Am Holzofen für den guten Zweck

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Mit Pfarrer Lukas Golder (mit Mütze) haben die acht Konfirmanden aus Waldhausen und Rattenharz im Backhaus von Familie Greiner in Rattenharz Brot und Salzuchen gebacken. Geholfen haben Renate Vetter, Margret Bäuerle, Birgit und Martin Greiner (v.l.). Fot
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Die Waldhäuser Konfirmanden haben Brot gebacken und rund 150 Euro für Hilfsprojekte gespendet. Beim traditionellen Backen half Familie Greiner aus Rattenharz.

Lorch-Rattenharz

Gekonnt ließ Margret Bäuerle den Teig über ihre Finger tanzen. „So klappt es am besten, wenn er kreiselt“, erklärte sie und platzierte das flache Rund mit Schwung in einer Backform. Drei junge Mädchen hatten ihr zugeschaut und packten nun mit an. „Am besten schön am Rand hochdrücken“, riet Renate Vetter ihnen. „Das macht richtig Spaß“, fand Jana und strahlte. Acht Konfirmandinnen und Konfirmanden aus Waldhausen und Rattenharz haben am Samstag in Rattenharz auf traditionelle Weise Brot und Salzkuchen gebacken.

Lukas Golder erklärte, was dahintersteckt: „Wir machen mit bei 5000 Brote – Konfis backen Brot für die Welt“, sagte der Waldhäuser Pfarrer. Die deutschlandweite Aktion ruft dazu auf, dass Konfirmandengruppen mit örtlichen Bäckerbetrieben Brot backen, dieses verkaufen und den Erlös an Hilfsprojekte spenden. Außerdem wird vorgeschlagen, dass die Jugendlichen das Thema Brot in einen Gottesdienst einfließen lassen.

Gesagt, getan: Linda Klenk, Celine Schunter, Lilly Damm, Emily Paar, Adrian Paschuld, Laura Dolderer, Luisa Buchegger und Jana Kalafatis buken 13 große Brotlaibe und verkauften sie am Sonntag nach dem Gottesdienst in der Martin-Luther-Kirche. „Eines der Brote wurde während der Kommunion statt Hostien verteilt“, verriet Pfarrer Golder. 120 Euro habe der Brotverkauf gebracht, wovon abzüglich der Kosten 66 Euro übrig geblieben seien. „Zusammen mit dem Opfer können wir 146 Euro an Brot für die Welt spenden.“

Im Gottesdienst haben die Jugendlichen Fürbitten gelesen und dabei Brot mit Teilen, Gerechtigkeit und Gemeinschaft gleichgesetzt. „Brot ist lebensnotwendig und wendet Not“, trugen sie vor. Vom Erlös der Aktion sollen Jugendliche die Schule besuchen, eine Ausbildung machen und dann ihre eigene Familie versorgen können.

Was die Waldhäuser Gruppe anders gemacht hat als vorgegeben: Sie haben statt mit einem Bäckerbetrieb mit Martin und Werner Greiner gebacken. „Weil wir keinen Bäcker in Waldhausen mehr haben und sich die Greiners angeboten haben“, erzählte Golder. Den Brüdern steht auf dem elterlichen Hof in Rattenharz ein Backhäuschen zur Verfügung. Die Jahreszahl 1817 ist über dem Eingang eingraviert. „Der Ofen ist bestimmt genauso alt“, schätzte Martin Greiner.

Eine schwache Lampe erhellte den kleinen Raum, in dem man durch ein breites Loch auf heiße Glut schaut. „Wir haben eingeheizt und dann die Glut verteilt“, sagte Werner Greiner. 400 Grad heiß sei es dort drinnen jetzt. Bald werde die Glut rausgeholt. Bei etwa 350 Grad kommen die Salzkuchen in den Ofen, „für sieben, acht Minuten“, sagte Birgit Greiner. Den Teig dafür hatte die Frau von Martin Greiner zusammen mit Renate Vetter, Margret Bäuerle und den Konfirmanden vorhin zubereitet. „Die Salzkuchen dürfen die Kinder mit nach Hause nehmen.“ Als Belohnung für mehrere Stunden Arbeit in der heißen Backstube. Sind die Salzkuchen fertig, kommen die Brotlaibe in den Ofen.

Die drei Frauen erzählten, dass sie alle paar Wochen gemeinsam backen. „Nach traditioneller Art und Rezepten.“ Mehl, Wasser, Salz und Hefe – „mehr kommt nicht in den Teig“, sagte Birgit Greiner. Auch dann würden 13 Brote gebacken: Drei für jeden Haushalt, denn Martins und Birgits Tochter sei die vierte Partie. „Und das letzte essen wir immer gleich gemeinsam“, verriet Margret Bäuerle, „hinterher beim gemütlichen Zusammensein“. Was mindestens genauso wichtig sei, wie das Aufrechterhalten des alten Handwerks und der Tradition.

Das macht richtig Spaß.“

Jana, Konfirmandin

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