Dilemma der Unzugehörigkeit

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Edward Schiwek erzählt in seinem Buch von seiner Kindheit in Schlesien. Und warum seine Familie nach Deutschland auswanderte.
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In seinem neuen Buch „Ich bin von uns“ erzählt der Waldhäuser Edward Schiwek von seiner Auswanderung aus Schlesien nach Deutschland.

Lorch-Waldhausen

Das fünfte Kapitel schrieb Edward Schiwek zuerst. „Alka tunkte den weichen, grauen Klumpen in den Zucker und schob ihn in den Mund. Genüsslich kaute sie ihn, bis wieder kein Geschmack da war. Ich war wieder an der Reihe.“ Auf sieben Seiten erzählt der Waldhäuser, wie er als Kind einen Kaugummi tagelang mit seiner besten Freundin teilte. 45 solcher Geschichten finden sich in seinem neu erschienenen Buch „Ich bin von uns“. Darin berichtet der 55-Jährige von seiner Kindheit im schlesischen Klink. Und wie er mit Ehefrau, Eltern und Geschwistern 1988 nach Deutschland auswanderte.

Nicht das erste Werk

Ein Buch zu veröffentlichen ist für Edward Schiwek nichts Neues. 2014 brachte der Laumann-Verlag sein Werk „Ein Schritt nach dem anderen, immer weiter“ auf den Markt. Darin schreibt der Waldhäuser über seine Pilgerschaft auf dem Jakobsweg. Den Anlass, ein weiteres Buch anzugehen, gab ihm seine Tochter: „Ich erzählte ihr immer gerne von früher.“ Bei manchen Geschichten merkte er plötzlich, dass die Erinnerung langsam verblasste. „Da wollte ich einfach einige davon aufschreiben.“

Im Jahr 2020 schließlich klemmte sich der selbstständige Steintechniker in jeder freien Minute hinter den Rechner und tippte knapp 400 Seiten. „Eigentlich wollte ich davon nur ein paar Exemplare drucken lassen und meiner Familie schenken.“ Also fragte er beim Laumann-Verlag an und schickte sein Manuskript dorthin. „Tage später kam der Anruf, dass sie mein Buch veröffentlichen wollen.“ Weil es gut sei. Und weil es ein Zeitzeugnis darstelle, wie das Leben in Schlesien war. „Und zwar nicht während und direkt nach dem Krieg.“ Über diese Zeit gebe es viele Bücher zu Flucht und Vertreibung aus Schlesien. Schiweks Geschichte aber spielt ab Ende der 1960er-Jahre.

Ein wiederkehrendes Thema

Sicherlich schaut er zurück, wenn er von seinen Eltern oder Verwandten erzählt. Doch im Kern drehen sich die Geschichten um eine Familie, die als Deutsche im schon lange polnischen Schlesien lebt. „Uns ging es nicht schlecht, das Leben war eben sehr einfach“, sagt Schiwek. Ein wiederkehrendes Thema ist, dass die Schiweks in Polen als Deutsche betrachtet wurden. Und deswegen auch Schmähungen erleiden mussten. „Hier in Deutschland wiederum sind wir die Polen“, erklärt Schiwek das Dilemma. Doch man könne in einem anderen Land geboren und aufgewachsen sein, „und sich trotzdem eindeutig deutsch fühlen“.

Der Familie gewidmet

Die Erzählungen des Waldhäusers lesen sich detailreich und vielfältig. „Meine Mutter meinte, sie habe sich beim Lesen in die Zeit zurückversetzt gefühlt.“ Vor allem in die Zeit vor 33 Jahren, als die Familie beschloss, gemeinsam auszuwandern. Was bedeutet der Titel „Ich bin von uns“? In einer Episode wird der kleine Edward von einem Onkel gefragt, wo er plötzlich herkomme. „Ich bin von uns“, antwortete das Kleinkind damals. „Für mich bedeutet das, dass ich nicht allein auf der Welt bin, sondern zu einer Familie gehöre“, erklärt der Autor. Wie wichtig ihm das ist, zeigt die Widmung in seinem Buch. Die richtet sich an seine Frau und seine Tochter.

Das Buch von Edward Schiwek, „Ich bin von uns. Wie ich in Klink aufwuchs und warum ich dann ging…“, ist im Laumann-Verlag erschienen, 394 Seiten, und kostet im Handel 22,80 Euro.

Meine Mutter meinte, sie habe sich beim Lesen in die Zeit zurückversetzt gefühlt.“

Edward Schiwek,, Autor

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