Aquaplaning auf der B29: Bei Starkregen hilft nur Vorsicht

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Die B29 hat zwischen Gmünd und Lorch zwar mit dem Umbau des Mittelstreifens unter anderem leistungsfähigere Entwässerungsrohre erhalten, mit der Gefahr von Aquaplaning bei Starkregen müssen Autofahrer dennoch rechnen.
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Unfälle auf der B 29 zwischen Gmünd und Lorch wegen Aquaplaning: Dafür dass das nicht mit der Sanierung der Kanäle im Mittelstreifen zusammenhängt, liefert das Landratsamt Argumente.

Lorch/Schwäbisch Gmünd

Ist auf der B 29 zwischen Lorch und Gmünd mehr Aquaplaning, seit der Mittelstreifen samt Kanälen und linken Fahrspuren saniert wurde? Autofahrer fragen sich das, seit es dort am vergangenen Donnerstag bei starkem Regen zu Unfällen gekommen ist. Vom Landratsamt kommt dazu ein eindeutiges Nein und auch die Polizei erkennt keine Auffälligkeiten.

Zwei Unfälle haben sich demnach am Donnerstagabend gegen 19.30 Uhr auf der B 29 zwischen Gmünd und Lorch ereignet, sagt Polizeipressesprecher Holger Bienert. Die Fahrbahn sei zu dem Zeitpunkt komplett unter Wasser gestanden, das sei angesichts des Starkregens „nachvollziehbar“. Bei den Unfällen seien die beteiligten Fahrzeuge und die Leitplanke beschädigt worden. Dem entstandenen Schaden nach zu urteilen, seien die Fahrer nicht besonders schnell unterwegs gewesen.

 „Durch die Sanierungsmaßnahmen im Mittelstreifen - es wurden die Schutzplanken ertüchtigt und leistungsfähigere Entwässerungsrohre eingebracht - hat sich an Neigung und Oberfläche der Fahrbahn der B 29 nichts geändert“, sagt Susanne Dietterle, Pressesprecherin im Landratsamt des Ostalbkreises  dazu. Und erklärt die technischen Gegebenheiten auf der vierspurigen Bundesstraße genauer: Insgesamt habe die B 29 zwischen Schwäbisch Gmünd und Lorch-Ost eine sehr geringe Längsneigung. Aus Gründen der Fahrdynamik sei außerdem die Querneigung begrenzt. „So ergibt sich in der Überlagerung von Längs- und Querneigung eine nicht allzu große resultierende Neigung, auf der das Wasser abfließen kann.“ Das sei bereits vor der Sanierungsmaßnahme so gewesen. Darum habe der Geschäftsbereich Verkehrsinfrastruktur im Landratsamt, der die Sanierung des Mittelstreifens im Auftrag des Landes Baden-Württemberg durchgeführt hat, ein Ingenieurbüro mit der Überplanung der Entwässerung auf der Basis der geltenden Richtlinien beauftragt. 

Das Ergebnis: Es wurden zahlenmäßig mehr Muldeneinläufe angeordnet, die anders als früher mit einem Asphalttrichter umgeben sind, damit das Wasser besser abfließen kann und die weniger wartungsintensiv sind, sagt Dietterle. Außerdem wurden im besonders abflussschwachen Bereich die entwässernden Schlitzrinnen von etwa 600 Metern Länge auf rund 1100 Meter verlängert. „Insgesamt wurde die Entwässerung also aufgerüstet und verbessert.“

Grundsätzlich stellt Dietterle fest: „Bei zunehmend intensiveren Regenereignissen wird Aquaplaning auch in Zukunft nur durch angepasste Fahrweise zu verhindern sein.“ Das Unfallgeschehen auf der linken Fahrspur zeige ganz deutlich, „dass hier die schnellen Fahrer, die mit nicht angepasster Geschwindigkeit unterwegs waren, betroffen waren“. 

Aquaplaning wird auch in Zukunft nur durch angepasste Fahrweise zu verhindern sein.“

Susanne Dietterle, , Landratsamt Ostalbkreis

Rat vom Fahrlehrer: das richtige Verhalten bei Aquaplaning-Gefahr

„Einfach nichts machen“ rät der Gmünder Fahrlehrer Mark Tiede für den Fall, dass ein Fahrzeug auf nasser Fahrbahn den Kontakt zum festen Untergrund verloren hat. Nicht bremsen, nicht lenken, gegebenenfalls die Kupplung durchdrücken, damit weniger Kräfte wirken, lautet sein Rat. „Lenken ist ganz gefährlich“, denn wenn die Vorderräder bereits wieder greifen und die Hinterräder sich noch im Aquaplaningbereich befinden, „dann dreht sich das Auto“. In der Regel sei die Strecke kurz , auf der das Fahrzeug den Kontakt zum Untergrund verliert und auf einem Wasserfilm schwimmt.

Das Problem beim Aquaplaning: „Es ist sehr schwer und erst spät zu erkennen“, sagt Tiede. Die Einstellung „das wird schon passen“ ist also die falsche. Grundsätzlich gilt: Verkehrsteilnehmer sollten ihre Fahrweise den örtlichen Gegebenheiten anpassen. Das heißt zum einen: Ist die Sicht, etwa bei Starkregen, schlecht, Geschwindigkeit drosseln. „Immer nur so schnell fahren, dass nichts passiert“ könne im Zweifelsfall auch bedeuten, bis zur Schrittgeschwindigkeit abzubremsen, sagt Tiede. Aquaplaning trete ab 80 Stundenkilometern auf, nennt er eine Faustregel. Dazu kommen jedoch weitere Faktoren: Ein schweres Fahrzeug verdränge mehr Wasser, andererseits sind breite Reifen anfälliger für Aquaplaning, weil sie mehr Wasser verdrängen müssen als schmalere. Außerdem spiele die Profiltiefe der Reifen eine Rolle. an

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