„Saft“ vom Dach für die Seelsorge

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Die Solarmodule auf dem Dach der Martin-Luther-Kirche in Lorch-Waldhausen sind am Montag installiert worden. Sie versorgen die Kirche mit Strom und sollen „grüne Gottesdienste“ ermöglichen.
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Seit Montag produziert eine Photovoltaikanlage auf der Martin-Luther-Kirche in Waldhausen Strom. Pfarrer Lukas Golder freut sich auf „grüne Gottesdienste“.

Lorch-Waldhausen

Seit einer Woche werkeln Arbeiter auf dem Dach der Martin-Luther-Kirche im Lorcher Teilort Waldhausen. „Da gab es wohl schon beinahe Unfälle, weil die Leute beim Vorbeifahren schauen, was los ist“, erzählte Pfarrer Lukas Golder.

Am Montagmorgen war dann offensichtlich, was passiert, aber kein Unfall: Vier Arbeiter schraubten schwarze Photovoltaik-Module auf die vorbereiteten Befestigungen. Der Pfarrer freute sich: „Bald feiern wir jeden Sonntag grüne Gottesdienste, mit eigenem Strom.“

17 500 Euro hat die Stromerzeugungsanlage gekostet, die der Kirchengemeinderat im Oktober 2020 einstimmig auf den Weg gebracht hatte. Weitere 7500 Euro kostet die Beleuchtung des Kirchturms, die nun ebenfalls installiert wird. Für 2500 Euro wird zudem die Beleuchtung im Altarraum erneuert.

An die Rücklagen

„Die Installation am Kirchturm und im Altarraum können wir komplett über Spenden finanzieren“, sagte Pfarrer Golder froh. Für die 28 Module auf dem Dach gehe die Gemeinde an ihre Rücklagen und gewähre sich außerdem ein inneres Darlehen. „Diese Kosten werden wir erst in 14 Jahren wieder drin haben“, rechnete Golder vor. „Doch wir haben das Projekt ja nicht gemacht, um Geld zu verdienen.“

Sondern, um einen aktiven Beitrag zum Umweltschutz zu leisten. Es gehe um ethische Verantwortung: „Wir wollen den christlichen Auftrag, die Schöpfung zu bewahren, ernst nehmen.“ Und das mit der prominenten Installation auf dem Kirchendach auch öffentlich demonstrieren.

Dabei wäre das Projekt beinahe im letzten Moment gescheitert. Eine Woche, nachdem der Auftrag an die Firma Zipser aus Bartholomä vergeben worden war, sei eine Stellungnahme zur Energieberatung des Oberkirchenrats im Pfarrhaus eingegangen. „Darin stand, dass Photovoltaikanlagen nicht auf denkmalgeschützten Gebäuden installiert werden dürfen.“ Der Schreck sei groß gewesen: „Ist unsere Kirche etwa denkmalgeschützt?“, hätten sich Golder und seine Frau Ulrike gleich gefragt. Tatsächlich ist der 1956 eingeweihte Bau der Martin-Luther-Kirche kein Denkmal, bekam man schnell bei der zuständigen Behörde heraus. Dem grünen Strom stand also nichts mehr im Wege. Dem Pfarrer sei klar, dass durch die Installation das Aussehen der Kirche verändert wird. „Wir haben bisher aber nur positive Reaktionen darauf bekommen.“

Leuchtender Kirchturm

Künftig werden die Module den Strom für Orgel, Uhr, Glocken und Licht der Martin-Luther-Kirche liefern. „Nur für die Heizung am Sonntag werden wir in den Wintermonaten mehr Energie verbrauchen, als wir selbst produzieren.“ Was sich aber ausgleiche, da von montags bis samstags wiederum mehr Strom ins Netz gespeist als vor Ort gebraucht werde. 8000 Kilowattstunden benötige man im Jahr für die Heizung, 1200 für Licht, Uhr, Glocken und Orgel.

Außerdem gehören zwei weitere Module auf dem Dach zur Beleuchtung des Kirchturms. Orange-rot soll dieser in der Dämmerung leuchten. Der produzierte Strom werde in einen Akku im Turm eingespeist, der wiederum Grundlage für die Laufzeit des Strahlers am Abend sein wird. „Der LED-Strahler leuchtet dann nur so lange, wie der Akku an dem Tag von der Sonne aufgeladen wurde.“ Übrigens sei der Strahler insektenfreundlich und energiesparsam. Und werde wegen eines neuen Gesetzes zur Lichtverschmutzung nur in den Wintermonaten eingesetzt.

Aktuell sammelt die Kirchengemeinde Spenden, um den Zähler- und Sicherungskasten in der Kirche auf den aktuellen Sicherheitsstand zu bringen. „Auch an den Fenstern werden wir kleinere Sanierungsarbeiten machen lassen“, sagt Pfarrer Lukas Golder.

Wir wollen den christlichen Auftrag, die Schöpfung zu bewahren, ernst nehmen.“

Lukas Golder,, Pfarrer

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