Für das Abwasser von 9800 Menschen

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Vom Steg über das neue Belebungsbecken spricht Regierungspräsident Wolfgang Reimer zur Einweihung der erweiterten Kläranlage Leineck, unten freuen sich (v. l.) Bürgermeister Ronald Krötz, Ingenieur Matthias Strobel und die Besucher.
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Die erweiterte Kläranlage Leineck geht in Betrieb. Damit ist eines der größten Infrastrukturprojekte der Gemeinde Alfdorf verwirklicht. Anschluss der Gesamtgemeinde im kommenden Jahr.

Alfdorf

Alles, was größer ist als sechs Millimeter, bleibt hier hängen, sagt Ingenieur Matthias Strobel im Rechengebäude der frisch eingeweihten erweiterten Kläranlage Leineck am Dienstagnachmittag. Die kleine Zuhörergruppe kann sich denken, was er damit meint, zumal es nirgends auf dem Gelände derart stinkt wie hier. Dabei sei manchmal neben Klopapier und Fäkalien auch mal ein T-Shirt oder gar eine Jeans im Rechen. All dies landet als Sondermüll in einer Tonne - zur Zeit 1,1, Kubikmeter pro Woche aus dem Abwasser, das von 3300 aktuell angeschlossenen Pfahlbronnern kommt. Wenn im kommenden Frühjahr der dritte Bauabschnitt erledigt ist, wird das Abwasser von 9800 Menschen aus der Gesamtgemeinde Alfdorf hier aufbereitet werden, erzählt Strobel, der das Projekt als verantwortlicher Ingenieur begleitet.

Hinaus geht's wieder an die frische Luft, weiter zum Sandfang, wo Fett abgeschieden wird. Das soweit geklärte Wasser wird wieder mit Schlamm gemischt, weil da die Bakterien drin sind, die das Wasser reinigen, erklärt Strobel dem interessiert nachfragenden Grüppchen. So geht's – dem Abwasser hinterher – zu den beiden neu gebauten Belebungsbecken, wo Sauerstoff eingebracht wird, damit die Bakterien etwa Harnstoff abbauen können. Und wo außerdem künftig Nitratstickstoff abgebaut werden soll, weshalb die Sauerstoffzufuhr zwischendurch gestoppt wird, denn nur so schaffen die Bakterien auch diese Aufgabe, erklärt der Ingenieur.

Damit das funktioniert und auch der Schlamm, "so flüssig wie Buttermilch", stetig zugeführt wird, arbeiten eine Reihe Pumpen im Keller des neuen Verteilerbauwerks, in den die Besucher an diesem besonderen Tag hinabsteigen dürfen. Haben Schlamm, Bakterien, Sauerstoff und die Rührwerke in den Becken ihre Arbeit getan, ist das Wasser so sauber, dass es in den Bach geleitet werden kann.

Möge sie möglichst lange mit möglichst wenig Störungen laufen.

Wolfgang Reimer, Regierungspräsident

Was bleibt, ist – neben dem im Rechen aufgefangenen groben Müll – der Klärschlamm, der in einem ebenfalls neuen Gebäude entwässert und dann in den Schlammsilos, eins alt, eins neu, gelagert wird. Dieser Schlamm kann nur noch als Brennstoff dienen, weil darin etwa Überreste von Medikamenten enthalten sind, die sich im Abwasser befanden, erklärt Strobel.

Das große Gebäude, das neben der Schlammentwässerung auch Garagen beherbergt, hatte bereits in den Festreden zur Einweihung der Anlage viel Aufmerksamkeit bekommen. So oft war der Begriff "neue Mehrzweckhalle", auch als Seitenhieb auf die sich verzögernden Arbeiten an der Halle in Alfdorf, gefallen, dass Bürgermeister Ronald Krötz schließlich scherzte, die Verwaltung nehme ab nächster Woche Anmeldungen für Veranstaltungen entgegen.

Am Dienstag gab's vor dem Gebäude immerhin Snacks für die coronabedingt überschaubare Schar an Gästen, die so die Einweihung feierten, untermalt vom Sound des Musikvereins Alfdorf. Der eindeutig deutlicher zu hören war, als die Kläranlage, die Krötz, moralisch unterstützt von Regierungspräsident Wolfgang Reimer, dem baden-württembergischen Staatssekretär des Inneren, Wilfried Klenk, und Ingenieur Strobel, mit dem Druck auf einen knallroten Buzzer startete. Denn ganz sanft blubberten kurz darauf die Luftbläschen auf der Wasseroberfläche des Belebungsbeckens.

Nicht unbedingt charmant – dafür ein Beitrag zum Umwelt- und Ressourcenschutz

Charme habe die Einweihung einer Kläranlager weniger, sagte Alfdorfs Bürgermeister Ronald Krötz, "aber sie ist wichtig für die nächsten Jahrzehnte", benannte er die Bedeutung für die Infrastruktur.

Lob hatte er für alle Beteiligten, die Arbeiten seien "reibungslos und hochprofessionell" gelaufen.

Wichtige Ziele seien mit der Erweiterung der Kläranlage erreicht, sagte Regierungspräsident Wolfgang Reimer. Und nannte unter anderem die Phosphateliminationsanlage. Oft gebe es Kritik an der Landwirtschaft, die Phosphat über Dünger in den Boden bringt. Oft liege das aber an veralteten Kläranlagen. Außerdem sei dank neuer Technik der Überwachungs- und Betriebsaufwand deutlich geringer, Erweiterungsmöglichkeiten machten flexibel für sich ändernde Aufgaben.

5,5 Millionen Euro kostet die Erweiterung der Kläranlage, 80 Prozent, gut drei Millionen Euro,trage das Land als wichtigen Beitrag zur Infrastruktur bei, sagte Reimer.

150 bis 200 Liter Abwasser erzeuge jeder Baden-Württemberger durchschnittlich pro Tag, sagte Staatssekretär Wilfried Klenk. Die Alfdorfer Kläranlage leiste nun einen wichtigen Beitrag zum Ressourcen- und Umweltschutz, meinte er angesichts zahlreicher Haushaltschemikalien im Abwasser.

Sieben Jahre nach der Bedarfserhebung 2013 sei nun der zweite Teil dieses Projekts beendet, sagte Ingenieur Matthias Strobel. Der dritte Teil werde 2021 mit dem Anschluss Alfdorfs das Werk vollenden, dann sei "die Anlage verdreifacht".

  • 13 000 Kubikmeter Bodenaushub,
  • 280 Tonnen Baustahl,
  • 1700 Kubikmeter Beton,
  • 1 Kilometer Leerrohre,
  • mehrere Kilometer Kabel und Leitungen, zählte er zu den Baumaßnahmen auf.

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