Duftkräuter zum gefahrlos Naschen

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Mitarbeiter des Stiftungshofes und vom NABU gestalten die Grünflächen der Einrichtung um
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Wie der Stiftungshof Haubenwasen zu einem blühenden Paradies für Insekten und Kleingetier umgestaltet wird und was die Bewohner davon haben

Alfdorf-Pfahlbronn

Den Senioren im Stiftungshof Haubenwasen bot sich ein ungewohntes Bild. Auf dem „Marktplatz“ der Einrichtung und in deren Innenhöfen waren die Mitarbeiter mit Werkzeug in allen Größenordnungen damit beschäftigt, die Grünanlagen umzugestalten. Das NABU-Projekt „Blühende Gärten – miteinander für mehr Vielfalt“, das die evangelische Heimstiftung als Betreiber umsetzt, will die biologische Vielfalt im Siedlungsraum zu fördern. „Das Projekt wird über die Stiftung Naturschutzfonds aus zweckgebundenen Erträgen der Glücksspirale mit 165 000 Euro gefördert“, erzählt die Projektleiterin Aniela Arnold. Bis März 2022 sollen 15 Einrichtungen der Evangelischen Heimstiftung naturnah umgestaltet werden. Dann wachsen heimische Wildstauden und Sträucher, es gibt Trockenmauern, Blühwiesen und Totholzhaufen, die Lebensraum für Insekten und Vögel bieten.

Unter den kritischen aber durchaus erfreuten Blicken einiger Bewohner ging es also den Pflanzen an den Kragen, an die die hiesige Tierwelt sich nur schwer oder gar nicht anpasst, erklärt der Naturgartenplaner Frieder Weigand. Bewohnerin Margarete Wörner hätte die „Neugärtner“ gerne aktiv unterstützt, früher habe sie in Alfdorf einen großen Garten gehabt, erzählt die Seniorin und freundlich gibt sie den Pflanzteams Tipps zum setzten der Stauden und Pflanzen. 97 Jahre alt ist Elsa Pöhls, die täglich ihre Runden im Hof des Haubenwasen dreht. Der Anblick der bisherigen Bepflanzung sei eher „fad“ gewesen, findet sie und freut sich auf das, was kommt: „Wir brauchen Blumen zum anschauen und riechen“.

„Das wird was“, ist Bewohnerin Thea Schulz felsenfest überzeugt. Auch sie ist täglich im Hof unterwegs, der ihrer Ansicht nach „viel zu kahl“ wirkte. Allerdings sollte die neue Bepflanzung mehrjährig und winterhart sein, regt sie an.

Im Innenhof der Demenzabteilung kniet der Hausmeister Tobias Schumann mit zwei Mitarbeiterinnen in der feuchten Erde und gräbt unverdrossen alte Stauden aus. Hier soll ein „Duft- und Naschgarten“ entstehen, erklärt die Einrichtungsleiterin Annina Mödinger. Also werden Fenchel, Thymian, Wermut, Minze und weitere Duftkräuter gepflanzt. Für die demenzkranken Bewohner sei es einerseits optisch schön, „wenn im Garten etwas wächst“. Andererseits soll der Kräuterduft die Sinne anregen und im günstigsten Fall Erinnerungen wecken. Der größte Vorteil der Duftkräuter liegt darin, dass die Bewohner davon ohne gesundheitliches Risiko naschen dürfen. Und aus dem Wiesenstück vor dem Marktplatz wird eine rund 300 Quadratmeter große Blühwiese.

Am Projekt hat übrigens auch Bürgermeister Ronald Krötz mitgewirkt. „Wir haben ihm einige der rund 500 Stauden übrig gelassen“, erzählt die Einrichtungsleiterin lachend, denn der Schultes hatte erst nachmittags Zeit.

Blumen zum Anschauen und Riechen.“

Elsa Pöhls,, 97 Jahre alt
Mitarbeiter des Stiftungshofes und vom NABU gestalten die Grünflächen der Einrichtung um
Mitarbeiter des Stiftungshofes und vom NABU gestalten die Grünflächen der Einrichtung um

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