Änderungen an Kindergarten-Gruppen abgelehnt

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Keine Mehrheit im Lorcher Kirchengemeinderat für Pläne der Stadt. Erneute Abstimmung folgt.

Lorch. Bei vier Ja-Stimmen, zwei Gegenstimmen und sieben Enthaltungen hat der Lorcher Kirchengemeinderat vergangene Woche abgelehnt, der von der Stadt beschlossenen Änderung der Gruppenstrukturen in den evangelischen Kindergärten zuzustimmen. „Es gab keine Mehrheit für die Wünsche der Stadt“, sagt Pfarrer Christof Messerschmidt und verweist auf eine Sondersitzung, die der Rat an diesem Dienstag abhalten wird. Dann wird das Thema nochmals zur Abstimmung gestellt.

Ganztag unnötig reduziert

Im Dezember war der Lorcher Gemeinderat der Empfehlung der Stadtverwaltung gefolgt und hatte mehrheitlich beschlossen, dass es ab September in den Einrichtungen Naturino, Mörike und EKO keine zeitgemischten Gruppen geben werde. Im Mörike ist die Rede von nur noch zwei statt vier Ganztagesgruppen, und zwar ausschließlichen Ganztagsgruppen. „Bislang bieten wir Ganztag, Regelbetrieb und Verlängerte Öffnungszeiten (VÖ) in allen Gruppen an“, erklärt Messerschmidt. Im Naturino falle der Ganztag komplett weg, hier ist VÖ angedacht. Zum Entschluss der Stadt gehört auch, dass im Naturino ab September Kinder ab zwei Jahren in die altersgemischte Gruppe aufgenommen werden. Was das Angebot für Kinder dieses Alters erhöht.

Der Kirchengemeinderat kritisiert, dass die geplanten Änderungen aus pädagogischer Sicht eine Verschlechterung bedeuten würden. Weil Eltern ihre Kinder nicht mehr flexibel zeitlich auf- oder abstufen können, etwa bei Änderungen im Beruf. Gruppen- oder Kindergartenwechsel würden befürchtet.

Außerdem würde das Ganztagsangebot auf ein nicht gerechtfertigtes Minimum reduziert. Nicht zuletzt rechnet die Gemeinde damit, dass Personal eingespart werden soll. Welches aber gebraucht würde. „Weil eine größere Altersspanne einen größeren pädagogischen Aufwand bedeutet.“

Gemeinde müsse zustimmen

Stadt und Kirchengemeinden kooperieren miteinander beim Thema Kinderbetreuung. So trägt die Kommune einen Großteil der Kosten, die Organisation des Alltags liegt beim kirchlichen Träger. Rein formal muss die Kirchengemeinde Lorch und Weitmars dem Entschluss der Stadt zustimmen. Weil das bisher nicht erfolgt war, konnten sich Eltern auch nicht für die drei evangelischen Kindergärten anmelden. Zumindest nicht über das zentrale Online-Programm der Stadt, das seit Anfang Januar für das kommende Kindergartenjahr freigeschaltet wurde.

Was passiert, wenn der Rat auch in der heutigen Sitzung beim Nein bleibt? „Dann würden die geplanten Änderungen nicht kommen“, sagt Pfarrer Messerschmidt, „allerdings müssten wir als Kirchengemeinde dann die Mehrkosten übernehmen“. Diese würden sich auf zwei Personalstellen beziehen, die im Falle der Änderungen eingespart werden könnten, habe die Stadt der Kirchengemeinde signalisiert. „Das sind vermutlich zwischen 150 000 und 200 000 Euro im Jahr“, schätzt Messerschmidt.

Das Geld habe die Kirchengemeinde aber nicht. Der Pfarrer rechnet deswegen damit, dass die Kirchengemeinderäte am Abend zustimmen werden. „Weil wir müssen.“ Übrigens reiche schon eine weitere Ja-Stimme aus, sollte es bei den vielen Enthaltungen bleiben. „Das ist eine Sonderregelung, wenn es eine große Anzahl an Enthaltungen gibt.“

Bürgermeisterin Marita Funk bestätigt nicht, dass Personal eingespart werden soll: „Grundsätzlich liegt die Personalplanung in der Hoheit der Träger. Der Stadt Lorch liegen keine detaillierten Informationen zum aktuellen Personalstand in den Einrichtungen der Kirchengemeinde Lorch-Weitmars vor.“

Betreuung dringend benötigt

Wenn der Kirchengemeinderat sich gegen die Bedarfsplanung ausspreche, habe das zur Folge, dass die dringend benötigten Betreuungsplätze für Kinder ab zwei Jahren nicht beziehungsweise weniger bedarfsgerechte Betreuungsplätze im Stadtgebiet zur Verfügung stehen.

„Dies entspricht nicht dem Gedanken der zwischen der Stadt und der Evangelischen Kirchengemeinde Lorch-Weitmars geschlossenen Förderverträge, wonach der kirchliche Träger die bedarfsgerechten und benötigten Plätze der Stadt zur Verfügung stellt.“ ⋌Cornelia Villani

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