Hundert Jahre und kein bisschen alt

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Maria Bareiß mit Bürgermeister Krötz
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Mit Humor und viel Bewegung hat sie ein schönes Alter erreicht. Ein Geburtstagsbesuch bei Maria Bareiß im Tennhöfle sorgt für Überraschungen und gute Laune.

Alfdorf-Tennhöfle

Na, ob sich da das Standesamt bei der Ausstellung der Geburtsurkunde wohl getäuscht hat? Maria Bareiß vom Tennhöfle bei Alfdorf feierte am Samstag ihren 100. Geburtstag. Einige Besucher, darunter auch der Bürgermeister von Alfdorf, Ronald Krötz, konnten dieses Alter jedoch nicht wirklich glauben. In ihrer warmen Küche, an der gedeckten Kaffeetafel, sitzt eine strahlende Maria Bareiß, die Augen funkeln vor Freude und Humor, obwohl ihr das Leben nicht immer nur die Sonnenseiten geboten hat.

Gerade einmal 19 Jahre sei sie alt gewesen, als sie mitten in der Nacht aus ihrer Heimat in Polen zum Arbeitseinsatz nach Deutschland verschleppt wurde. Alles habe sie zurückgelassen, erzählt die Jubilarin: Eltern, Geschwister und Heimat. Beim Sachsenhof, in Hetighofen und in Spraitbach habe sie gearbeitet, „ohne ein Wort Deutsch zu verstehen“.

Jahre später konnte über den DRK-Suchdienst die Familie ausgemacht werden, der Kontakt brach dann aber plötzlich komplett ab. Bekannt sei nur, dass die Familienmitglieder in die Ukraine und nach Russland deportiert worden seien.

Mit 23 Jahren kam Maria aufs Tennhöfle, um dem verwitweten Johann Bareiß im Haushalt und bei der Landwirtschaft zu helfen. Mit der Rückkehr des Sohnes Ernst aus dem Krieg veränderte sich alles: Ernst eroberte das Herz der jungen Frau, seitdem habe sie im Tennhöfle ihre Heimat. Mit den vier Kindern Werner, Ewald, Rosemarie und Franz und der Landwirtschaft sei sie „gut beschäftigt“ gewesen, Langeweile sei nie aufgekommen.

Bis vor zwei Jahren hätte seine Mutter ihn noch tatkräftig bei der Arbeit im Wald unterstützt, erzählt Sohn Ewald. „Immer in Bewegung bleiben“ so lautet das Motto der rüstigen Seniorin. Das Brennholz für den Ofen holt sie meistens selbst im Schuppen und sie koche nur auf dem Holzbeistellherd, lacht die Jubilarin.

Froh sei sie, wenn sie morgens aufstehen kann, bekennt Maria. Frühstück machen, Mittagessen zubereiten und Hausarbeiten stehen auf dem Tagesplan „Bügeln ist sehr wichtig“, meint Maria und muss schon wieder lachen.

Für die Arbeiten, die sie selbst nicht bewältigen kann, stehen die Kinder parat, auch die zehn Enkel schlagen ihrer Oma keinen Wunsch ab. Sie sei „mit einer schönen Familie gesegnet“ meint Maria und verblüfft mit dem Hinweis, dass sie erst vor kurzem noch für eine Näharbeit selbst den Faden eingefädelt habe: „Mich hat noch kein Augenarzt zu Gesicht bekommen“. Für ihren Geburtstag am Samstag wollte sie unbedingt selbst einen Kuchen backen. „Das hat geklappt und er war sehr gut“ lachen Sohn Ewald und Schwiegertochter Rita und erzählen von einem unlängst stattgefundenen „Familienbacktag“, bei dem Maria die Federführung für die Herstellung von mehr als zwei Dutzend Salzkuchen innehatte, „inklusive Zwiebel schälen“. Wie man bei guter Gesundheit so ein schönes Alter erreichen kann, das vermag Maria nicht zu sagen: „Der Herrgott wollte mich wohl noch nicht“, mutmaßt sie.

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