Eine Mauer für Vielfalt auf kleinstem Raum

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Michael Reinert (2. v. r.) erklärt, welche bedeutende Funktion der Ankerstein in einer Trockenmauer hat, (v. l.) Marita Funk, Ralf Worm und Dr. Dietmar Hermann sowie Marius Reinert (r.) hören zu.
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Wie alte Steine von der ehemaligen "Traube" in Rattenharz zum neuen Lebensraum für Tiere und Pflanzen an einer Streuobstwiese werden.

Lorch-Waldhausen

Wie bestellt kommt ein Mauerfuchs angeflattert. Der, wie Ralf Worm sagt, sehr selten gewordene Schmetterling landet auf der neuen Trockenmauer, wegen der sich der Geschäftsführer des Landschaftserhaltungsverbands, Lorchs Bürgermeisterin Marita Funk sowie Michael und Marius Reinert vom gleichnamigen Garten- und Landschaftsbaubetrieb mit Dr. Dietmar Hermann an dessen Streuobstgütle am Hang über Waldhausen treffen. Die zwischen knie- und hüfthohe, einige Meter lange Mauer mit „extra größeren Ritzen“ und in Richtung Süden ausgerichtet, biete verschiedensten Tieren und Pflanzen einen Lebensraum, sagt Worm und nennt etwa Mauerpfeffer und zumeist dickblättrige Pflanzen, die Trockenheit gut überstehen. Neben dem seltenen Falter zählt er Asseln und Tausendfüßler ebenso auf wie Eidechsen – „und viele Blindschleichen“, ergänzt Hermann. Der Waldhäuser Zahnarzt hat oberhalb der Mauer Weinreben gepflanzt – und kommt damit alter Tradition ziemlich nahe. Denn indem die Landwirte im Remstal ihre Hänge für den Weinanbau terrassiert haben, damit sie sich bewirtschaften ließen, seien die Trockenmauern entstanden – „ein Zufallsprodukt, nicht originär dem Naturschutz gewidmet“, erklärt Worm.

Dass an dieser Stelle nicht zum ersten Mal jemand den Hang befestigen wollte, zeigte sich bei den Arbeiten im Sommer, denn dabei kamen alte Steine zutage, erzählt Hermann. Dass Trockenmauerbau ganz und gar nicht bedeutet, ein paar Steine einigermaßen passend aufeinander zu stapeln, macht Michael Reinert deutlich. Er hatte sich mauerextra Rat bei Martin Bücheler geholt, dem Trockenmauer-Experten im Stuttgarter Raum, der im übrigen einige hundert Meter weiter östlich die laut Worm „wohl größte Trockenmauer im Ostalbkreis“ gebaut habe. Bevor Michael und Marius  Reinert mit einem weiteren Mitarbeiter in etwa 30 Arbeitsstunden die Mauer aufbauen konnten, mussten sie erstmal einen kleinen Bach kanalisieren, der nun vor der Mauer entlangläuft. Dann ging’s – bei Temperaturen zwischen 35 und 37 Grad im Schatten – an den Unterbau. „Der ist das Größte“ sagt Reinert, und deutet auf einzelne Steine, die im 90-Grad -Winkel zu ihren Nachbarn in den Hang gelegt sind. Diese Ankersteine seien „der Startpunkt eines liegenden Gewölbes“, das den Druck abfange, den der Hang von oben ausübt. Die für die Gegend typischen Schilfsandsteine hat Hermann von einem besonderen Ort organisiert: Sie stammen von der ehemaligen „Traube“ in Rattenharz. „Das perfekte Upcycling“, lobt Worm. Dank der geschenkten Steine habe das von Hermann angestoßene Projekt am Ende 7000 Euro gekostet, finanziert vom Landschaftserhaltungsverband, zur Verfügung gestellt vom Land Baden-Württemberg. Denn der Elisabethenberg, an dem Hermanns Streuobstwiese liegt, sei Flora-Fauna-Habitat-Gebiet, für das Erhaltungspflicht bestehe, erklärt Worm und betont: Diese Art von Kulturlandschaft sei wichtig, weil sie auf engstem Raum Vielfalt biete. Und Bürgermeisterin Marita Funk freut sich darüber hinaus über das vollendete  Projekt, „weil hier prägende Obstwiesen bewirtschaftet werden“.

                             

           

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