Bereit fürs digitale Lernen im Unterricht

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An der Grundschule Waldhausen arbeiten die dritte und vierte Klasse seit kurzem mit Tablets. Bürgermeisterin Marita Funk (Mitte, sitzend) schaute sich vor Ort an, wie die Technik im Schulalltag genutzt wird.
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An zwei Lorcher Schulen klappt das digitale Arbeiten. Wie es läuft, schaute sich Bürgermeisterin Marita Funk in Waldhausen an.

Lorch

Lea nimmt ein Buch und schlägt eine Seite auf, die Planeten zeigt. Jetzt hält Lina ein Tablet darüber. Sofort erscheint eine bewegte Ansicht, bei der die Erde sich um die Sonne dreht. „Wann entsteht eine Sonnenfinsternis?“, liest Lina vor. „Das können wir jetzt beantworten“, erklärt Lea. Die beiden Viertklässlerinnen der Grundschule Waldhausen zeigten zusammen mit ihren Mitschülern Lorchs Bürgermeisterin Marita Funk, wie sie künftig Medien nutzen können.

Rektorin Stephanie Knödler lief mit der Rathauschefin von Tisch zu Tisch. Hier legten drei Mädchen ein Tangram mit Bausteinen nach, dort drüben zeichnete ein Mädchen Comicbilder und an zwei Tischen programmierten mehrere Zweiergruppen Wege durch eine Landschaft. „An der Kamera sitzt ein Reflektor, der das Geschehen vom Tisch auf das Tablet überträgt“, zeigte Knödler an den Geräten. Gefördert würden Grundlagen des Programmierens, Deutsch, Mathematik, Teamfähigkeit und vieles mehr.

Die Rektorin freut sich, dass sich ihre Schule nach langen Vorplanungen nun digital weiterentwickeln kann. 40 Schüler-Tablets und neun Klassenraumtablets für die Lehrer wurden durch die Stadt und durch Spenden angeschafft, dazu WLAN im ganzen Gebäude verlegt. Sechs große Displays hängen nun hinter jeder Tafel. Darauf können Filme gezeigt oder einfach die Arbeitsoberfläche des Lehrer-Tablets gespiegelt werden.

Beate Stohrer machte mit ihrer dritten Klasse gerade Sachunterricht. Je zwei Kinder hatten ein Tablet vor sich stehen. „Wisst ihr noch, wie ihr das Arbeitsblatt von meinem Tablet empfangen könnt?“, fragte die Lehrerin. Zahlreiche Finger schossen in die Höhe. „Die Kinder sind manchmal schneller als ich“, sagte Beate Stohrer hinterher lächelnd. Sie denkt, dass der Einsatz der Technik die Kinder motiviert. „Lesen auf Papier ist halb so spannend wie auf dem Tablet.“ Dazu durfte sich die Klasse einen Film anschauen. Danach bekamen alle ein Blatt, auf dem sie ihr gelerntes Wissen anwenden konnten. Bürgermeisterin Funk zeigte sich beeindruckt: „Toll, wie gut die Kinder das machen.“

„Wir testen die Technik jetzt in Klasse drei und vier“, erklärte Rektorin Knödler. Dann überlege man, den Einsatz auf weitere Klassenstufen zu erweitern. Ihre Klasse habe schon gute Grundkenntnisse im Umgang mit den Tablets. Das sei eine Voraussetzung für die Nutzung, die nicht für jede Schulstunde geplant ist: „Eine gute Mischung ist wichtig.“

An der Stauferschule in Lorch ist man noch nicht so weit. „Uns fehlt immer noch flächendeckendes WLAN“, sagt Rektorin Ana Fritz. Im 60 Jahre alten Schulgebäude müsse zusätzlich auch die Elektrik saniert werden. „Die Stadt ist an dem Thema dran.“ Erst nach den Arbeiten möchte Fritz die Geräte ordern, lediglich die Klassenraumtablets und 40 Schüler-Laptops seien bereits vorhanden. Fritz‘ Plan sieht ein ähnliches Konzept wie an der Waldhäuser Grundschule vor.

An der Schäfersfeldschule ist Jasko Sabic sehr zufrieden. „Wir haben alle Geräte bekommen, die wir benötigen“, sagt der Konrektor der Realschule. Dazu gehören Lehrertablets und vier Klassensets an Schüler-Tablets. Jedes Klassenzimmer verfügt über Beamer mit Soundbar, Dokumentenkamera, Apple TV und Laptop. „Außerdem wurde einer unserer beiden Computerräume mit neuen Geräten ausgestattet.“ Im Lehrerzimmer stehen neue Monitore und Drucker.

WLAN hatte die Schule bereits, seit der Glasfaseranbindung des Schulzentrums ist die Internetverbindung auch endlich schnell genug. „Jetzt sind wir dabei, alle Lehrkräfte zu schulen.“ Die Bereitschaft sei groß: „Anfängliche Ängste sind überwunden.“ Dazu trage auch das Konzept des Mediendienstes bei: Sabic schulte zwei Schüler pro Klasse im Umgang mit Beamer, Tablet und Co. „Sie sind erster Ansprechpartner, wenn mal etwas nicht funktioniert.“

Als Fachlehrer nutzt Sabic die Technik selbst: „Meinen kompletten Unterrichtsentwurf mache ich am Tablet.“ Wodurch er viel Papier spare. Texte, Aufgaben, Bilder sind schnell an die Leinwand geworfen. „Ich lasse Schüler auch Arbeitsblätter an meinem Tablet ausfüllen.“ Sollte irgendwann Fernunterricht nötig werden, sei die Schule jetzt besser aufgestellt. „Durch die Geräte in jedem Raum ist Unterricht möglich, den wir zu den Kindern nach Hause streamen könnten.“ Außerdem lägen 85 Laptops bereit: „So viele Schüler bräuchten laut neuester Umfrage ein Leihgerät.“

Am Gymnasium Friedrich II. laufen einige Arbeiten aktuell noch. Im ganzen Schulhaus war im Sommer WLAN verlegt worden. Auch hier ist der Einsatz von Apple TV und Co geplant. 136 Tablets wurden kürzlich vom Gemeinderat bestellt.

Mehr Bilder vom digitalen Unterricht auf www.tagespost.de

Die Kinder sind manchmal schneller als ich.“

Beate Stohrer,
  • Die Kosten der Digitalisierung
  • Die Stadt Lorch hat seit 2020 bis jetzt insgesamt 561 000 Euro für die Digitalisierung der Schulen bezahlt, sagt Bürgermeisterin Marita Funk. Davon für die Grundschule Waldhausen 107 000 Euro, für die Stauferschule 60 000 Euro, für die Schäfersfeldschule 170 000 Euro, fürs Gymnasium 194 000 Euro und für Beratungs- und Ausschreibungsleistungen 30 000 Euro. Weitere 120 000 Euro sind für Bestellungen für Gymnasium und Realschule eingeplant, die aktuell laufen. 503 000 Euro Fördergelder stehen Lorch aus dem DigitalPakt zu. Davon sind bislang 196 000 Euro in die Stadtkasse geflossen. cop

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