Faktisch Berufsverbot wegen Corona

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Cordelia und Stefan Schmidt vom "Seehof" bei Alfdorf sehen sich durch die Corona-Verordnungen in ihrer beruflichen Existenz bedroht. Sie wollen "Überzeugungsarbeit" leisten, um das "faktische Berufsverbot" zu überwinden.

Stefan Schmidt vom "Seehof" bei Alfdorf spricht am Samstag in Stuttgart um 15.30 Uhr auf der "Querdenken-Demo" am Unteren Schlossplatz. Was den Gastronomen umtreibt.

Alfdorf

Ich bin nur ein kleiner Koch vom Leinecksee", meint Stefan Schmidt. Doch er macht im Gespräch mit dieser Zeitung deutlich, dass auch er sich informieren kann. "Ich hinterfrage", geht er auf die Corona-Pandemie ein. "Von Anfang an fragten wir uns, warum die Wirtschaft von heute auf morgen so gegen die Wand gefahren wurde", schildert er die Emotionen, die bei ihm und seiner Gattin aufkeimten, als der Betrieb am 20. März aufgrund des Lockdown hatte schließen müssen. "Und ich werde am Samstag in Stuttgart bei der Demo schildern, wie es um unsere Branche steht", kündigt Stefan Schmidt an.

Man habe, wie viele Kollegen auch, eine Betriebsschließungsversicherung "vor 25 Jahren bei der Allianz" abgeschlossen. Diese sollte nun zum Tragen kommen und die laufenden Kosten decken. Mit der Begründung, dass Covid 19 bei Vertragsabschluss noch nicht bekannt und deshalb nicht versichert sei, folgte die Auszahlungsweigerung. "Aus Kulanz würden sie dennoch 15 Prozent der Summe auszahlen, alle anderen Forderungen wären damit abgegolten", erzählt Schmidt. Er habe sich für den Klageweg mit einer Kanzlei in Düsseldorf entschlossen, die auf Versicherungsrecht spezialisiert sei. "Die organisiert eine bundesweite Sammelklage."

Worüber der Seehof-Gastronom ebenfalls auf der Demo sprechen wird, ist, dass seine Gastronomie durch den Lockdown und die nach wie vor geltenden Corona-Verordnungen voraussichtlich nur 30 Prozent des sonstigen Jahresumsatzes erzielen wird. Grund: Catering bei Veranstaltungen, etwa Hochzeiten oder auch für Veranstaltungen im Kloster Lorch, machen rund 50 Prozent seines Umsatzes aus. Zwei Monate im Restaurant sind ohne Einnahmen durch den Lockdown, 90 Prozent aller Hochzeiten und ähnliches sind abgesagt.

Schmidt: "Das ist Vorsatz"

Coronaviren gab es schon immer.

Stefan Schmidt, Gastronom

Am 18. Mai habe das Ministerium grünes Licht für eine Wiederöffnung der Gastronomie unter Auflagen gegeben. Und sich für die "Kooperation in dieser schwierigen Zeit bedankt". Schmidt schildert, dass er in seinem Antwortschreiben klargemacht habe, dass man "in keinster Weise kooperiert habe, sondern Sie haben angeordnet, dass wir schließen müssen und uns faktisch ein Berufsverbot auferlegt".

Die Mitarbeiter im Seehof tragen keinen Mundschutz. Atteste liegen vor. "In unserem Dorf erzählt man sich, dass der Seehof per Ausnahmegenehmigung von der Maskenpflicht befreit sei", erklärt Schmidt amüsiert. Und auch die Gäste müssen weder mit Mundschutz die Räume betreten noch damit zur Toilette gehen. "Das ist keine Corona-Verordnung in Baden-Württemberg", versteht Stefan Schmidt nicht, warum seine Kollegen dieses Tragen von den Gästen verlangen. "Am Anfang gingen wir noch davon aus, dass die Politik aus Vorsicht handelt, mittlerweile ist uns aber klar, dass es sich um Vorsatz handelt", stellt Schmidt fest. Und will dies auch in Stuttgart unterstreichen. Enttäuscht zeigt er sich über den Hotel- und Gaststättenverband, "der niemals die Politik hinterfragte, sondern brav mitlief". Und seinen Mitgliedern "Umsetzhilfen der Verordnung empfahl, die weitergingen als das, was in der Verordnung selbst stand".

Schmidt ist sich sicher, dass noch "viel Überzeugungsarbeit" zu leisten ist. Deswegen werde er auch am 1. August in Berlin sein, um den Forderungen Nachdruck zu verleihen, damit die Verantwortlichen "dieser klassischen Laborpandemie zur Rechenschaft gezogen werden".

"Coronaviren gab es schon immer", argumentiert er. "Als vor wenigen Jahren 25 000 Menschen in Deutschland an der Influenza starben, gab es auch keinen Lockdown. Virale Infektionen wird es immer geben." Dass "Querdenken 711"-Demonstrationen auch Widersacher haben, ist Schmidt egal: "Ich kenne Michael Ballweg als ruhigen Mensch. Er ist parteilos, will vermitteln", sagt er über den Organisator.

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