Mit dem Hund im Polizeieinsatz

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Claudia Dieth von der Polizeihundeführerstaffel Schorndorf mit Hündin Ginyah, ihrer tierischen Einsatzpartnerin. Foto: privat
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Wie die Polizeihundeführerstaffel in Schorndorf trainiert und warum der Platz unterm Schreibtisch für ein Arbeitstier kein geeigneter Ort zum Abschalten ist.

Schorndorf

Bei der Hundeführerstaffel des Polizeipräsidiums Aalen arbeiten 22 Menschen - fünf am Standort Kirchberg, 17 in Schorndorf. Dazu „ein Einsatzmittel mehr: Das ist der Polizeihund“, sagt Claudia Dieth, die stellvertretende Leiterin der Polizeihundeführerstaffel Schorndorf. Sie ist seit 2009 bei der Hundeführerstaffel, mit der fünfjährigen Belgischen Schäferhündin Ginyah ist sie im Einsatz.

Die Mensch-Hund-Teams des Polizeipräsidiums Aalen arbeiten schwerpunktmäßig im Streifendienst, seltener bei Fußballspielen, Demonstrationen oder bei der Sprengstoff- und Waffensuche. Was die Tiere können müssen, bedarf der Fortbildung und der ständigen Übung wie bei einem Berufssportler, sagt Dieth. „Die Hunde können nur dann ihr Niveau halten, wenn sie täglich trainieren.“ Etwa die Spurensuche oder eine Personengruppe abzudrängen. Oder den Befehl fürs Hinliegen, „‘Platz‘, egal wie provoziert wird“ ebenso wie „von Null auf Hundert da sein“. Die Hunde müssen Durchsuchungen ebenso lernen wie die Tätersuche. Genauso gehört dazu die Sicherung von Opfern oder Kollegen sowie die Verfolgung, etwa von Personen, die gegen Strafrecht verstoßen haben, zählt Dieth auf.

Die Trainingszeiten hängen ab vom Dienst der Zweibeiner: Der Frühdienst sei prädestiniert fürs Training für Hund und Mensch, der Nachtdienst dagegen einsatzlastig. Wenn Dieth morgens um 2 Uhr aufsteht, ist sie sicher: Die Hunde wissen, dass ein Spezialeinsatz ansteht und sind entsprechend heiß darauf, den Einsatz genauso auszuführen, wie sie es im Training geübt haben.

Sensibles Nervenkostüm

„Wir kommen immer mit Hund in den Dienst“, erzählt Dieth. Was nicht heißt, dass die Tiere in der trainings- und einsatzfreien Zeit als klassische Bürohunde unter dem Schreibtisch liegen. „Schutzhunde sind Arbeitstiere“, zumal insbesondere die bei der Polizeihundestaffel eingesetzten Belgischen Schäferhunde ein dünnes Nervenkostüm haben, sagt Dieth. Für diese Hunde bedeute der Aufenthalt im Zwinger oder in der Hundebox: „Jetzt können sie runterfahren.“ Wobei das auch für das familiäre Umfeld zu Hause gelte.

Grundsätzlich gehören die Staffelhunde zwar dem Polizeipräsidium Aalen, sie leben jedoch in den Familien ihrer Polizeihundeführer. Hat der Hundeführer Feierabend, dann geht der Hund mit nach Hause. „Das sind Familienmitglieder“, sagt Dieth. Ihr Vorteil sei ganz klar der eingezäunte Garten am Haus. Dennoch: Ein Belgischer Schäferhund habe keine Lust, den ganzen Tag herumzuliegen und verzeihe es eher schlecht, wenn er nicht sinnvoll beschäftigt wird. Am Wochenende bekommt Ginyah lange Spaziergänge und mehr geboten.

Für Hunde im Dienst gibt es eine monatliche Kostenaufwandsentschädigung, „ich brauche viel davon für Bälle, die irgendwo landen“, scherzt Dieth. Und ergänzt: „Man muss auch anders in Urlaub gehen.“ Während die Hunde von Kollegen vom Wesen her gut zu einem Wander- oder Wohnwagenurlaub passen, braucht Dieth ein Ferienhaus mit Zaun oder Mauer drumherum.

Neben Belgischen Schäferhunden gehören Deutsche Schäferhunde und Riesenschnauzer zum Team. Jeder außer dem Staffelleiter in Schorndorf habe einen Hund, manche ziehen bereits den Nachfolger heran und haben zwei, erzählt Dieth. Während die Jungen lernen, was ein Schutzhund können muss, können die Älteren immer noch ihre Spürnase und ihre Erfahrung zum Einsatz bringen. Werden die Althunde vom Dienst ausgemustert, wird ein Pensionsvertrag geschlossen. Der Hund gehört weiter dem Polizeipräsidium, wird aber vom Hundeführer versorgt, denn „den Lebensabend des Hundes will man gemeinsam verbringen“.

Erst die Theorie

Dieth ist mit einem Hund aufgewachsen, der immer überall dabei war. „Mich hat das gereizt, mit einem Lebewesen zu arbeiten.“ Das Wichtigste sei dennoch, zuerst den Polizeidienst von der Pike auf zu lernen. Abgesehen davon, liegt ihr auch der Otto-Normalhund am Herzen, darum hat sie einen Flyer entwickelt. Sich zuerst in der Theorie mit einem Alltag mit Hund zu beschäftigen sei „super, weil ich dann veranlasst werde, mich vor der Anschaffung damit auseinanderzusetzen“.

Ob Dieth sich überhaupt ihren Ruhestand ohne Hund vorstellen kann? Die 52-Jährige antwortet nachdenklich, es ist ja noch eine Weile hin: Möglicherweise einen Therapiehund oder die Mitarbeit in der Rettungshundestaffel könnte sie sich vorstellen. Doch es zählt momentan das Hier und Jetzt, „da habe ich das Glück, in meinem Berufsalltag intensiv mit dem Hund zu arbeiten“.

Claudia Dieth von der Polizeihundeführerstaffel Schorndorf mit Hündin Ginyah, ihrer tierischen Einsatzpartnerin. Foto: privat

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