Planwagenfahrt: Entschleunigung mit zwei PS

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Marco und Denisa Köngeter freuen sich mit ihrer Familie und den Kollegen auf den Saisonstart fürs Planwagenfahren in Alfdorf.
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Ab April sieht man wieder Planwagen als Familienfahrt, Geburtstagsgesellschaft oder Betriebsausflug durch den Schwäbisch-Fränkischen Wald ziehen.

Alfdorf 

Bald sieht man sie wieder, die Gesellschaften, die gemütlich in Planwagen durch das idyllische Panorama des Schwäbisch-Fränkischen Waldes kutschiert werden. Saisonstart ist im April. Dann geht’s mit zwei Pferdestärken in die Natur, wird gemütlich über Feld- und Waldwege gezogen. Mal eine Geburtstagsgesellschaft, mal ein Betriebsausflug oder die Großfamilie auf dem Planwagen, zeigen die Profis mit den Zügeln in der Hand, wo’s lang geht. Allein sieben Anbieter für diese Art des „Reisens“ gibt’s auf der Gemarkung Alfdorf.  Peter Müller in Endersbach, Thomas Müller von der Strübelmühle, Benjamin und Bärbel Schuster aus Brend, Dieter Daiss aus Höldis, Manfred Kugler aus Hintersteinenberg, Steffen Fritz aus Kapf und Marco Köngeter aus Brech bilden eine Gemeinschaft, die sich nicht als Konkurrenz ansieht. Man vermittelt sich gegenseitig Fahrgäste und arbeitet eng zusammen. „Ich kann mich da an eine Hochzeitsgesellschaft erinnern. Da waren zusammen mit 13 Planwagen unterwegs“, erzählt Marco Köngeter begeistert. Zudem trifft man sich zum Stammtisch, wo Erfahrungen und Erlebnisse bei den Planwagenfahrten ausgetauscht werden.

„Von Kindesbeinen an reingewachsen“ ins Planwagenfahren ist Marco Köngeter bei seinen Eltern auf dem Hof im Alfdorfer Teilort Brech. Seit über 20 Jahren gibt es das Freizeitangebot, und bei der Hofübergabe vor fünf Jahren war es für Marco Köngeter klar, dass er das Angebot, das einst sein Vater Oskar aus der Taufe hob, übernehmen wird. In seinem Stall stehen 13 eigene, sanftmütigen Altwürttemberger. Eine Pferderasse, die einst vom Aussterben bedroht war. Gute Arbeitstiere, die den Landwirten bei der Waldbewirtschaftung als Rückepferde zur Seite standen. Mächtige Baumstämme aus unwegsamem Forstgelände rauszogen, ohne dabei größere Schäden auf dem Waldboden zu hinterlassen. Doch diese Zeit ist fast vorbei. Allgemein kommen mittlerweile Vollernter zum Einsatz. „Im eigenen Wald nutzen wir noch Rückepferde“, erklärt Marco Köngeter.

Zuneigung zum Pferd

So hat sich das „Arbeitsfeld“ der Altwürttemberger geändert. Dank Züchtern wie den Köngeters nun wieder präsent, werden sie bei den Planwagenfahrten zu Zugpferden. Was ihrem Naturell entgegenkommt, sind sie doch ruhig und kraftstrotzend. „Klar im Kopf und zugstark“, lächelt Marco Köngeter, während er Töchterchen Leonie zusieht. Emsig ist die fast Dreijährige am Striegeln von Clara. Die Stute ist dreimal so groß wie das Töchterchen. Aber das ist irrelevant. Mit sanftem Blick neigt das Pferd den Kopf zu dem Mädchen. Man spürt die Zuneigung der Beiden. Mutter Denisa kümmert sich derweil um den neun Monate alten Jakob. Lotta ist im Kindergarten. Eine neue Generation an Pferdeliebhaber rückt sichtlich bereits nach. „Pferde gehören bei uns zum Alltag“, versichert Denisa Köngeter.

Entschleunigen und genießen

Alle freuen sich auf die neue Planwagen-Saison. Im Radius von 15 Kilometern wird gefahren. Zwischen einer und zweieinhalb Stunden ist man mit den Gesellschaften unterwegs. Pausen werden eingelegt, wenn die Pferde sie brauchen. „Etwa an heißen Tagen. Das Tierwohl steht an oberster Stelle“, bekräftigt Denisa Köngeter. Die Kundschaft kommt aus der Umgebung, aber auch aus Stuttgart. Immer wieder höre man die Worte „Entschleunigung“ und „Schönheit der Natur“ sowie „Gemeinschaft“, beschreibt das Ehepaar Köngeter.  Sie freuen sich auf die neue Saison. „Die Landbevölkerung hat Verständnis“, versichern sie, dass es eigentlich keine Probleme gibt, wenn sie gezwungenermaßen ein Stück auf einer öffentlichen Straße fahren müssen. „Im Gegenteil, viele bleiben dahinter und winken, freuen sich über den Anblick“, ist Marco Köngeter zufrieden. Natürlich gibt es aber auch in wenigen Fällen Autofahrer, die meinen, mit Vollgas und lauter Musik im Auto überholen zu müssen. Doch das stecken die  souveränen Altwürttemberger der Köngeters gelassen weg. Natürlich ist es ihnen lieber, wenn man ruhig und gleichmäßig fährt beim Überholen. Aber der nächste Feld- oder Waldweg ist nie weit weg. Das wissen sie wohl.

Viele bleiben dahinter und winken, freuen sich über den Anblick“

Marco Köngeter

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