Alltag im Wohncontainer erleichtern

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Die Lorcher Ärztin Magdalena Hefele-Golubic ruft zu Spenden für drei Familien in Kroatien auf, die es seit dem dortigen Erdbeben sehr schwer haben.

Lorch

Seit einer knappen Woche ist Magdalena Hefele-Golubic aus Kroatien zurück. "Und noch immer habe ich nicht alles Erlebte verdaut", sagt die Lorcher Ärztin. Fünf Tage war sie Ende Januar zusammen mit ihren Arzthelferinnen Beyza Erol und Sibel Demir im Gebiet rund um die Stadt Petrinja unterwegs, wo am 29. Dezember ein starkes Erdbeben großes Unglück verursacht hatte. Die drei Frauen brachten gespendete Medikamente und medizinische Geräte zu Kliniken und Menschen vor Ort.

Einfach unmenschlich

Dabei trafen sie auf Familien, die in Containern neben ihren einsturzgefährdeten Häusern leben müssen. "Bei winterlichen Temperaturen und auf engstem Raum, einfach unmenschlich." Deshalb möchte die kroatisch-stämmige 38-Jährige ihre Hilfsaktion fortsetzen. "Wir haben drei Familien ausgesucht, denen es besonders schlecht geht." Für diese soll Geld gesammelt werden. Die Auswahl sei ihr nicht leichtgefallen. "Aber um spürbar zu helfen, muss man sich wenige herauspicken." Werden die Kroaten von der eigenen Regierung unterstützt? "Ja, wir haben von Spendentöpfen und EU-Geldern gehört, die verteilt werden sollen." Aber so schnell, wie die Menschen Hilfe brauchen, sei das wohl nicht möglich. Auch Versicherungen für Gebäude, wie man sie hierzulande kennt, seien in Kroatien eher unüblich. "Ich befürchte, dass viele noch im nächsten Winter in ihren Containern sitzen müssen."

Die Familien Oroz, Josipovic/Smolkovic und Prasnjak sind alle in dieser Situation. Sie leben neben ihren beschädigten Häusern in Campern oder Containern. Das Haus von Miroslav Smolkovic und Ivana Josipovic hat es schwer erwischt. Der Gutachter habe bescheinigt, dass das Gebäude nur noch abgerissen werden könne, erzählt Hefele-Golubic. "Dazu hat Miroslav eine Niere transplantiert bekommen und muss regelmäßig ins Krankenhaus." Die Medizinerin rechnet nicht damit, dass über ihren Spendenaufruf ein neues Haus finanziert werden kann. "Aber vielleicht können wir den beiden die Sorge um die laufenden Kosten nehmen." Etwa um hohe Stromkosten. Denn seit ihrem erzwungenen Auszug nutzen der 37-Jährige und seine 31-jährige Partnerin Strom für die Heizung und fürs Kochen. Ein provisorisches Kabel verläuft dafür quer über ihr Grundstück. "Sie fürchten hohe zusätzliche Kosten."

Den Alltag im Wohncontainer erträglicher machen, sei auch das Ziel für die siebenköpfige Familie Prasnjak. Vater Stjepan und Mutter Bozica leben mit vier Töchtern und einem Sohn auf engstem Raum. Draußen vor dem kleinen Klappfenster liegt gut zwanzig Zentimeter hoch Schnee. "Der siebenjährige Filip leidet an einer Nierenkrankheit." Seine 24-jährige Schwester Ivancica habe beide Nieren transplaniert bekommen und müsse sich regelmäßig in Zagreb untersuchen lassen. "Dass so viele Menschen hier nierenkrank sind, ist ein seltsamer Zufall", kommentiert die Ärztin.

Familie Oroz könnte mit einer Geldspende womöglich zurück in ihr Haus. Vater Franjo, Mutter Snjezana und Sohn Kristjan berichten vom Dachstuhl ihres Hauses, der einsturzgefährdet sei. "Das könne man aber durch einen neuen Sturz und einen neuen Dachstuhl beheben", erzählt Hefele-Golubic.

Groß war die Freude der Ärztin, als sie nach ihrer Rückkehr vom bereits eingerichteten Spendenkonto des Lorcher Forum58 Plus gehört hatte. "Eine tolle Unterstützung!" Schon im Vorfeld hatte Sieghart Dreher FFP2-Masken für Hefele-Golubics Fahrt gespendet. "Was jetzt auf dem Konto ankommt, kommt da noch obendrauf", verspricht der Forum-Vorsitzende.

Wer die drei Familien in Kroatien unterstützen möchte, kann unter dem Stichwort "Spende Erdbeben" auf folgendes Konto des Forum58 Plus überweisen: DE03 6145 0050 1001 2420 79.

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