Ins Restaurant ohne Maske

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Familie Schmidt und das Seehof-Team will zurück zur "alten Normalität".

"Alte Normalität" oder völlig inakzeptabel? Im Restaurant Seehof am Leinecksee sind auch Gäste ohne das Tragen eines Mund- und Nasenschutzes willkommen.

Alfdorf

Hat der Maskenverweigerer vom Seehof-Restaurant wieder ein Schlupfloch gefunden? Das Restaurant Seehof am Leinecksee bei Alfdorf mit Chef Stefan Schmidt, der zu den Demos der Querdenker nach Berlin und Stuttgart ging, geht seit Beginn der Corona-Krise einen eigenen Weg. So war bis zum 30. September zwar keine Maskenpflicht in den Restaurants in Baden-Württemberg vorgeschrieben, dennoch hielten sich die meisten Inhaber und Geschäftsführer an die Corona-Verordnung, nämlich dass Mund-Nasen-Schutz-Masken getragen werden sollen, ehe man am Tisch sitzt und sein Menü genießt. Seit dem 30. September ist es nun Pflicht – sollte man zumindest denken.

Doch wer ins Restaurant Seehof geht, der erhält zunächst einen komplett anderen Eindruck, wenn man am Eingangsbereich unter anderem liest: "Sie brauchen bei uns keinen Mund-Nasen-Schutz tragen, wenn Ihnen das aus gesundheitlichen oder anderen Gründen nicht möglich ist." In der aktualisierten Corona-Verordnung von Baden-Württemberg steht: "Ab 30. September 2020 gilt die Pflicht zum Tragen einer nicht-medizinischen Alltagsmaske oder einer vergleichbaren Mund-Nasen-Bedeckung (MNS) für Kundinnen und Kunden in Gaststätten, Restaurants und Bars, solange sie sich nicht an ihrem Platz befinden, etwa auf dem Weg zum Tisch, zur Toilette oder zum Buffet. Wer aus gesundheitlichen Gründen keine Maske tragen kann, muss dies nun in der Regel durch eine ärztliche Bescheinigung nachweisen."

Gast muss entscheiden

Wie passt es dann also zusammen, dass Stefan Schmidt auf seiner Homepage und am Eingangsbereich damit wirbt, dass keine Masken getragen werden müssen in seinem Restaurant? Wer Stefan Schmidt juristisch unterstellt, er würde sich nicht an die Corona-Verordnung halten, dem widerspricht er selbst – und auch das Landratsamt des Rems-Murr-Kreises, in Person von Roman Böhnke, Amtsleiter des Ordnungsamtes, sagt: "Herr Schmidt hält sich bislang an die Corona-Verordnung. Er unterrichtet den Gast, dass es nun Pflicht ist, eine MNS-Bedeckung zu tragen, überlässt aber jedem Gast selbst, ob er sich auch daran hält. Der Gastwirt darf keine ärztliche Bescheinigung oder einen Personalausweis verlangen, um zu prüfen, ob ein Attest oder anderer Grund vorliegt, die Maske nicht tragen zu müssen. Das darf nur die Polizei oder die Ortspolizeibehörde Alfdorf in diesem konkreten Fall. Wir finden es zwar nicht gut und haben auch große Bedenken, wenn jeder Gastwirt Menschen ohne MNS-Bedeckung ins Restaurant lässt, aber es kann nur die Ortspolizeibehörde kontrollieren, und zwar jeden Gast persönlich." Und genau hier bestehe ein Problem, laut Böhnke, denn die Anzahl der Mitarbeiter auf den Gemeinden reiche meistens nicht aus, regelmäßige Kontrollen durchzuführen. Der Zusatz "in der Regel" in der Verordnung von Baden-Württemberg ist die Grauzone, denn wie legt man diese "Regel" aus?

Gast muss sich rechtfertigen

Es ist ein indirekter Aufruf, die Corona-Verordnung zu ignorieren.

Ronald Krötz, Bürgermeister

Stefan Schmidt selbst berichtet von einer Kontrolle vom vergangenen Freitag, bei der es nichts zu beanstanden gab im Seehof-Restaurant. Schmidt sagt: "Wir haben die neue Corona-Verordnung umgesetzt. Ich muss den Gast nur informieren, dass er einen Mund- und Nasenschutz tragen soll, was ich mit dem Aushang der Verordnung am Eingangsbereich mache. Ich muss aber nicht jeden Gast persönlich informieren und schon gar nicht kontrollieren, denn das darf ich nicht. Wer bei uns ohne Maske hereinkommt, darf dies tun, denn wir gehen davon aus, dass er einen gesundheitlichen oder anderen Grund hat, die Maske nicht tragen zu müssen. Unsere Mitarbeiter haben alle ein Attest. Wir überlassen die Entscheidung dem Gast." Sollte eine erneute Kontrolle in den nächsten Tagen erfolgen, dann muss sich also der Gast gegenüber dem Kontrolleur rechtfertigen.

Stefan Schmidt ist bekannt dafür, dass er zahlreiche Maßnahmen zum Schutz vor dem Coronavirus nicht für sinnvoll hält. "Wenn die Gäste bei uns im Restaurant zwei Stunden am Tisch sitzen, ist hier der Virus nicht mehr existent, sondern nur beim Gang zur Toilette oder zur Ausgangstür? Wie kann eine Maske verhindern, dass Viren verbreitet werden? Gehen Sie mal in eine Apotheke und fragen nach einer Maske, die eine Übertragung oder Aufnahme von Viren verhindert. Die gibt es nicht", laut Schmidt. Man solle sich hier andere Lösungen überlegen und den normalen Menschenverstand einschalten.

Rechtliche Schlupflöcher

Für Alfdorfs Bürgermeister Ronald Krötz ist dieser Aushang und diese Vorgehensweise nicht akzeptabel: "Es ist ein indirekter Aufruf, die Corona-Verordnung zu ignorieren, und ein Ermutigen der Menschen, die Verordnung zu umgehen. Das ist in keiner Weise akzeptabel. Wenn jeder diesen Weg geht, Schlupflöcher zu finden, die zwar rechtlich korrekt sein mögen, dann werden wir sehr schnell wieder einen Lockdown bekommen." Stefan Schmidt erklärt: "Wir halten uns an die Verordnung." Fakt ist, jeder Gast sei für sich selbst verantwortlich, was er tut, solange er nicht andere Menschen gefährde. Doch wer bei Kontrollen keinen richtigen Grund für das Nicht-Aufsetzen einer Maske belegen kann, dem drohen Bußgelder. "Solange der Gastwirt sich an die Verordnung hält, kann man nichts machen. Jeder Gast kann aber für sich entscheiden, was er für sinnvoll hält", bestätigt Böhnke.

Jörg Hinderberger

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