Betrüger hatten es auf sie abgesehen

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Bankmitarbeiter verlangen von Kunden niemals Daten aus der App per Telefon, warnt die Polizei. Symbolfoto: cop

Ein Verbrecher ergaunert von der Lorcherin Jutta Rath 1100 Euro. Das Bankinstitut und die Polizei erklären, wie man sich vor dieser Art der Abzocke schützen kann.

Lorch

Wenn Jutta Rath an den Anruf denkt, wird ihr immer noch ganz anders. „Ich hätte nie gedacht, dass ich mal Opfer eines Telefonbetrugs werde“, sagt die 75-Jährige, „das ist mir sehr peinlich“. Und doch möchte sie das Erlebte erzählen: „Um andere zu warnen.“

Die Lorcherin erhielt am Sonntag einen Anruf mit Stuttgarter Vorwahl. Ein Herr Fischer gab sich als Mitarbeiter der Volksbank Stuttgart aus, Jutta Raths Hausbank. „Es war die richtige Telefonnummer.“ Ob sie 1100 Euro nach Polen überwiesen habe? Als die Rentnerin verneinte, meinte der Mann, er könne die Überweisung noch rückgängig machen. Er brauche lediglich sofort die TAN-Nummer, die in der App auf Jutta Raths Handy auftauchen müsste. „Natürlich habe ich ihn gefragt, warum er denn sonntags anrufe.“ Die Bank würde sich rund um die Uhr um ihre Kunden kümmern, lautete die prompte Antwort. Und sie könne ja am Montag bei ihrer Bankberaterin deswegen nachfragen, die würde dann alles genau erklären. „Er wusste auch den Namen meiner Beraterin.“

Und als die Bank-App tatsächlich eine TAN-Nummer ausspuckte – also eine willkürliche Ziffernfolge, mit der man beispielsweise Überweisungen freigibt – war die Rentnerin überzeugt, alles habe seine Richtigkeit. Doch sofort danach plagten sie Zweifel, sie ließ ihr Konto über die Nummer 116 116 sperren. „Und dann habe ich die ganze Nacht nicht geschlafen.“

Tags drauf bewahrheitete sich ihr Verdacht: Die 1100 Euro waren weg. Sofort rief Jutta Rath in der Filiale an. Und tatsächlich gelang es der Bank, die Buchung zu stoppen. „Am Dienstag war das Geld wieder da“, erzählt die 75-Jährige erleichtert und dankbar.

„Eine Überweisung befindet sich eine Zeit lang zwischen beiden Konten“, erklärt Robert Hägelen, Bereichsleiter Unternehmenskommunikation und Marketing der Volksbank Stuttgart. „In dieser sehr kurzen Zeit haben wir noch die Möglichkeit, einzugreifen.“ Als zusätzlichen Schutz verfüge die Volksbank über eine selbstlernende Software. Diese erkenne verdächtige Geldbewegungen. „In dem Fall wird die Überweisung angehalten und die Mitarbeiter überprüfen das.“

Die Volksbank kenne die „neue Betrugsmasche“, Hägelen nennt die aktuelle Ausbreitung „eine Welle“. „Das sind rhetorisch versierte Betrüger, die vor allem ältere Leute massiv unter Druck setzen, ganz schlimm.“ Solche Banden würden nicht über die Bank an die Konten kommen. Dazu sei das Geldinstitut zu gut gesichert. „Deswegen versuchen sie es über die Kunden.“ Hägelen betont, dass niemals ein Mitarbeiter oder eine Mitarbeiterin der Bank eine TAN-Nummer am Telefon erfragen würde. „Geben Sie niemals Informationen über Ihr Konto heraus.“

Tipps von der Polizei

Holger Bienert empfiehlt, gerade ältere Familienmitglieder darüber aufzuklären. Und wenn der Anruf kommt? „Am besten einfach auflegen“, sagt der Sprecher des Polizeipräsidiums Aalen. Und grundsätzlich misstrauisch sein, sobald es ums Geld geht. Auch die Polizei kenne die Masche. Bienert appelliert an Betroffene, Anzeige zu erstatten. „Nur so bekommen wir die Chance, die Täter zu ermitteln.“ Da diese oftmals im Ausland sitzen oder über ausländische Server arbeiten, sei das zwar schwierig. „Es gelingt aber doch immer wieder.“

Dass Jutta Rath Vertrauen in die Telefonnummer ihres Bankinstituts gesetzt hat, versteht Bienert. „Doch heutzutage kann man sich über Internetdienste jede beliebige Nummer generieren lassen.“ Die Rentnerin ist sich auf jeden Fall sicher, dass ihr das nicht noch einmal passieren wird. „Dazu bin ich jetzt viel zu misstrauisch.“

Mehr Informationen gibt's unter www.polizei-beratung.de.

Ich hätte nie gedacht, dass ich mal Opfer eines Telefonbetrugs werde.“

Jutta Rath,, Betrugsopfer aus Lorch

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