Kaffee-Wissen für Kaffee-Trinker

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Walk und Talk - ev. Erwachsenenbildung

Wege zu fairem Kaffee: Ein Gang durch Waldhausen endet thematisch im äthiopischen Urwald.

Lorch-Waldhausen.Wie wird Kaffee für Bauern, Verarbeitenden und Kaffeetrinkende gleichermaßen bekömmlicher? Die evangelische Erwachsenenbildung in Waldhausen hatte zu einer bislang einmaligen Veranstaltung eingeladen: „Walk und Talk – auf dem Weg zu fairem Kaffee“.

Das Gehen und Reden haben Andrea Seitz von der Kleinkreditbank Oikokredit und Sylvia Thiel von der evangelischen Kirchengemeinde ganz wörtlich genommen. An Stelle eines Vortrags, wie es vermutlich vor den Einschränkungen durch die Covid-Pandemie der Fall gewesen wäre, trat ein Spaziergang. Unterwegs zu vier Stationen wurde denn auch gleich munter über Kaffeeerzeugung, Kaffeehandel und Kaffeepreise diskutiert. Immer wieder waren die Gespräche angeregt durch Informationen, Kommentare, Fragen von Andrea Seitz. Wer verdient am Kaffee, wer produziert ihn und wo?

Kaffee aus Vietnam

Nördlich und südlich des Äquators stehen Millionen von Kaffeepflanzen der Sorten Arabica und Robusta. Doch wer hätte geahnt, dass weder Brasilien noch Mittelamerika ganz oben auf der Liste der Kaffeelieferländer steht? Vietnam und die angrenzenden Länder liefern heute den meisten Kaffee. Und weil so viel produziert wird, fallen trotz steigender Transport kosten die Verbraucherpreise. Auch die Preise der Erzeuger fallen, wie Andrea Seitz mit Hilfe von Schaubildern und Statistiken zeigte.

Aus diesem Kreislauf von Massenproduktion und Verarmung von Kleinbauern ausgestiegen ist Christian Szabady aus Weitmars. Am Ende der Tour durch Waldhausen stellte er das Konzept von „Regenbogen Coffee“ vor. Nicht in speziellen Plantagen, sondern ganz natürlich und wild wächst der Kaffee im Südäthiopischen Hochland in einem Urwaldgelände von rund 350 Hektar. Dort sammeln Kleinbauern die vollreifen Kaffeekirschen für die kleine süddeutsche Firma.

Im Unterholz dieses Nebel- und Regenwaldes, so Szabady, entwickle der Kaffee sein besonderes Aroma. Verarbeitet und geröstet wird dieser Kaffee in der Nähe von Ulm, verkauft seit drei Jahren vorwiegend über einen Online-Shop. Dass der „wilde Kaffee“, mild und arm an Bitterstoffen ist, konnten die rund 20 Teilnehmer am Rundgang gleich selbst versuchen. Dass der Preis deutlich über den Billigangeboten liegt, war am Ende jedem einsichtig, der sich gemerkt hatte, dass im konventionellen Handel höchstens fünf Prozent des Verkaufspreises bei den Erzeugern bleibt. „Rainbow-Coffee“ dagegen verfolgt ein Konzept der „einen Hand“. Anbau, Verarbeitung, Handel und Vertrieb liegen Zwischenhändlerfrei bei einer Firma.

Die sorgt nicht nur für geregeltes und festes Einkommen bei den Bauern, sondern auch für die soziale Infrastruktur – von der Fortbildung der Bauern, über die Schulbildung der Kinder bis zu Wegen, über die der Rohkaffee transportiert wird.

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