Seehof: verbaler Waffenstillstand

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Ein neues Schild am Eingang des Seehof-Restaurants sorgt für etwas weniger Aufregung als der bisherige Aushang.

Die Aussprache zwischen Bürgermeister Ronald Krötz und Gastronom Stefan Schmidt sorgt für etwas Ruhe, doch die Standpunkte in Sachen Maskenpflicht bleiben unterschiedlich.

Alfdorf

Bürgermeister Ronald Krötz hatte dem Gastronomen des Seehof-Restaurants, Stefan Schmidt, vorgeworfen, er würde mit seinem Aushang vor dem Restaurant dazu aufrufen, die Corona-Verordnung zu missachten. Stefan Schmidt selbst war und ist klar, dass er es etwas provozierend geschrieben hatte. Beide haben einfach unterschiedliche Meinungen. Krötz hält die Maskenpflicht für sehr wichtig, Schmidt ist bekennender Maskenverweigerer. Und dennoch hatten sich beide Personen nun ausgesprochen. "Wir sind zu dem Ergebnis gekommen, dass ich den Text meines Aushangs am Eingang des Restaurants ändere, nachdem Herr Krötz bei der Kontrolle vor Ort auffiel, dass alles in Ordnung bisher ist und ich mich an die Corona-Verordnung halte", sagt Stefan Schmidt. Vom Tisch wird dieses Thema in den nächsten Wochen nicht komplett sein. "Wir werden auch das Seehof-Restaurant weiter kontrollieren, ob die Gäste sich an die Pflicht der Mund-Nasenschutz-Bedeckungen halten. Aber auch alle anderen Restaurants werden kontrolliert", so Ronald Krötz.

Nicht nur der Alfdorfer Schultes, auch Dietmar Härer, stellvertretender Vorsitzender des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands, Sektion Rems-Murr-Kreis, kritisierte Schmidt und seine Auslegung der Corona-Verordnung scharf. Das Nichttragen von Masken der Gäste sei völlig inakzeptabel und eine große Gefahr für den Gast und die eigenen Mitarbeiter.

Die Stellungnahme Schmidts dazu: "Den Ausführungen des geschätzten Kollegen Härer und des Dehoga Baden-Württemberg, wo ich selber noch Mitglied bin, muss ich leider widersprechen. Die Behauptungen, dass der Seehof sich nicht an die Verordnung hält, sind falsch. Der Unterschied zu Herrn Härer und der Dehoga ist nur, dass wir von Anfang an nichts hineininterpretiert haben. Der Verband hat seine Mitgliedsbetriebe nicht darüber informiert, dass es bis vor einer Woche überhaupt keine Maskenpflicht in der Gastronomie gab." Weiter erklärt der Seehof-Wirt: "Und mit Verlaub, wir haben keine ominösen Atteste. Meine Mitarbeiter sind alle per Attest von ihren Hausärzten von der Maskenpflicht befreit worden, diese Ausnahme steht auch so in der Verordnung. Und allen Ernstes, wer seine Mitarbeiter bei einer körperlich sehr anstrengenden Arbeit den ganzen Tag bei Wind und Wetter mit Maske arbeiten lässt, handelt unverantwortlich und grob fahrlässig."

Ob das Tragen von Masken auf dem Weg ins Restaurant und vom Tisch auf dem Weg zur Toilette sinnvoll ist, bezweifelt Schmidt ebenfalls und meint: "Auch das Tragen einer Maske für Gäste im Restaurant ist infrage zu stellen. Die Weltgesundheitsorganisation und Herr Drosten, die jetzt eine Maskenpflicht fordern, haben noch Anfang des Jahres das Tragen einer Maske als wirkungslos bezeichnet. Es gibt neue wissenschaftliche Erkenntnisse in der Krebs- oder Medikamentenforschung, aber nicht beim Tragen einer Maske. Der Mund-Nasen-Schutz, der von den Gästen und Servicepersonal im Restaurant getragen wird, schützt nicht vor Viren. Im Gegenteil, so wie damit im Alltag meistens umgegangen wird, gefährden Sie sich mit einer Alltagsmaske deutlich mehr, als dass es dem Träger nutzt."

Zudem kritisiert er die sogenannten PCR-Tests, die nicht für Diagnostik entwickelt worden seien und keine Viruslast anzeigten. "Wir sollten schleunigst davon abkommen, nur die positiven PCR-Tests als Indiz für eine scheinbare Pandemie zu nehmen. Viel aussagekräftiger wären die Anzahl der tatsächlich Erkrankten und die Anzahl der dadurch belegten Krankenhaus- beziehungsweise Intensivbetten. Diese Zahlen waren nie, auch nicht in der Hochphase der Grippewelle, nur ansatzweise besorgniserregend", äußert sich der Seehof-Chef, der bei den Querdenker-Demos schon interviewt wurde.

Alle bisherigen Kontrollen, ob der Seehof sich an die Verordnung hält, waren immer ohne Beanstandung. "Selbstverständlich kann Kollege Härer von seinem Hausrecht Gebrauch machen und Gäste wieder vor die Tür setzen. Die Frage, ob das sinnvoll ist, muss sich jeder Gastronom selbst beantworten", meint Schmidt. Und auch die "Almosen", die der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband bei der Landes- und Bundesregierung ausgehandelt habe, "werden viele Betriebe nicht retten, sondern das Sterben nur verlängern". Die Gastronomie wird mit Mundschutzpflicht, Personenbeschränkung und Kontaktdaten-Erhebung nie wieder zu alten Umsätzen zurückkehren", erklärt er.

Für Bürgermeister Krötz steht fest: "Ich freue mich über dieses positive Signal, dass Herr Schmidt seinen Aushang geändert hat und somit keine neuen Missverständnisse mehr aufkommen."

Jörg Hinderberger

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