Hochwasserschutz an der Rems: Sicherheit bei Starkregen im Fokus

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Auch das Rückhaltebecken zwischen Lorch und Waldhausen kann bei Starkregen wenig ausrichten, sagt Hans-Peter Sieg, technischer Geschäftsführer des Wasserverbands Rems.
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Der Wasserverband Rems möchte für mehr Sicherheit bei Starkregen sorgen. Wie, erklärt Geschäftsführer Hans-Peter Sieg am Donnerstagabend im Lorcher Gemeinderat.

Lorch/Plüderhausen. Steigt der Pegel der Rems bedrohlich, klingelt bei Hans-Peter Sieg das Telefon. Der 57-Jährige ist technischer Geschäftsführer des Wasserverbands Rems. „Und Betriebsbeauftragter für die Rückhaltebecken“, erzählt er. Von diesen gibt es im Remstal vier: eines östlich vor Lorch, das nächste zwischen Lorch und Waldhausen, das neueste westlich von Plüderhausen und eines zwischen Schorndorf und Winterbach.

Wann Sieg das letzte Mal das Drosselbauwerk an der Maierhofstraße herunterlassen musste, weiß er genau: „Am 9. Juli.“ An dem Freitag regnete es heftig und die steigende Rems drohte, die Baustelle an der Remsbrücke in Waldhausen zu zerstören. „Dabei war das nicht einmal ein HQ10“, sagt der Fachmann und meint damit einen erhöhten Wasserpegel, wie er durchschnittlich alle zehn Jahre vorkommt. Normalerweise handle man erst, wenn eine Welle oberhalb eines HQ20 droht. Doch die Baustelle war wegen der Schalung so nah am Wasser, dass eingegriffen wurde.

"Bei Starkregen hilft ein Rückhaltebecken an der Rems wenig.“

Hans-Peter Sieg, Wasserverband Rems

Das Wasser zurückzuhalten, indem man es in Pufferzonen lenkt, sei das Mittel gegen Hochwasser. Drei Becken wurden zwischen 2005 und 2008 gebaut, darunter die beiden in Lorch. Das vierte bei Plüderhausen kam erst 2020 dazu. „Wir kämpfen mit immer mehr Betroffenheiten.“ Der Bau des Beckens zwischen Urbach und Schorndorf wurde nun vom Regierungspräsidium Stuttgart offiziell zurückgestellt.

Sieg bedauert das: „Zusätzlich mit diesem großen Becken hätten wir den HQ100-Schutz zum großen Teil erreicht.“ Auch die Rückhalteräume zwischen Winterbach und Großheppach seien weiterhin wichtig, Nun werde erst einmal eine neue Flussgebietsuntersuchung vorangetrieben samt neuen Hochwassergefahrenkarten. „Bis dahin geht es jetzt erst einmal nicht weiter.“

Stattdessen kümmert sich der Wasserverband um ein hochaktuelles Thema: Hochwasser durch Starkregen. „Bei Starkregen kann ich mit einem Rückhaltebecken oft gar nichts machen.“ So war im Juni 2018 bei der Überflutung der Lorcher Innenstadt die Rems gar nicht hoch. „Das Wasser kam aus dem Götzenbach und Aimersbach.“

Waldwege wären sinnvoll

Dass der Götzenbach nun durch höhere Wände am Zollplatz eingefasst wird, sei richtig. „Am sinnvollsten wäre, außerdem etwas am Oberlauf zu machen.“ Also etwa Waldwege als natürliche Querung zu gestalten oder gezielt Gumpen anzulegen, wo sich Wasser sammeln kann.

Solche Maßnahmen können in einem Handlungskonzept erarbeitet werden, dass der Wasserverband mit allen Rems-Gemeinden plant: „Wir wollen ein gemeinsames Starkregenrisikomanagement auf die Beine stellen.“ Das Projekt, das rund 670 000 Euro kosten wird, stellt Sieg am Donnerstag in der Sitzung des Lorcher Gemeinderats vor.

Dabei wird zuerst eine Starkregenkarte erstellt, worauf eine Risikoanalyse durchgeführt wird, die schließlich in einem Handlungskonzept mündet. Eine Starkregenkarte berücksichtigt eine flächenhafte Überregnung mit einer bestimmten Intensität. „Dann kann man sehen, wie und wo das Wasser abläuft.“ Und erkennt kritische Bereiche. Sobald diese Karte existiert, habe eine Stadt die Bringschuld, ihre Bürgerschaft darauf aufmerksam zu machen. „Damit Gemeinde und Bürger zusammen ein Hochwasserschutzkonzept erstellen können.“

Hans-Peter Sieg stellt dem Gemeinderat die Pläne für Schutz vor Starkregen am heutigen Donnerstag, 21. Oktober, um 18 Uhr in der Lorcher Stadthalle vor. Außerdem geht es in der Sitzung ums Stadtarchiv, um einen neuen Bebauungsplan, Tablets fürs Gymnasium sowie die Brücke am Beutenbach.

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Hans-Peter Sieg vom Wasserverband Rems.

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