„Kritik ist wichtig für den Planungsprozess“

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Tom-Philipp Zoll
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Was mit den Ideen der Lorcher Bürger geschieht, erklärt Stadtplaner Tom-Philipp Zoll.

Lorch/Stuttgart. Tom-Philipp Zoll ist Geschäftsführer des Stuttgarter Architekturbüros, das die Bürgerbeteiligung beim Lorcher Stadtentwicklungsplan organisiert. Im Interview erklärt er, wie mit den Vorschlägen aus der Bevölkerung umgegangen wird.

Herr Zoll, bei der Bürgerbeteiligung in Lorch meinten mehrere Teilnehmer am Schluss resigniert: „Und am Ende macht der Gemeinderat doch nur, was er möchte.“ Ist die Sorge Ihrer Erfahrung nach begründet?

Tom-Philipp Zoll: Nein, unserer Erfahrung nach fließen die Ergebnisse eines Beteiligungsprozesses stets in den beschlossenen Entwicklungsplan ein. Aber natürlich entscheidet der Gemeinderat als demokratisch legitimiertes Organ letztendlich über die Inhalte.

Die Lorcherinnen und Lorcher haben sehr viele Vorschläge aufschreiben lassen. Findet sich jeder im endgültigen Plan wieder?

Im endgültigen Plan fließen zusammengefasst die Anregungen ein, die aus dem Abwägungsprozess mit dem Gemeinderat in den endgültigen Stadtentwicklungsplan aufgenommen werden sollen. Es werden jedoch in der Broschüre zum Stadtentwicklungsplan alle Anregungen dokumentiert.

Bekommt die Öffentlichkeit die Liste der Vorschläge, die an dem Abend gesammelt wurden, in dieser Form zu sehen?

Die Vorschläge werden in einer öffentlichen Bürgerinfo oder bei einer Sitzung des Gemeinderats der Öffentlichkeit präsentiert. Die Entscheidung, welches Format gewählt wird, ist noch nicht getroffen.

In Lorch kritisierten Teilnehmer Entscheidungen des Gemeinderats, die teils Jahre zurückliegen. Ihr Mitarbeiter Ruprecht Neulinger sagte, dass solche Kritik beim Stadtentwicklungsplan wichtig sei. Was kann denn der Plan in der Hinsicht ausrichten?

Es geht hier um die inhaltliche Aufnahme von empfundenen Missständen und heute geäußerter Kritik an umgesetzten Projekten und sich daraus ergebendem Handlungsbedarf. Diese werden in der Zielformulierung des Entwicklungsplans im Gemeinderat diskutiert werden und sind daher wichtig für den Planungsprozess. Die Kritik an politischer Entscheidungsfindung ist nach unserer Ansicht nicht im Rahmen des Stadtentwicklungsplans zu diskutieren.

Bitte beschreiben Sie Ihr Vorgehen bei der Aufarbeitung des Inputs aus der Bevölkerung.

Alle Anregungen werden einzeln dokumentiert und zusammengefasst in der Broschüre des STEP 2035 veröffentlicht.

Manch einer wünschte sich, dass die Öffentlichkeit auch bei der Erstellung des endgültigen Plans nochmal Mitspracherecht hätte. Warum geht das nicht?

Der Prozess sieht die Beteiligung als Input für den Stadtentwicklungsplan. Hierfür erscheint das Beteiligungskonzept Workshopverfahren ausreichend. Da alle Anregungen im STEP dokumentiert werden, erscheint eine weitere Beteiligung erst wieder bei der spezifischen Umsetzung einzelner Handlungsfelder erforderlich.

Was ist mit den Lupen gemeint, die im Beteiligungsverfahren diskutiert wurden?

Lupen sind planerische Vertiefungen zu Einzelthemen in den Teilorten, die spezifisch behandelt und gegebenenfalls auf der Planungsebene STEP bearbeitet werden. Cornelia Villani

  • Lorchs Stadtentwicklungsplan
  • Lorchs Bürgermeisterin Marita Funk hat einen Stadtentwicklungsplan angestoßen, in dem Ziele formuliert werden sollen, wie sich das Leben in der Klosterstadt bis zum Jahr 2035 entwickeln könnte. Seit Mitte Oktober läuft der Prozess der Bürgerbeteiligung.
  • Zwei von drei Versammlungen haben stattgefunden, die letzte ist an diesem Mittwoch, 10. November, um 18 Uhr im Dorfhaus Kirneck. Dabei können die Bürgerinnen und Bürger Ideen zu Rattenharz, Kirneck und den Gehöften einbringen. cop

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