Ein zarter Duft für eine starke Frau im Schlosspark

+
Baron Dr. Götz vom Holtz (r.) enthüllt die Gedenktafel für die Gründerin der Alfdorfer Landfrauen im Rosengarten: Margarethe Freifrau vom Holtz.
  • schließen

Alfdorfer Landfrauen erinnern mit einem Rosengarten und einer Gedenktafel an ihre Gründerin.

Alfdorf. Eigentlich hätte das Fest anlässlich ihres 75-jährigen Bestehens im Schlosspark über die Bühne gehen sollen. Doch die Witterung machte den Alfdorfer Landfrauen einen Strich durch die Rechnung. Kurzerhand wurde ins Schloss umgezogen. Mit von der Partie war der Musikverein unter der Leitung von Holger Kraus. 
Christa Koppenhöfer als Vorsitzende des Landfrauenvereins konnte somit im Trockenen zahlreiche Vertreterinnen der Landfrauen, darunter auch die Vize-Präsidentin des Landesverbands Württemberg-Baden, Lieselotte Zeller sowie die Kreisvorsitzende Doris Kurz begrüßen.

„Pionierarbeit“ habe Margarethe Freifrau vom Holtz in Sachen Landfrauen geleistet, beschrieb Alfdorfs Bürgermeister Ronald Krötz die Schaffenskraft der Freifrau. Schließlich war sie es, die nach dem Zweiten Weltkrieg, am 20. April 1946 in Alfdorf den ersten Landfrauenverein gründete – mit dem Ziel, „etwas für die Frauen auf dem Land zu tun“. Tief zog der Schultes den Hut vor den Landfrauen und bekräftigte: „Wenn man will, dass etwas gelingt, muss man die Landfrauen ins Boot holen.“ 
Die Vize-Präsidentin des Landesverbands stellte fest: „Die Alfdorfer Landfrauen sind für die Zukunft bestens gerüstet.“ Im Blick hatte sie hier die Tatsache, dass 210 Mitglieder den Alfdorfer Landfrauen angehören. Als „Zeichen für Mitgestaltung des ländlichen Raums“ beschrieb Zeller die eigens fürs Landfrauenjubiläum Württemberg-Baden gezüchtete Rose. Diese findet sich nun auch in einem Rosengarten am Alfdorfer Schloss. „Ihr Duft erinnert, dass Landfrauen starke Frauen mit einer Schwäche fürs Land sind.“ 

„Wer in der Zukunft lesen will, muss in der Vergangenheit blättern“, forderte die Kreisvorsitzende Doris Kurz auf. Und beschrieb, dass die Landfrauen aus Alfdorf, beziehungsweise deren Gründerin Margarethe vom Holtz, „unglaubliches geleistet hat“. Zumal es 1946 gerade mal ein Telefon im Dorf gab, Smartphones und Computer noch Zukunftsmusik waren, und natürlich auch nicht jeder ein Auto hatte. Es also eine organisatorische Herausforderung war, etwas für die Mitglieder auf die Beine zu stellen.
Einen Blick auf die Biografie der Frau, die ihrer Zeit weit voraus war, warf Marie-Luise Hientz. Sie schilderte etwa, wie stark sich Margarethe vom Holtz für die Frauen auf dem Land einsetzte. Und nicht nur am Ort den ersten Landfrauenverein überhaupt im Südwesten gründete, sondern bereits ein Jahr später, 1947, den Landesverband aus der Taufe hob und ihm vorstand. Stets unterstützte sie auch andere Landfrauenvereine, half bei deren Gründung, und lud zu Treffen im Winterhalbjahr ins Schloss ein. Außerdem war sie erste Frau im Kreistag.

„Eine tolle Oma“

Der Enkel der Gründerin, Baron Dr. Götz vom Holtz, hielt eine Anekdote bereit, die seine Aussage untermauerte, dass er „eine tolle Oma“ hatte. Denn als nach dem Zweiten Weltkrieg die Essensrationen durch den Stuttgarter Militärgouveneur abermals gekürzt worden waren, begab sich Margarethe vom Holtz persönlich nach Stuttgart zu besagtem Herrn. Mit im Gepäck hatte sie eine Essensration. Präsentierte diese ihm und fragte, ob er wirklich der Ansicht sei, dass diese Essensration reiche? Da habe der Amerikaner zugegeben: „Das ist sehr wenig.“ Und kurzerhand die Rationen vergrößert. Dieser Einsatz der Freifrau vom Holtz „war typisch für meine Großmutter“, schilderte Dr. Götz vom Holtz.
Pünktlich zur Enthüllung der Gedenktafel für die Gründerin Margarethe vom Holtz im Rosengarten, die der Freiherr und Enkel vornahm, schloss der Himmel seine Schleusen.

Zurück zur Übersicht: Alfdorf

Kommentare