Hoffnungsfrohe Planungen und unerwartete Absagen

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Jazzclub Vorsitzende Sabine Seelow und Kassiererin Margret König haben während der Corona-Pandemie neue Wege gesucht, damit der Verein finanziell über die Runden kommt. ÌFoto: Gaby Schneider

Die Pandemie macht Künstlern und Kultureinrichtungen das Leben schwer. Wie sich der Jazzclub Schorndorf durch die Corona-Krise kämpft.

Es ist zermürbend, wenn man ständig verschieben muss.“

Sabine Seelow,, Jazzclub-Vorsitzende
  • Was der Jazzclub in den kommenden Monaten plant
  • Geplant sind im Frühjahr und Sommer eine ganze Reihe von Konzerten, bei denen auch Preisträger auf der Bühne stehen.
  • Freitag, 11. Februar: The Rick Hollander Quartet und Brian Levy, Beginn 20.30 Uhr
  • Samstag, 12. März: Tobias Becker und die MPG-Big-Band unter der Leitung von Frank Kroll, Beginn 20 Uhr
  • Samstag, 2. April: Groove, Jazz und Folk von Christoph Neuhaus, Beginn 20.30 Uhr
  • Samstag, 30. April: Session mit der Band iGrooved mit vielen spontanen Auftritten von Schorndorfer Musikern und Musikerinnen, Beginn 20 Uhr
  • Sonntag, 22. Mai: Matinee um 11 Uhr: Premiere der Club-Band Um die Elf mit Musikern aus Schorndorf und Umgebung.
  • Mittwoch 25. Mai, bis Sonntag, 29. Mai: 24. Schorndorfer Gitarrentage (Beginn: jeweils um 20 Uhr)
  • Freitag, 3. Juni: das Eva-Klesse-Quartett mit der Preisträgerin des SWR-Jazzpreises 2021, Beginn 20.30 Uhr

Schorndorf

Kontaktbeschränkungen, Maskenpflicht, Einlassregeln: Seit zwei Jahren macht die Corona-Pandemie Künstlern und Kultureinrichtungen das Leben schwer. Dabei sehnen sich viele Menschen mehr denn ja nach Konzerten und Ausstellungen, Theater und Lesungen. So geht’s auch den Macherinnen des Jazzclubs Session 88. Nach dem Jahr 2021, das geprägt war von hoffnungsfrohen Planungen, unerwarteten Absagen und der Notwendigkeit, Konzerte immer wieder verschieben zu müssen, gibt es auch nun wieder ein Programm. Darüber freut sich Sabine Seelow, die Vorsitzende des Jazzclubs. „Livemusik fehlt auch uns.“ Immerhin: Es darf wieder gejazzt, gegroovt und gebluest werden.

Fördergeldern ist es zu verdanken, dass der kleine Verein in der Krise nicht in Schieflage geraten ist. „Am Anfang der Pandemie haben wir 5000 Euro von der Josef-Wund-Stiftung bekommen“, erzählt Sabine Seelow. Über die Förderung seien sie begeistert gewesen, auch in der Annahme, dass die Pandemie ja nicht lange dauern würde. „Aber sie verschwand nicht“, konstatiert Seelow.

Die Einnahmen reichen nicht

Zudem fielen dann aber auch die erwarteten Einnahmen durch Fremdvermietungen weg: Seit einiger Zeit vermietet der Jazzclub seinen Raum für Hochzeiten, runde Geburtstage und andere private Feiern. „Das war super angelaufen, es hatte sich gerade rumgesprochen“, sagt Kassiererin Margret König. Anfang 2020 seien die ersten Absagen gekommen, ein ständiges Verschieben begann. „Nicht nur bei den Bands, auch bei den Veranstaltungen“, sagt Seelow. So steht Rick Hollander zum zweiten Mal im Programm, Feincost (8. Juli) sei zweimal, das Konzert mit Tobias Becker und der Big Band (12. März) sogar dreimal verschoben worden.

Vermietungen fielen weg

Immerhin finanziell gesehen ist auch dieses Jahr gesichert. Zu verdanken ist das nach Angaben Seelows vor allem einer Förderung des Kultusministeriums im fünfstelligen Bereich, die auf Antrag des Vereins glücklicherweise durchgegangen ist. „Dadurch konnten wir eine neue Lichtanlage, Podeste und ein Mischpult für draußen kaufen“, sagt sie. „2022 ist damit safe. Und für 2023 hoffen wir, dass die Stadt ihre Förderung nicht kürzt. Denn das wäre fatal.“ Aktuell bekommt der Jazzclub einen jährlichen Zuschuss von 7000 Euro.

Viel ehrenamtlicher Einsatz

Stolz sind die Programm-Macherinnen darauf, dass kein Mitglied in der Krise verloren ging, sondern sogar Unterstützer dazugekommen seien.

Tatsächlich ist von der Betreuung der Künstler bis zum Thekendienst viel ehrenamtlicher Einsatz nötig, um die Konzerte stemmen zu können. Etwa 20 der rund 200 Mitglieder sind aktiv. Aber, sagt Sabine Seelow, „es ist zermürbend, wenn man ständig verschieben muss“. „Man hat gespürt, wie die Energie rausging“, sagt auch Margret König.

Ein Teil der Kulturszene

Ein paar Konzerte konnten im Herbst über die Bühne gehen, das letzte war dann erneut Corona zum Opfer gefallen. Umso mehr hofft der kleine Jazzclub als fester Bestandteil der Schorndorfer Kulturszene nun, dass die geplanten Veranstaltungen auch stattfinden können. „Uns ist es wichtig, junge Künstler auf die Bühne zu bringen“, sagt Sabine Seelow über ihr Programm-Konzept. „Wir wollen modernen, jungen Jazz, Leute, die schon etwas erfolgreicher sind.“ Der Freejazz-Bereich werde eher von der Manufaktur abgedeckt.

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