Wenn die Notaufnahme der Patient ist

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Die Stauferklinik meldet sich wie andere Krankenhäuser auch bei Überlastung bei den Rettungsleitstellen ab. Dringliche Notfälle werden trotzdem aufgenommen – auch wenn sie aus Alfdorf im Nachbarlandkreis kommen.

Alfdorf. Werden Notfallpatienten aus Alfdorf in der nächstgelegenen Stauferklinik abgelehnt, weil sie nicht aus dem Ostalbkreis kommen? Diese Frage bewegt seit Kurzem einen Bürger aus einem Alfdorfer Teilort, der genau das war: ein Notfall, und zwar „von jetzt auf nachher“. Beim abendlichen Grillen habe er plötzlich derartige Schmerzen im Rücken gehabt, dass er nicht mehr reden konnte und seine Frau die 112 gewählt habe. Der Notarzt, der dann aus Welzheim gekommen sei, habe sofort erkannt, dass hier ein Notfall vorliege, allerdings mit ungewisser Diagnose. Ein Problem mit den Nieren, habe der Verdacht des Arztes gelautet. Dass er bereits Probleme mit den Bandscheiben hatte, brachte der Patient selbst in die Erwägungen ein. Wie auch immer: „Das sind höllische Schmerzen“, berichtet er. Der Notarzt habe den Rettungswagen – der nächstgelegene kam aus Eschach - im Stauferklinikum in Mutlangen angemeldet. Die erste Frage dort habe gelautet: Wo kommt der Patient her? Dann habe die Zentrale Notaufnahme seine Aufnahme ablehnen wollen, der Sanitäter des Rettungswagens habe allerdings darauf bestanden, dass er angemeldet sei. Am Ende habe er dableiben können – so lange zumindest, bis anhand eines CT festgestellt wurde, dass ein Nierenstein seine Schmerzen verursacht hatte und er noch am selben Abend auf die Urologie der Virngrundklinik in Ellwangen verlegt worden sei.

Was der Patient mittlerweile herausgefunden hat: Die Lage Alfdorfs im Rems-Murr-Kreis direkt an der Grenze zum Ostalbkreis macht die Sache nicht unbedingt einfacher. So sei sein Notfall aus seinem Teilort zunächst in der Rettungsleitstelle des Ostalbkreises in Aalen gelandet. Denn der Teilort gehört zwar zu Alfdorf, hat aber die Vorwahl einer Ostalb-Gemeinde. Die Aalener Leitstelle gebe einen solchen Notruf dann weiter an die Leitstelle des Rems-Murr-Kreises in Waiblingen, der Alfdorf zugeordnet ist. Das Stauferklinikum in Mutlangen wiederum habe sich an jenem Tag seines Notfalls wegen Überlastung überregional bei den Leitstellen abgemeldet. Was der Notfallpatient auch herausgefunden hat: Hätte seine Frau ihn selbst nach Mutlangen gebracht, wäre die Aufnahme kein Problem gewesen. Darum betont er: „Mir wäre daran gelegen, dass wir Klarheit haben, wie’s läuft.“

Von der Notfallversorgung abgemeldet

Wer persönlich und akut behandlungsbedürftig in die Zentrale Notaufnahme im Stauferklinik komme, „wird nicht abgewiesen“, bestätigt Klinik-Pressesprecher Andreas Franzmann. Grundsätzlich würden auch Patienten aus anderen Landkreisen aufgenommen, „insbesondere, wenn sich dies durch die geografische Nähe zur Klinik ergibt“ - und auch, wenn sie im Rettungswagen ankommen. Bedingt durch seine Lage am Rand des Ostalbkreises nehme das Stauferklinikum regelmäßig Patienten, etwa aus Alfdorf, Plüderhausen oder Urbach in der Zentralen Notaufnahme auf. „Wenn die Notaufnahme jedoch bildlich gesprochen selbst zum Patienten wird, und durch Personalengpässe und hohes Patientenaufkommen an die Belastungsgrenze kommt, kann dem Rettungsdienst kommuniziert werden, die Notaufnahme nicht mehr für Aufnahmen aus anderen Landkreisen anzufahren, sondern auf Kliniken insbesondere im eigenen Landkreis auszuweichen.“ Das heißt, die Notaufnahme meldet sich von der Notfallversorgung ab oder „vielmehr, sie bittet die Kollegen des Rettungsdienstes, die Klinik nicht mehr für weitere Aufnahmen anzusteuern“. Letztlich müsse das aufnehmende Personal anhand der Dringlichkeit des eintreffenden Falls in Abwägung mit der aktuellen Belastung entscheiden, ob ein Patient aufgenommen wird oder weiter verlegt werden kann. Es sei offenbar im vorliegenden Fall dringend geboten gewesen, den Patienten aufzunehmen, sagt Franzmann. „Für Personal und Patienten machen sich Situationen wie diese in extremer Arbeitsbelastung und Wartezeiten bemerkbar.“

Dass sich Notaufnahmen abmelden, sei nichts Besonderes. Und „nicht Gmünd-spezifisch“, sagt Franzmann. Das hat auch Alfdorfs Bürgermeister Ronald Krötz so vom DRK-Kreisverband Rems-Murr, der die Rettungsleitstelle im Kreis betreibt, bestätigt bekommen. Und auch diese für alle Alfdorferinnen und Alfdorfer beruhigende Information: Der Rettungsdienst fahre das Krankenhaus an, das am nächsten liegt und am geeignetsten für die jeweilige Art des Notfalls ist, unabhängig vom Landkreis.

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