Bedenkenlos baden in Plüderhausen?

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Man kann am Plüderhäuser See auch entspannen, ohne darin zu baden. Foto: Gabriel Habermann

Seit drei Jahren trügen immer wieder Blaualgen die Badefreude am Plüderhäuser See, der jetzt zur Badestelle rückgebaut wird.

Im Moment sieht der See richtig schön aus.“

Ludwig Kern,, Bauamtsleiter Plüderhausen

Plüderhausen

Wochenlang war das Baden im Plüderhäuser See vergangenen Sommer nicht gestattet. Es hatten sich Cyanobakterien, auch Blaualgen genannt, angesammelt – und das in einem für die Gesundheit gefährdenden Ausmaß, besonders für kleine Kinder. Denn Cyanobakterien können Haut- und Schleimhautreizungen, Bindehautentzündungen, Ohrenschmerzen sowie Durchfall, Fieber, Atemwegserkrankungen oder allergische Reaktionen zur Folge haben. Auch dieses Jahr sind die Blaualgen bereits aufgetaucht, im Februar waren die blaugrünen Schlieren gut erkennbar.

Das sommerliche Wetter dürfte an diesem Wochenende manchen Badegast an den See locken. Der Kiosk hat bei gutem Wetter bereits geöffnet. Doch kann in Plüderhausen im Moment überhaupt bedenkenlos gebadet werden? Bauamtsleiter Ludwig Kern gibt Entwarnung. „Die Blaualgensituation hat sich seit Februar wieder gebessert.“ Auch, weil der See gerade „erfreulich viel Wasser“ habe, was den Cyanobakterien, die sich vor allem durch einen höheren Nährstoffeintrag vermehren, nicht entgegenkommt. Allerdings habe es in den vergangenen Wochen keine Untersuchungen mehr gegeben, betont der Bauamtsleiter. „Die offiziellen Untersuchungen durch das Gesundheitsamt fangen erst später an“ - wenn die Badesaison am 1. Juni formell eröffnet wird.

Mit Sicherheit wird der See aber bereits vor dem offiziellen Saisonbeginn zum Baden genutzt. Nach mehreren Fällen, in denen in Deutschland Gemeindevertreter vor Gericht für Unfälle haftbar gemacht wurden, hat man sich in Plüderhausen intensiv mit der Thematik beschäftigt. Seit diesem Jahr ist der See deshalb rein rechtlich gesehen nur noch eine Badestelle und kein Naturbad. Laut der Württembergischen Gemeindeversicherung war der Plüderhäuser See bislang wie ein solches gestaltet. Dabei handelt es sich um eine haftungsrechtliche Bezeichnung. Bei einem Naturbad wären aber unter anderem professionelle Badeaufsichten notwendig, auch müsste der See eindeutig eingegrenzt werden. Deshalb hat der Gemeinderat kürzlich beschlossen, dass der See nur noch eine Badestelle sein soll. Dabei war er den Vorgaben eines Gutachtens der Deutschen Gesellschaft für Badewesen gefolgt.

Konkret führt das dazu, dass ein Teil der Infrastruktur zurückgebaut werden muss. Die Rutsche im Kinderbereich etwa, die im Zuge der Gartenschau angebracht wurde, ist bereits weg. Sie soll auf die Liegewiese kommen und dort als normale Rutsche eingesetzt werden.

Bis zum offiziellen Beginn der Badesaison in gut einem Monat soll außerdem auch die Badeinsel entfernt sein. Dann werden außerdem die Abtrennungen zwischen Schwimm- und Angelbereich sowie zwischen Schwimmer- und Nichtschwimmerbereich angebracht und rund um den See Beschilderungen angebracht, die darauf hinweisen, dass die Badegäste diesen auf eigene Gefahr nutzen. „In einer konzertierten Aktion wollen wir das durchziehen“, sagt Kern. Weil dafür das Boot der Feuerwehr genutzt werden muss, soll das alles in einem Aufwasch geschehen.

Informieren wird die Gemeinde Plüderhausen dann auch über Vorsichtsmaßnahmen gegen die Ausbreitung der Cyanobakterien. Der menschliche Eintrag gilt laut einer im vergangenen Jahr im Auftrag der Gemeinde erstellten Studie nämlich als eine der Hauptursachen. Die Badegäste werden daher unter anderem gebeten, sich vorher zu duschen. Stoffe ins Wasser einzubringen, die dessen Qualität beinträchtigen können, wozu auch Sonnencreme zählt, gilt nach der seit April gültigen Nutzungsordnung am Plüderhäuser See nämlich als Ordnungswidrigkeit.

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