Den „Rucksack“ nicht alleine tragen

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„Das war schön“ kommentieren die Besucher die Abendgedanken am Remsufer

Verantwortung ist Thema beim Interview-Gottesdienst mit Bürgermeisterin Funk.

Lorch-Waldhausen.Bevor die Gottesdienstbesucher zu Beginn „Der Mond ist aufgegangen“ anstimmten, hoffte Pfarrer Lukas Golder inständig, dass „die Regenwolken vorbeiziehen, damit der Mond auch sichtbar wird“. Und niemand nass. Denn der Gottesdienst am Mittwochabend wurde draußen gefeiert: Am Remsmittelpunkt hatten die „Abendgedanken am Fluss“ Premiere, ein Interview-Gottesdienst, bei dem Lorchs Bürgermeisterin Marita Funk zu Gast war.

Tatsächlich schickten die dunklen Wolken nur zu Anfang ein paar Tropfen auf die gut 40 Besucherinnen und Besucher nieder. Dann aber konnte man genießen, dass der Fluss leise im Hintergrund rauschte und im Gras die Grillen zirpten.

Ebenfalls zum Genießen: die musikalische Begleitung durch Uli Schwenger. Der Pianist aus Plüderhausen begleitete nicht nur den Gesang, sondern spielte wunderschöne Versionen von „Ins Wasser fällt ein Stein“ und „Man in the Mirror“.

Nach Psalm und Gebet lasen Andrea Krämer und Sylvia Thiel vom Kirchengemeinderat den Bibeltext über die Heilung des Gelähmten. Über diese Passage sprach Pfarrer Golder dann auch mit Bürgermeisterin Funk.

Das Interview unter der Überschrift „Verantwortung tragen“ sei die „nicht abgesprochene Predigt“. Marita Funk erzählte, dass sie erstmals in der Kinderkirche die Geschichte über den Gelähmten gehört habe. „Damals habe ich mich gefragt, was die Menschen wohl danach mit dem Loch im Dach gemacht haben“, sagte die 30-Jährige lachend.

Denn die Menschen in der Bibelstelle, darunter die vier Freunde mit dem Gelähmten, ließen ihre Kranken durchs geöffnete Dach zu Jesus hinunter. Als Funk mit 16 oder 17 Jahren selbst Betreuerin bei der Kinderkirche war, habe sie bei der Geschichte die Gleichsetzung von Krankheit und Sünde irritiert. „Jetzt sehe ich eher den Aspekt der Verbundenheit der Freunde untereinander.“ Sie nehme fürs Leben mit, dass jeder solche Freunde haben sollte. „Und man ein solcher Freund sein sollte.“

Ob sie sich selbst schon einmal gelähmt gefühlt habe? „Ja, beim Hochwasser in Lorch vor zwei Wochen.“ Als das Wasser am Götzenbach übertrat. „Aber vor allem die Pandemie hat uns alle gelähmt.“

Corona würde sie gerne Jesus vor die Füße legen, antwortete Marita Funk auf Golders nächste Frage. „Um zu bitten, dass wir uns wieder wie früher begegnen können.“

Wie wichtig ihr der Glauben sei? Sehr wichtig, sagte Funk. Deshalb werden ihr Mann und sie auch ihre kirchliche Trauung 2022 nachholen, zwei Jahre nach dem Standesamt. „Im Amt berücksichtige ich die zehn Gebote.“ So dass sie sich bei jeder Entscheidung noch im Spiegel anschauen könne.

Verantwortung tragen heiße für sie, bildlich stets einen Rucksack zu tragen, mal mehr, mal weniger schwer. „Zum Glück trage ich diesen nicht allein.“ Unterstützung bekomme sie vom Team im Rathaus, dem Gemeinderat, aber auch von den Menschen in Lorch.

Im Privaten wisse sie ihren Mann an ihrer Seite. Funk berichtet von einem Ritual: „Wenn ich nach Hause komme, egal wie spät, gehen wir eine halbe Stunde zusammen marschieren.“ Dann werde erzählt, gelobt und gebruddelt. „Und danach ist das abgehakt.“

Ob es eine zweite Auflage des Gottesdiensts geben wird, weiß Pfarrer Golder noch nicht genau. „Interviewpartner würden mir aber viele einfallen.“ Man wolle die Rückmeldungen der Gemeindemitglieder abwarten. Dann stehen die Chancen womöglich gut: „War das schön“, sagte eine Besucherin, bevor sie auf dem Rad davonfuhr.

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