen und Firmen musste zu Beginn der Pandemie im März vergangenen Jahres „komplett auf null“ heruntergefahren werden. Darunter 80 bereits festgebuchte Termine und einige weitere, die online für spontane Buchungen vorgesehen gewesen wären. Doch den Kopf in den Sand stecken „bringt nichts“, meint Hieber, für den es nur eine Lösung gab: „Die eigenen Ressourcen erkennen und vorantreiben.“ Denn „Wald und Natur bieten ausreichend Möglichkeiten, gut durch die Krise zu kommen“ und so den Bewegungsdrang der Menschen, im Besonderen der Kinder, zu stillen.

Nur Spazierengehen: langweilig

Statt die Schneeschuhtouren zu führen, lieh Hieber die Sportgeräte aus. Familien hatten so die Möglichkeit, allein und ohne große Vorkenntnisse auf Tour zu gehen. Statt Kindergeburtstage im Freien zu organisieren, hat sich Hieber vermehrt damit beschäftigt, redaktionelle Beiträge in unterschiedlichen Publikationen zu veröffentlichen. Die Leser erhalten Tipps und kreative Ideen zur Freizeitgestaltung. Für Kinder ist „nur Spazierengehen“ langweilig, weiß der Pädagoge, dessen Anliegen es ist, mit kleinen Kniffen und Spielen die Familienbeschäftigung attraktiver zu gestalten.

Immer „am Puls der Vorgaben“ konnten Naturparkschulklassen kleinere Exkursionen im Wald oder naturnahe Unterrichtseinheiten auf dem Schulgelände absolvieren. Trotz der „komplizierten Vorschriften“ ließ sich bei Walter Hiebers angeboten daran „herantasten, was ist derzeit machbar“. So funktionierte etwa dies: Der „große Wandermarathon“ sei das „ideale Format“ gewesen, Menschen auf Wanderschaft zu schicken. 500 Teilnehmer machten sich in kleinen Gruppen auf drei ausgeschilderten Strecken auf den Weg. Auf den 70 Kilometern Wegstrecke seien keine Menschenansammlungen zu finden gewesen, „es hat funktioniert“, stellt Hieber fest.

Zum Jahresende wurde es wieder eng mit Freizeitmöglichkeiten, Weihnachtsmärkte und Veranstaltungen fielen weg, Alternativen waren gefragt. So entstand der Welzheimer Weihnachtswald. Auf dem weitläufigen Gelände des Stadtwalds konnten Familien mit Kindern bei unterschiedlichen Aktivitäten wie Spielen oder Märchenerzählen unbeschwerte Zeit im Wald erleben. Um Menschenansammlungen zu vermeiden, gab es als „Bastelangebote to go“ in Tüten verpackte Kleinigkeiten. Der Erfolg gab Hieber recht. Bei „Kontrollgängen“ stellte er fest: Trotz der rund 7000 Besucher in drei Wochen habe auch hier das Prinzip „mit Abstand“ funktioniert.

Mit seinen Konzepten möchte Hieber „kleine Fingerzeige geben“, was in der Natur mit Kindern alles möglich ist. Jetzt macht sich Hieber gemeinsam mit Manfred Krautter als „Waldmeister“ auf, naturnahe Konzeptionen zur Steigerung des Tourismus in die unterschiedlichen Kommunen zu bringen. Damit sei er „gut beschäftigt“, sagt er. „Man kann jammern oder das Beste aus jeder Situation machen“, beschreibt Hieber seine Einstellung. Viele Pläne für Veranstaltungen und Touren entstehen nebenher. „Wenn es grünes Licht gibt, stehen wir in den Startlöchern.

Man kann jammern oder das Beste aus jeder Situation machen.“

Walter Hieber,

Die Schätze des Waldes kennen und teilen

Walter Hieber, geboren 1966, ist Diplom-Sozialpädagoge und Wildnis- und Erlebnispädagoge im Schwäbisch-Fränkischen Wald. Schon von Kindesbeinen an fand er seine Lieblingsplätze in der Natur. Mit der Ausbildung zum Naturparkführer ging für Hieber der Traum in Erfüllung, die Schätze des Schwäbisch-Fränkischen Waldes kennenzulernen und sie mit vielen Neugierigen teilen zu dürfen.

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