Eine bewegte Geschichte seit 1872

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Die Vereinsfahne des Liederkranz Waldhausen aus dem Jahr 1914 hängt heute im örtlichen Rathaus. Vorsitzende Anneliese Welz weiß viel aus der 150-jährigen Geschichte des Vereins zu erzählen. Auch Jahrzehnte alte Fotos bewahrt der Liederkranz sorgsam auf.
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Der Liederkranz Waldhausen wird 150 Jahre alt. Vorsitzende Anneliese Welz erzählt aus der Geschichte, aber auch darüber, wie sich das Vereinsleben verändert hat.

Lorch-Waldhausen

Ein Stück Geschichte hängt im Waldhäuser Rathaus hinter Glas: „Das ist die Vereinsfahne von 1914“, sagt Anneliese Welz, „mit einer wunderschönen Ansicht vom Elisabethenberg“. Die burgähnlichen Gebäude auf der Spitze des Waldhäuser Hausbergs sind in der Mitte zu sehen, umrahmt von dunkelblauem Stoff. Als der Liederkranz diese Fahne im Juli 1914 weihte, war der Verein schon 42 Jahre alt. In diesem Jahr können die rund 90 Mitglieder auf 150 Jahre Geschichte zurückblicken.

Wer den Verein gründete, seine Geschicke leitete und wie er sich bis heute entwickelte, hat Vorsitzende Anneliese Welz zusammengetragen. Dabei nutzte die geschulte Gästeführerin ihr historisches Interesse und sparte nicht mit Details.

18 Waldhäuser gründeten den Liederkranz im Oktober 1872. Der Chor sang bei fast allen Beerdigungen oder bei Festen im Gottesdienst, Chorleiter waren damals meist die Lehrer im Dorf. In den 1920er- und 1930er-Jahren habe der 30-köpfige Chor oft erfolgreich bei Preissingen mitgemacht. 1938 habe sich der Verein „politisch nicht ans Gängelband nehmen lassen“, und sei boykottiert worden. Im nachfolgenden Krieg kehrte ein Drittel der aktiven Mitglieder nicht lebend nach Hause zurück.

1946 startete mit dem Waldhäuser Lehrer Andreas Lang ein Neubeginn. Lang wurde zwei Jahre später von Bruno May aus Lorch abgelöst, welcher „bei steigender Sängerzahl den Chor auf ein hohes musikalisches Niveau“ brachte.

Vereinsleben im Wandel

Nachdem bislang nur Männer gesungen hatten, wurde 1956 der gemischte Chor gegründet. 28 Sängerinnen traten dem Verein bei. Dieser Chor bildet bis heute das Zentrum des Liederkranzes. Ein weiterer Höhepunkt war sicherlich die Verleihung der Zelter-Plakette im Jubiläumsjahr 1972.

Die Chronik des Vereins hebt die langjährige Arbeit der Vereinsvorstände hervor, etwa von Albert Hildenbrand, Walter Braun oder dem erst kürzlich verstorbenen Walter Schwarz. Anneliese Welz leitet die Geschicke mit kurzer Unterbrechung seit 1998, aktuell mit ihrem Stellvertreter Sascha Wahl und den Vorstandsmitgliedern Elke und Beate Wahl.

Das Vereinsleben habe sich über die Zeit schon verändert, sagt Anneliese Welz: „Es ist nicht mehr so selbstverständlich wie früher.“ Früher ging man ohne Frage zu jeder Vereinsveranstaltung. „Das ist heute nicht mehr so, nicht nur bei uns.“ Konkret anders sei, dass es keinen Kinder- und Jugendchor mehr gebe. Seit 1961 habe man eine sehr intensive Jugendarbeit betrieben. Neben dem Singen unternahm der Verein auch viel mit den Kindern. „Das alles hatte mit dem Brand des Dorfhauses ein Ende.“ 2001 wurde die Begegnungsstätte ein Opfer der Flammen. Und damit die Möglichkeit, sich mit den Kindern zum Üben, aber auch zum Kochen oder Spielen zu treffen. Später, nachdem das neue Dorfhaus stand, habe sich keine Chorleitung mehr gefunden.

Heute beobachte Welz die Entwicklung der Ganztagsbetreuung: „Der Umgang mit dem Hobby Musik ist dadurch anders gelagert.“ Eine geeignete Chorleitung zu finden, sei übrigens bis heute immer wieder ein Problem. Doch sie sieht viel Positives: „Trotz aller Schwierigkeiten haben wir immer einen Weg gefunden, damit es weitergeht.“ Sie glaubt, dass Singen stets wichtig bleiben werde. Dass sich viele Menschen wegen der Pandemie, des Klimawandels oder des aktuellen Krieges wieder mehr auf zu Hause konzentrieren, könne für Vereine von Vorteil sein: „Vielleicht wird wieder wichtiger, was naheliegend ist.“

Singen wird immer wichtig bleiben.“

Anneliese Welz,, Vereinsvorsitzende

Veranstaltungen im Jubiläumsjahr

Am Sonntag, 3. April, startet der Liederkranz Waldhausen offiziell ins Jubiläumsjahr. Um 17 Uhr lädt der Verein zum Offenen Singen ins evangelische Gemeindehaus ein. Mit dabei „Füenf“-Sänger Patrick Bopp, besser bekannt als „Memphis“. Das Motto lautet „Aus voller Kehle für die Seele“, der Eintritt ist frei, um Spenden wird gebeten.

Eine Soiree wird am 19. November im evangelischen Gemeindehaus stattfinden. Neben Grußworten zum Jubiläum treten sowohl der gemischte Chor als auch der Lorcher Männerchor auf.

Mehr Informationen gibt es unter www.liederkranz-waldhausen.net. cop

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