Eine zweite Chance für Lebensmittel

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Wie in Alfdorf durch ein Apfelmusrezept eine große Lebensmittelrettungsaktion entstand.

Alfdorf. Oftmals sind es Zufälle, die zu großen Entscheidungen führen. So ging es auch der Alfdorferin Sandra Müller, als sie vor einiger Zeit im sozialen Netzwerk Facebook unterwegs war, um ein Apfelmus-Rezept zu suchen. Dabei stieß die junge Mutter auf eine "Einkoch-Gruppe", in der sie nicht nur das begehrte Rezept fand, sondern auch einiges an Informationen über die "Lebensmittelrettungsaktionen" der Aktion Foodsharing.de.

Das Konzept der Lebensmittelretter überzeugte Sandra Müller komplett. Denn auch sie sieht es als unnötige Verschwendung an, dass "jährlich Millionen Tonnen Lebensmittel im Müll landen". Oftmals handle es sich bei den Lebensmitteln nicht um verdorbene Ware, sondern um Lebensmittel, die krumm gewachsen oder mit unschönen Stellen nicht dem "Schönheitsdeal" der Verbraucher entsprechen. Es werden Lebensmittel entsorgt, die falsch verpackt oder etikettiert wurden und Lebensmittel, die kurz vor dem Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums stehen. Diese Ressourcenverschwendung animierte Sandra Müller, sich gegen die Verschwendung einzusetzen. Zeitgleich sah sie ihr Engagement auch darin, "allen Alfdorfern etwas Gutes zu tun". Und da in Alfdorf noch kein Tafelladen verortet sei, hätten auch Mitbürger mit "schmälerem Geldbeutel" so die Chance, gute Produkte für umsonst zu erhalten.

Vorteile für Händler

Viele Lebensmittelvermarkter haben sich der Lebensmittelteil-Aktion unter dem Titel Foodsharing-Aktion bereits angeschlossen und stellen die "unverkäuflichen" Lebensmittel den "Foodsharern" kostenlos zur Abholung zur Verfügung. Vorrang bei der Abholung haben allerdings die Tafelläden und andere soziale Unternehmen, weiß Sandra Müller. All diese Produkten, die weder Tafel noch andere Institutionen weitergeben, landen daher automatisch auf dem Müll. Durch die Rettungsaktion der "Foodsharer" entstehen Vorteile für Händler und den "Rettungsdienst": Die Händler sparen die Lagerungs- und Entsorgungskosten, die "Foodsharer" können Lebensmittel, die noch gut zum Verzehr geeignet sind, kostenlos weiterverteilen.

Mehrfach war die junge Alfdorferin bereits mit ihrem Privat-Auto unterwegs und sammelte "ungewollte, aber durchaus genieß- und verwertbare Lebensmittel bei größeren Lebensmittelketten und Einzelhändlern ein. Zusammen kam eine unglaubliche Menge an Molkereiprodukten, Wurst- und Fleischwaren, Gemüse und Salate, Obst und Fertigprodukte. Die Massen an Lebensmitteln bot Sandra Müller auf einem "Foodsharing-Bänkle" auf ihrem Privatgrundstück zur Abholung an. Die Woge der Interessierten und Abnehmer überrollten sie nahezu. Innerhalb kürzester Zeit war das Bänkle nach ihren Aufrufen auf Facebook abgeräumt.

Beim Alfdorfer Bürgermeister Ronald Krötz lief Müller mit ihrer Aktion "offene Türen ein". Der Bürgermeister zeigt sich von diesem "tollen Engagement auf Privatinitiative" begeistert und möchte Sandra Müller gerne über das Amtsblatt der Gemeinde bei der Suche nach weiteren ehrenamtlichen Mitstreitern unterstützen. Da der Standort am "Bänkle" keine Dauerlösung sein kann, muss ein geeigneter Platz für das "Warenhäusle" her. Der Lebensmitteltauschplatz sollte überdacht sein, ein Kühlschrank könnte die geretteten Lebensmittel auch im Sommer länger frisch halten. Jeder könnte dann hier seine "überflüssigen Waren" abgeben oder sich selbst mit den Lebensmitteln eindecken.

Das Projekt kostet Zeit und Geld, daher ist Sandra Müller auf der Suche nach Mitstreitern und Unterstützern, die ihr helfen, das Projekt zu stemmen. Die Lebensmittelretter müssen sich als Foodsaver verifizieren und benötigen einen Foodsaver-Ausweis, um Lebensmittel abholen zu dürfen.

Infos zum "Foodsharing"

Informationen zur Rettung von Lebensmitteln gibt's auf www.foodsharing.de sowie in der Facebook-Gruppe "Foodsharing in Alfdorf". Wer Sandra Müller unterstützen möchte, meldet sich per E-Mail an Sandra.alfdorf@online.de.

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